Gastgewerbe Gedankensplitter


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Donnerstag, April 24, 2003

Immer grössere Vielfalt für den Gast, noch schärfere Konkurrenz für den einzelnen Unternehmer. Wie anlässlich der Jahresmedienkonferenz von GastroSuisse in Zürich bekannt gegeben wurde, hat die Anzahl Restaurants in der Schweiz im vergangenen Jahr insgesamt um 928 zugenommen. Das Nettowachstum in der Restauration war 2002 mit 928 Betrieben rund 45 Prozent grösser als im Vorjahr. Die Liberalisierung führte auch im Jahr 2002 dazu, dass mehr Betriebe neu eröffnet als geschlossen wurden. Gemäss Creditreform weist das Handelsregister-Amt für die Restauration im vergangenen Jahr 2779 Neueintragungen aus. Dem gegenüber stehen 1434 Betriebsschliessungen. Zusätzlich mussten 417 Restaurants infolge Konkurs ihren Betrieb schliessen. Der im Gastgewerbe ausgegebene Franken ist im vergangenen Jahr nicht nur kleiner geworden; er verteilt sich auch auf immer mehr Betriebe. Die Anzahl Hotelbetriebe hat sich netto um 82 erhöht.

"Eine Bilanz zu ziehen, ohne vor allem negative Entwicklungen aufzuzeigen, fällt schwer", eröffnete Klaus Künzli, Zentralpräsident von GastroSuisse, am 23. April 2003 in Zürich seine Standortbestimmung der Branche. "Seit September 2001 liegt die Reise- und Tourismusbranche am Boden, und die Spuren sehen wir überall." Zur gedämpften Stimmung würden auch Entwicklungen im Inland beitragen. "Das Pensionskassendebakel, die ständig steigenden Krankenkassenprämien und die höheren Arbeitslosenzahlen verunsichern grosse Teile der Bevölkerung - das frei verfügbare Einkommen der Haushalte ist kleiner geworden."

So musste das Gastgewerbe im Jahr 2002 insgesamt empfindliche Umsatzrückgänge hinnehmen. Die Umsätze fielen unter das Niveau des Jahres 2000 zurück. Diese kleineren Umsätze werden zudem von einer steigenden Anzahl Betriebsstätten erbracht. "Die Wirtschaftlichkeit im Gastgewerbe nimmt ab; das macht mir Sorgen!" stellte Künzli in Zürich fest.

Im herrschenden wirtschaftlichen Umfeld verstärkt sich der Trend, sich günstiger zu verpflegen. Die Durchschnittskonsumation ist kleiner geworden. Aufgrund der zurückhaltenden Konsumenten ist die Stimmung in der Branche gedämpft. Für 2003 erwartet die Branche im besten Fall stagnierende Umsätze, wobei eine grosse Mehrheit davon ausgeht, dass die Talsohle noch nicht erreicht ist.

Daniel Ingold, Co-Direktor der Marketingold AG, präsentierte in Zürich die neuesten Ergebnisse der Gaststudie "Essen & Trinken Ausserhaus 2002", die er in Zusammenarbeit mit GastroSuisse realisierte. Die Untersuchungsergebnisse offenbaren deutlich, in welchem Ausmass die Wirtschaftslage, die politische Situation und die Konsumstimmung das Gästeverhalten beeinflussen. Die Konsumenten sind noch preissensibler geworden und wählen vermehrt günstige Verpflegungslösungen. So erklärt sich beispielsweise, dass verschiedene Leute wieder öfters die durch die Unternehmungen verbilligten Angebote der Personalrestaurants nutzen, den Lunch von Zuhause mitnehmen, sich über Mittag im Detailhandel oder an einem Take away-Stand verpflegen und auf der Strasse essen.

Im Jahr 2002 hat die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz für Essen und Trinken ausser Haus rund eine Milliarde Schweizer Franken oder sechs Prozent weniger ausgegeben als noch ein Jahr zuvor. Es wurde konkret für insgesamt rund 15,3 Milliarden Franken ausser Haus konsumiert. Zwei Prozent davon oder rund 300 Millionen Franken wurden im Detailhandel ausgegeben, der an Bedeutung gewonnen hat. Damit beläuft sich der Ausserhauskonsum in der Gastronomie auf knapp 15 Milliarden Franken.

Die einzelnen Restauranttypen sind vom Rückgang der Ausgaben sehr unterschiedlich betroffen. Starke Einbussen verzeichnen die Schnellverpflegungsgastronomie (Selbstwahlrestaurants und Fast Food), die Verkehrsgastronomie (Autobahn, Bahnhof, Zug, Flugplatz) und die Vergnügungsgastronomie (einerseits Bar/Disco, anderseits die Ausflugsrestauration). Ausserordentlich stabil sind hingegen die Werte der bedienenden Fullservice-Gastronomie, einerseits der herkömmlichen Betriebe und anderseits der Restaurants mit Länderkonzepten (asiatisch, italienisch, usw.). Teilt man die Ausgaben nach Essen und Trinken auf, ist festzustellen, dass der Teil Trinken stärker zurückfällt. Dies erklärt sich durch die Tatsache, dass der Gast weniger häufig etwas trinken geht und dabei, insbesondere zum Essen, günstigere Getränke wählt.

