Gastgewerbe Gedankensplitter


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Mittwoch, April 30, 2003

Verpoorten 2003: Tradition und Innovation in Familienhand.

"Wir leisten uns den Luxus, die frischen Eier selbst im eigenen Haus aufzuschlagen. Das sichert die Qualität und den feinen Unterschied zu allen anderen Eierlikör-Herstellern", betont William Verpoorten. Wenn der geschäftsführende Gesellschafter bei Verpoorten an Eier denkt, hat er nicht die im Sixpack im Sinn, sondern ein Vielfaches mehr an Eiern, die täglich von den vollautomatischen Eieraufschlagmaschinen auf hygienische Weise in dem Bonner Unternehmen fein säuberlich in Eigelb, Eiweiß und Schale getrennt werden. Denn nur das Gelbe vom Ei der Güteklasse A kommt in die Flasche. Und das bereits seit 127 Jahren nach bewährtem Familienrezept.

Zuvor jedoch wird im hauseigenen Labor Qualitätssicherung auf höchstem Niveau betrieben. Das Rohmaterial wird gewogen, vermessen und durchleuchtet, der Inhalt von Lebensmittelchemikern geprüft. Für den Likör wird nur der Dotter gebraucht. Das Eiweiß als wertvolles Nebenprodukt wird zu Kristallen veredelt und an die Back- und Süßwarenindustrie verkauft, die es zum Beispiel als hochwertigen Grundstoff für Schokoküsse mitverarbeitet.

In jede Flasche - täglich werden bis zu 130 000 abgefüllt und etikettiert - fließen dann jeweils elf Dotter, plus Kristallraffinade, 20prozentigem extra fein filtriertem Alkohol und weiteren sorgsam ausgewählten Zutaten, die Familiengeheimnis bleiben. Die Herren William (47) und sein Vater Viktor Verpoorten (80), denken nicht daran, dies zu ändern. Denn der gelbe Klassiker ist bei Jung und Alt gleichermaßen beliebt, wie aktuelle Studien belegen.

Der Eierlikörmarkt allgemein hat sich im vergangenen Jahr ausgesprochen positiv entwickelt und gegenüber 2001 sogar um 4,6 Prozent zugelegt. Für William Verpoorten ein sicheres Zeichen, dass dieses Segment aktueller denn je ist und das nicht nur zu Ostern, am Muttertag oder den Weihnachtstagen, an denen traditionell der Absatz in ungeahnte Höhen schnellt.

Den Spagat zwischen seit Jahrzehnten treuen Kunden und der Szene probt William Verpoorten seit 1987 mit Erfolg. Damals wurde der gelernte Bankkaufmann der fünften Familien-Generation Mitglied der Geschäftsleitung und ist seit 2001 geschäftsführender Gesellschafter. An Zuspruch fehlt es dem Likörhersteller nicht, und auch die Flaute auf dem Spirituosenmarkt kann "den gelben Klassiker" nicht gefährden. Im Gegenteil, so der Chef, der Umsatz des größten Eierlikör-Herstellers der Welt mit seinen 100 Mitarbeitern liege stabil bei 50 Millionen Euro. Exportiert wird weltweit in 30 Länder.

Verpoorten, seit Generationen fest in Familienhand, verschwiegen geführt und erfolgreich in der Nische, behauptet sich auf einem schwierigen Markt. Während andere Spirituosenunternehmen längst bei Konzernen untergeschlüpft sind, setzen die Bonner weiter auf Eigenständigkeit.

Der gelbe Klassiker ist aber nicht nur zum Trinken da. William Verpoorten hat das Ursprungsgetränk mit einer ganzen "Produkt-Familie" umgeben: köstliche Pralinen, Eiscreme-Spezialitäten, Tiefkühltorten und kleine Schokobecher, die das Glas ersetzen und samt Likör verzehrt werden, sowie neuerdings Törtchen mit Cremefüllung und demnächst Mini-Bonbons.

Vor allem die jüngere Generation ist auf den Geschmack gekommen, hat den deutschen Feierabend-Cocktail der Wirtschaftswunderjahre in den Kultstatus gehoben und mixt ihn
  • mit Vorliebe zum Longdrink wie den "Blonden Engel".
  • William Verpoorten, der viel joggt und gern an der Küste von Sylt segelt, verrät das neueste Rezept für "Sparkling Verpoorten": den gelben Klassiker mit ein wenig Gin, etwas Zitrone und prickelndem Sekt auffüllen.
  • Für Kaffeefreunde gibt es den "Coffee Shooter", bestehend aus Espresso, Verpoorten und mit einem Sahnehäubchen dekoriert. Optisch kommt dieser heiße Cocktail am besten im Original Verpoorten-Glas zur Geltung.
Vielfältige Rezept-Ideen findet man auf der Homepage eieiei.verpoorten.de.Wie seine Vorfahren, die im Jahre 1876 (als Fertigsuppen, Milchschokolade, Waschpulver und das Telefon erfunden wurden) die Firma in Heinsberg gegründet hatten, setzt auch William Verpoorten auf Qualität und Werbung - für ihn eine der besten Verkaufshilfen. Die Filme aus den 60er Jahren, mit Georg Thomalla als Verpoorten-Butler in gestreifter Weste oder mit Peter Krauss, der das Gelbe vom Ei wärmstens für drüber, pur oder gar mit einem Löffelchen Kaffee- oder Kakaopulver empfahl, das legendäre Fernsehballett mit Heinz Erhardt - all die Stars der Nierentisch-Ära warben für den Seelentrank.

Heute locken trendige Cocktails, schnittige Autos, flotte Sprüche ("Wir wollen Sie verkuppeln"), und ein quietschegelber MG TF-Roadster winkt dem Verlosungs-Gewinner. Dazu tönt launig der Slogan "Ei, Ei, Ei Verpoorten, ob hier ob allerorten" - ein Ohrwurm, der 1961 aus dem Schlager "Ay, ay, ay Maria, Maria aus Bahia" zusammengemixt wurde. (Quelle: Pressemitteilung von Verpoorten).