Gastgewerbe Gedankensplitter


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Montag, Juni 23, 2003

Heimische Tourismusbranche leidet unter Reisemüdigkeit der Deutschen

Insgesamt 2,4 Prozent weniger Gästeübernachtungen im Winterhalbjahr – Reisegebiet Bodensee legt aber deutlich zu

Das Geld für Reisen sitzt bei den Deutschen angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Verunsicherung offenbar nicht mehr so locker in der Tasche. Dies bekommen nicht nur Fluggesellschaften und Anbieter von Auslandsreisen zu spüren, sondern auch das heimische Übernachtungsgewerbe. Nach Feststellung des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg verminderten sich in den Beherbergungsstätten mit mehr als acht Betten nämlich im Winterhalbjahr 2002/03 (November 2002 bis April 2003) gegenüber der bereits rückläufigen Wintersaison 2001/2002 die Zahl der Gäste aus Deutschland und ihre Übernachtungen weiter um 3,3 bzw. 3,2 Prozent. Da gleichzeitig aus dem Ausland 4,7 Prozent mehr Gäste kamen, die 3,3 Prozent mehr Übernachtungen buchten, wurden die entsprechenden Rückgänge insgesamt aber auf 2,1 Prozent bei der Gästezahl bzw. 2,4 Prozent bei den Übernachtungen abgemildert.

Betrachtet man die einzelnen Monate des Winterhalbjahres, so fällt der April 2003 mit einem leichten Übernachtungsanstieg um 0,3 Prozent positiv aus dem Rahmen. Dies dürfte insbesondere darauf zurückzuführen sein, dass die Osterferien in diesem Jahr komplett in den April fielen, während sie im Vorjahr die beiden Monate März und April tangierten. Daraus resultiert erfahrungsgemäß eine kalendarisch bedingte Verlagerung nach hinten. Der späte Termin könnte aber auch einige zusätzliche Gäste zu einem Kurzurlaub im Land bewogen haben, zumal diesmal die Osterferien witterungsmäßig begünstigt waren.

Obwohl im vergangenen Winter die negativen Vorzeichen für das Tourismusgewerbe im Land deutlich überwogen, war die Entwicklung in den verschiedenen Teilbereichen durchaus nicht einheitlich: So profitierten Anbieter der Parahotellerie, zu der eher preisgünstige Einrichtungen wie Erholungs- und Schulungsheime, Ferienwohnungen oder Jugendherbergen und Hütten zählen, mit einer Übernachtungszunahme um 1,8 Prozent offensichtlich von einem verstärkten Preisbewusstsein der Gäste. Die klassische Hotellerie (Hotels, Gasthöfe, Pensionen und Hotels garnis) musste dagegen bei den Übernachtungen überdurchschnittliche Einbußen um 3,3 Prozent hinnehmen. Auch die Vorsorge- und Reha-Kliniken verzeichneten erneut Übernachtungsrückgänge, die mit – 2,1 aber noch vergleichsweise moderat ausfielen. Unter den Gemeindekategorien verbesserten im Winterhalbjahr 2002/03 allein die Erholungsorte ihr Übernachtungsergebnis aus der Vorsaison um 0,9 Prozent, während insbesondere die Gemeinden ohne Prädikat mit – 2,9 Prozent überdurchschnittlich einbüßten. Ingesamt deuten diese Entwicklungen darauf hin, dass die Rückgänge des Winters weniger auf zahlenmäßigen Einschränkungen bei den privaten Urlaubern als vielmehr auf einer Zurückhaltung bei Geschäftsreisenden beruhen dürften, die bevorzugt in Hotelleriebetrieben im städtischen Umfeld logieren. Zu dieser These passen im Übrigen auch die Ergebnisse in regionaler Aufgliederung: So verzeichnete das Reisegebiet Bodensee, eine typische Ferienregion also, mit stattlichen + 5,9 Prozent das mit Abstand günstigste Übernachtungsergebnis. Auf der anderen Seite mussten insbesondere die Reisegebiete um die Ballungsräume Mittlerer Neckar und Rhein-Neckar überdurchschnittliche Rückgänge hinnehmen.