Die erhöhte Preissensibilität des Gastes zeigt sich auch darin, dass die meisten Durchschnittsausgaben ("Durchschnittsbon") gegenüber dem Vorjahr rückläufig sind. Der stärkste Rückgang der Bons findet am Abend zwischen 18 und 23 Uhr statt. Am meisten leiden die Schnellverpflegungs-, Vergnügungs- und Ausflugsgastronomie: Sie haben weniger Gäste und diese konsumieren erst noch preisgünstiger. In der heutigen Zeit, bei zunehmendem Preisbewusstsein breiter Bevölkerungsschichten, ist es wichtig, die zahlreich vorhandenen preiswerten Angebote bekannt zu machen. Dies gilt auch für den Beherbergungsbereich. Die Auswertung von GastroSuisse zeigt, dass es möglich ist, zu einem günstigen Preis in den Schweizer Hotels zu übernachten. In 30 Prozent aller 1406 Hotelbetriebe, die bei der Umfrage berücksichtigt wurden, werden Hotelzimmer zu einem Preis von weniger als 100 Franken angeboten. Besonders erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang die Gruppe ,,Schweiz Direkt" mit rund 300 Hotels und preislich interessanten Angeboten. Das neue Magazin ,,Schweiz Direkt", das Mitte Mai 2003 von GastroSuisse herausgegeben wird, erscheint in einem handlicheren Format. Neu werden die Hoteleintragungen des Magazins in englischer Version auf dem Internet publiziert.

Das gastgewerbliche Angebot ist im vergangenen Jahr - auch aufgrund der harten Konkurrenz - noch vielfältiger und gästefreundlicher geworden. Deutlich erhöht hat sich beispielsweise der Anteil der Betriebe, die familiengeeignet bzw. familienfreundlich eingerichtet sind. Auch den Bedürfnissen der Kinder wird vermehrt Rechnung getragen, bieten doch im Vorjahresvergleich noch mehr Betriebe Spielzimmer an.

Auch der Anteil der Betriebe, die behindertengerecht eingerichtet sind, hat weiter zugenommen. ,,Die Bedürfnisse der Behinderten werden in mehr als einem Drittel der an der Umfrage teilnehmenden Betriebe berücksichtigt", teilte Hans Peyer, stellvertretender Direktor von GastroSuisse und Leiter des wirtschaftspolitischen Dienstes, mit. Zugenommen habe schliesslich auch der Anteil der Betriebe mit Nichtraucher-Abteilen resp. -Tischen sowie mit Nichtraucher-Zimmern. Viele Betriebe tendieren heutzutage dazu, ihre Öffnungszeiten zu verlängern, um mit einer ausgedehnten Marktpräsenz ihre wirtschaftliche Lage zu verbessern. Absoluter Spitzenreiter bei den Öffnungszeiten ist der Freitag, an dem alle Restaurationsbetriebe, die an der Umfrage teilgenommen haben, geöffnet sind. Am anderen Ende der Rangliste finden sich der Sonntag mit 76 und der Montag mit 78 Prozent geöffneten Betrieben.

Spezialisierung ist wichtiger denn je; Gäste wollen Angebote mit Profil. Trotz aller Spezialisierung, das bestätigen die Angaben von GastroSuisse, können es sich aber nur wenige Betriebe erlauben, auf ein Angebot aus der gutbürgerlichen Gastronomie und auf Schweizer Spezialitäten zu verzichten, denn diese sind die absoluten Spitzenreiter. Die meistkonsumierten Speisen sind Fleischgerichte und Beilagen. Das Frühstück, Zwischenverpflegungen und Süssspeisen haben insgesamt markant eingebüsst. Anteilmässig zugelegt haben Salate, Fischgerichte sowie Vegi und Vollwert. Ebenfalls deutlich zugelegt haben Pastagerichte. Zu den meistbestellten Getränken zählen Kaffee, Tee und Milchgetränke sowie, mit einem Anteil von 22 Prozent am Getränketotal, die Mineralwasser. Die Studie zeigt zudem, dass acht von zehn Bieren in Gastronomiebetrieben von Männern konsumiert werden. Dagegen konsumieren Frauen rund 30 Prozent häufiger Eistee, rund 20 Prozent häufiger Mineralwasser und rund 10 Prozent häufiger Kaffee, Tee und Milchgetränke als männliche Gäste. (Quelle: Pressemitteilung von GastroSuisse).