Gastgewerbe Gedankensplitter


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Samstag, Dezember 14, 2002

Der Landwirt und Metzger Viktor Walther, der nebenbei eine Schankwirtschaft geführt hat, schrieb jahrelang, von 1916 bis 1932, wöchentlich auf, was sich in seinem Betrieb ereignet hat (via Karina Matejcek, via Der Schockwellenreiter). Sein "Tagebuch eines Gast- und Landwirts" mit Beschreibungen des Vereinslebens jener Zeit bis hin zur Darstellung der Preise für Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs ist eine Fundgrube für alle, die am ländlichen Alltagsleben jener Zeit interessiert sind. Es finden sich sogar Ein- und Ausgabenrechnungen z.B. für die Kirchweih am 25. Oktober 1931.

Viktor Walther ist am 10. April 1932 im Alter von 70 Jahren gestorben. Bis zwei Monate vor seinem Tod führte er das Tagebuch. Die Lokalzeitung widmete ihm einen Nachruf, in dem es u.a. heißt: "Wer bei ihm einkehrte, konnte sich über Langeweile gewiß nicht beklagen, denn der Viktor war ein guter Unterhalter und auf vielen Gebieten wohl beschlagen, vor allem war er sattelfest in der deutschen Geschichte. Seine Wirtschaft war wohl die einzige in der ganzen Umgebung, in der den Gästen eine kleine Bibliothek zur Verfügung stand und wenn sein Lexikon auch nicht die allermodernste Ausgabe war, mancher hat sich daraus Aufklärung geholt und mancher Wirtshausstreit wurde schnell entschieden, wenn der Viktor nach einem Lexikonband griff."

Heubisch liegt im Landkreis Sonneberg, also in Süd-Thüringen, direkt an der ehemaligen Zonengrenze. Ich kenne das Dorf noch aus den ersten Jahren nach der Wende, als ich in Sonneberg als Leiter einer Übungsfirma und Dozent für Betriebswirtschaftslehre und EDV gearbeitet habe.

Christa Schleevoigt, geborene Walther, die Enkelin von Viktor Walter, hat im Jahre 2000 die weitere Geschichte der Familie Walther vom Zweiten Weltkrieg über die Zwangsaussiedlung von Familien unmittelbar an der innerdeutschen Grenze bis zur Wende aufgeschrieben.