Gastgewerbe Gedankensplitter


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Samstag, Oktober 18, 2003

Jeder Leser ein Editor.

Martin Röll, mit dem ich mich auf der Frankfurter Buchmesse vor einer Woche ein paar Stunden unterhalten durfte, hat unter anderem über ein Gespräch mit Ute Miszewski, Leiterin der Unternehmenskommunikation der Spiegel-Gruppe, berichtet, in der es darum ging, was Journalisten von Bloggern unterscheidet ("Weblogs sind keine Gefahr für den Journalismus"). Zur gleichen Thematik hat Jay Rosen vom Department of Journalism an der New York University, am 16. Oktober in PressThink zehn Thesen unterbreitet, denen ich mich weitestgehend anschließen kann: "What's Radical About the Weblog Form in Journalism?".

Bei Weblogs mit einem journalistischen Anspruch und einer nicht zu kleinen Leserschaft wird die Aufgabe des Korrektors, Chefredakteurs, also einer oder mehrerer weiteren Personen, welche Korrektur lesen, von den Lesern (oder Co-Bloggern bei Blogs mit mehreren Autoren) wahrgenommen. Damit können Nischenpublikationen, die sich solche Editoren nicht leisten können, dennoch leben, ohne dem Risiko fehlerhafter Inhalte zu sehr ausgeliefert zu sein. Heutzutage, wo sich auch viele kommerziellen Redaktionen hohe Ausgaben zur Fehlerreduktion nicht mehr leisten können (beim Spiegel sieht das vermutlich zugegeben anders aus), kann die Möglichkeit der Weblogs zeitnah Fehler zu korrigieren, sogar einen strategischen Vorteil gegenüber Printmagazinen darstellen. So wird vermieden, daß nach der Auslieferung Fehler im Archiv verewigt werden.

Speziell zum Spiegel kann ich mir die Anmerkung nicht verkneifen, daß die jahrelange Strategie, die Namen der Autoren zu verschweigen und ihnen damit die Chance zu nehmen, sich eigenständig zu vermarkten, nicht durchgehalten werden konnte. Weblogs eröffnen Journalisten die Chance, als Persönlichkeit deutlicher wahrgenommen zu werden. Man wird mehr darauf achten, wer etwas geschrieben hat und nicht wo. Der Markenwert von Magazinen wird sinken im Vergleich zum Markenwert von Journalisten. Und das ist gut so und besser als jedes noch so liberale Redaktionsstatut.