Gastgewerbe Gedankensplitter


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Sonntag, Juni 09, 2002

In den USA geraten Fast-Food-Ketten unter massiven Druck der öffentlichen Meinung. Das im Januar 2001 erschienene Buch "Fast Food Nation" von Eric Schlosser wurde zum Bestseller (preiswerte Taschenbuchausgabe in englisch, die gebundene deutsche Ausgabe, eine deutsche Taschenbuchausgabe steht noch aus, ein Interview mit Eric Schlosser in Salon.com). Jetzt wirft, so eine Meldung der britischen "Independent" vom 4. Juni 2002, der amerikanische Rechtsanwalt John Banzhaf, der Mitte der 60er Jahre als erster die Tabakkonzerne verklagte, der Fast-Food-Industrie vor, sie mache die Amerikaner fettleibig, und will sie wegen falscher Produktangaben verklagen.

In Deutschland wird, weil Anwälte hier nicht auf Erfolgshonorarbasis arbeiten dürfen, dies Beispiel zwar keine Schule machen. Aber analog der mit Verspätung nach Europa schwappenden Debatte um nichtraucherfreundliche Gaststätten und Hotels kann man vermuten, daß irgendein populistischer Politiker auch bei uns das Thema aufgreifen wird. Zu erwarten sind ausufernde bürokratische Vorschriften über die Inhaltsstoffe von Speisen und Getränke in Speisekarten und Inseraten. McDonald's wurde z.B. kritisiert, weil damit geworben worden war, Pommes würden in 100 Prozent pflanzlichem Öl zubereitet. Tatsächlich wurden sie jedoch vom Lieferanten noch vor dem Einfrieren in rinderhaltigem Öl vorgebacken. Gegen andere Betreiber wurde wegen falscher Fettangaben vorgegangen. Solche Vorschriften würden insbesondere kleine und mittlere Gastronomen treffen, die praktisch nicht in der Lage sind, ihre Lieferanten oder die angelieferten Produkte zu kontrollieren, sondern sich auf die Angaben der Lieferanten verlassen müssen.

Die moralische Ächtung von McDonald's hat auch in Deutschland, vor dem Hintergrund eines latenten Antiamerikanismus rechter und linker Extremisten, Tradition. Wie die NGG exemplarisch gegen McDonald's vorgegangen ist, dokumentiert ein Bericht "Bilanz der 1998 bundesweit geführten NGG-Aktionswoche gegen McJobs". Wer sich als Gastronom die Hände reibt und denkt, denen gönn' ich das, verkennt, daß die Gewerkschaft Nahrung-Genuß-Gaststätten (NGG) McDonald's bewußt herausgreift. Man hofft wegen der großen Anzahl der Mitarbeiter auf eine Vielzahl von freizustellenden Betriebsräten und auf eine Alllianz mit Menschen mit anti-amerikanischen Ressentiments und ökologischen Bedenken. Daß der NGG der Verbraucherschutz, eine naturnahe Produktion und artgerechte Tierhaltung weniger am Herzen liegen als die Interessen ihrer Mitglieder in der Fleischverarbeitung, sieht man an ihren Stellungnahmen zur BSE-Problematik (Siehe z.B. eine Pressemitteilung der NGG "Rindfleisch verwerten statt vernichten" vom 30.01.2001). Wußten Sie schon, daß George Ritzer in seinem Buch "The McDonaldization of Society", London 1998, davon spricht, die Personalpolitik von McDonald's spreche bevorzugt gesellschaftliche Randgruppen und solche Menschen an, die kaum andere berufliche Alternativen haben, und daß sich Anja Weber, Referatsleiterin beim Hauptvorstand der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten und zuständig für McDonald's, dieses Zutat zu eigen macht (siehe Anja Weber: "Arbeiten bei McDonald’s - McJobs in der Wirklichkeit")? Haben auch Sie asoziale Mitarbeiter, die der Hilfe der NGG bedürfen?