Gastgewerbe Gedankensplitter


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Mittwoch, Oktober 23, 2002

Ich habe gerade das einführende erste Kapitel des Buches "Creating Customer Evangelists: How Loyal Customers Become a Volunteer Sales Force" von Ben McConnell, Jackie Huba, Guy Kawasaki, das im Dezember 2002 erscheinen soll, vorab gelesen. Es ist eine scharf formulierte Abrechnung mit dem vorherrschenden Marketing der 60er Jahre.

Es ist wohl kein Zufall, daß mir dabei eine Verkaufsförderungsaktion der Kulmbacher Brauerei für ihre Weizenbiermarke "Kapuziner" in den Sinn kommt, die mir gestern vorgestellt worden ist. Eine Rubbelkarte soll an Gäste verteilt werden, die ein Weißbier trinken. 15% der Karten gewinnen. Die Gewinner erhalten ein Freibier und, wenn sie ihre Adressdaten und ein paar Fragen rund um ihre Weißbier-Präferenzen auf der Rückseite der Rubbelkarte offenbaren, und die Karte abgeben, die Chance auf ein Überraschungspaket. Was ist an solchen Aktionen schlecht?
  • Die Absatzmittler wurden zu spät eingebunden. Ich als Gastronom werde damit konfrontiert, wenn die Aktion fix und fertig ist. Die Chance, Mängel zu korrigieren, ist vertan.
  • Die Interessen und die spezifischen Verhältnisse der Absatzmittler werden nicht wahrgenommen und eingebunden. Gastwirte haben ein zwiespältiges Verhältnis zu Freibieraktionen ihrer Lieferanten. Einerseits freuen sich die Gäste darüber und es mag sich herumsprechen, daß man öfters mal in bestimmten Ootlets was umsonst bekommt. Andererseits mögen Gastronomen lieber zahlende Gäste als Freibiergesichter. In der Regel müssen Lieferanten deshalb Gastronomen bestechen bzw. entschädigen. Das kann teurer werden als sich das Marketing-Agenturen vorstellen.
  • Die Aktion stellt ein spezielles, von der Kulmbacher AG geschütztes Bierflaschenetikett in den Mittelpunkt, mit dem der Gast erkennen kann, ob sein Weißbier die richtige Temperatur hat (8 Grad Celsius). An sich eine schöne Sache, denn Bier wird in der Gastronomie nicht selten falsch temperiert ausgeschenkt, was auch daran liegt, daß unterschiedliche Temperaturen für unterschiedliche Biersorten zuviel Aufwand machen. Aber: Gaststätten, die Kulmbacher Biere führen, schenken häufig Weißbier vom Faß aus; es wird ein Gebinde beworben, das in bestimmten Points of Sale gar nicht angeboten wird.