Gastgewerbe Gedankensplitter


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Freitag, Juni 20, 2003

CoverDas Café Hawelka in Wien, das Café Gerbeaud in Budapest, das Café Slavia in Prag - drei berühmte Beispiele einer Kultur, die seit den Zeiten Maria Theresias bis heute besteht. Kaffeehäuser waren und sind Wohnzimmer und Zufluchtsort in einem. Die Ober nahmen Anrufe oder Post für ihre Stammgäste entgegen, und Peter Altenberg, der berühmte Wiener Kaffeehaus-Literat der Jahrhundertwende, gab das Café Central sogar als seine Adresse an. Vom luxuriösen Café New York in Budapest heißt es, der Komponist Ferenc Molnár hätte den Türschlüssel in die Donau geworfen, damit das Café für seine Gäste immer geöffnet hätte. Im Kaffeehaus wurde Politik gemacht, Literaturgeschichte geschrieben, gelacht, geschimpft und natürlich auch gegessen und getrunken.

Das im September erscheinene Buch "Das Kaffeehaus" bietet 120 Originalrezepte, die alle von österreichischen, ungarischen und tschechischen Zuckerbäckern stammen und die Erfahrungen und Kniffe dieser Profis enthalten. Torten, Strudel, Kaffeegebäck, Omeletts, Knödel und Puddings werden zu Hause genauso gut schmecken wie im Kaffeehaus, denn die Schritt-für-Schritt-Rezepte und die ausführliche Warenkunde machen das Nachbacken leicht. Beim Kaffeekränzchen lassen sich zu Spezialitäten wie Einspänner oder Mazagran eine Sachertorte, Kipferl oder ein Guglhupf genießen, so üppig, süß und köstlich, wie es schon die k. u. k. Gesellschaft liebte. Die meist böhmisch beeinflussten Mehlspeisen, wie Palatschinken oder Powidltascherln, schmeicheln dem Gaumen und dem Auge gleichermaßen. Auch wenn die Beziehungen zwischen Österreich, Ungarn und Tschechien nicht immer die besten waren, die Küche blieb grenzüberschreitend den alten Traditionen treu.

Die Gerichte sind oft nach berühmten Komponisten, Politikern, Prinzen oder Generälen benannt. Die Esterházyschnitten, jene berühmten Nussschnitten, gefüllt mit Kirschbuttercreme, heißen nach einer ungarischen Fürstenfamilie, die die Musik und die Kochkunst förderte. Das ungarische Nationalgebäck Rigó Jancsi, ein Schokoladenkuchen mit Cremefüllung, trägt den Namen eines Geigers, der in einem Pariser Hotel die Damenwelt bezauberte. Solche Anekdoten und Geschichten aus der Blütezeit des Kaffeehauses sowie Kurzporträts der berühmten Cafés (mit Adressen und Öffnungszeiten) tragen zum Charme des Buches bei. Denn das Kaffeehaus ist viel mehr als seine klassischen Backwaren, es ist, wie Alfred Polgar schrieb, ein Ort für "Leute, die allein sein wollen, aber dazu Gesellschaft brauchen".

Der Autor Rick Rodgers ist Gewinner des Bon-Appétit-Preises als bester Kochlehrer des Jahres 1999 und hat bereits 20 Bücher veröffentlicht. Für "Das Kaffeehaus" recherchierte er in Wien, Budapest und Prag. Im amerikanischen Radio und Fernsehen tritt er häufig auf, als Koch, Berater und Pressesprecher für diverse Lebensmittelkonzerne. Er lebt in New York. (Quelle: Pressemitteilung des Christian Verlages).