Gastgewerbe Gedankensplitter


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Mittwoch, Juli 09, 2003

Ausstellung Imbiss-Buden

CoverVom 20. August bis 15. Dezember 2003 findet im Berliner Freilichtmuseum Domäne Dahlem eine Ausstellung zum Thema "Imbiss-Buden" statt. Von Imbiss-Buden spricht man gelegentlich abfällig, obwohl in den ersten Restaurants auch nur Suppen über die Straße verkauft worden sind. Die Ausstellung zeigt drei Stufen der Entwicklung: von der "naiven Imbißbude", bei der der Kunde draußen vor bleibt, über die "entwickelte Imbißbude", bei der der Kunde zum Gast wird, einen Vorraum betreten kann und darin einen teilweisen Schutz, etwa vor Wind und Regen, genießt, bis hin zur "definitiven" Imbißbude mit einem von außen betretbaren Raum, die den Übergang zur Gaststätte darstellt. (via Schockwellenreiter).

Herausgegeben von dem Ausstellungsmacher Jon von Wetzlar und mit Fotos von Christoph Buckstegen erscheint demnächst das Buch "Urbane Anarchisten. Die Kultur der Imbissbude". Der Jonas-Verlag schreibt dazu: "Es sind eigentlich keine richtigen Bauten - und Architektur ist es schon gar nicht. Imbissbuden sollen einen Zweck erfüllen, und der ist eindeutig: es darf nicht lange dauern, Tempo, schnelles Essen und dann weiter. Keine Zeit für langes Bestellen und ausgedehntes Speisen. Es interessiert nur die Größe der Portion, man will satt werden. Sind die Pommes auch nicht zu pappig? Dabei ist die Gestaltung dieser kleinen Bauwerke sehr interessant: einfach und eher schlicht die einen, aufwändig mit Vor- oder Anbauten versehen die anderen. Individualität wird sichtbar und die einheitliche, notwendige Struktur aufgehoben. Besonders augenfällig ist das im städtischen Bereich, hier findet auch eine spannungsreiche Korrespondenz der Imbissbauten mit der Umgebung statt. Sie können im Widerspruch stehen oder ordnen sich unter, immer aber werden Eigenheiten erkennbar. Diese ergeben sich aus der hohen Autonomie der Imbissbude: eher für den transitorischen Aufenthalt gedacht wird der stationäre die Regel. Und damit erregen sie auch Widerspruch, besonders bei Stadtplanern. Die Folge ist ihre Verdrängung oder Beseitigung zugunsten eines gestalteten Stadtbildes. Als kurios abgetan verschwinden Imbissbuden meist unbemerkt. Allenfalls wird der Verlust noch für kurze Zeit von den Konsumenten bedauert. »Urbane Anarchisten« dokumentiert, im Umfang bisher einmalig, Ausschnitte dieses scheinbar unspektakulären Themas. Fotografien im Stil von Architekturaufnahmen zeigen ohne Aufdringlichkeit den Behauptungswillen der Imbissbuden. Entstanden sind sie in Berlin, denn hier gibt es ungefähr zweitausend und nicht nur Currywurst verkaufende Einrichtungen. Sehr unterschiedlich sind die Beiträge der zehn Autoren zum Thema. Sie setzen sich mit der Architektur und mit dem Leben um die Imbissbude herum auseinander, interviewen Konsumenten und Betreiber, entwickeln eine Typisierung der Bauwerke, beschreiben vom Leser nachvollziehbare Rundgänge zu ausgewählten Objekten oder zeigen eine vielleicht zukünftige Variante: den Grillwalker. Ein weiterer Höhepunkt ist sicherlich der Blick nach Asien: Garküchen in Indien - ein kulinarischer Spaziergang."