Gastgewerbe Gedankensplitter


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Dienstag, September 21, 2004

Gastronomische Betriebe als Werbeumfeld.

Gerhard Schoolmann:

Herr Röthlingshöfer, Sie schreiben über "Werbung mit kleinem Budget".

Ich predige meinen Gastronomen, etablierte gastronomische Unternehmen sollten nicht nur danach trachten, Werbeausgaben effizient einzusetzen, sondern auch selbst Werbeeinnahmen zu erzielen. Gastronomische Betriebe stellen eine gute Möglichkeit dar, Kunden (Gäste) anzusprechen. Für diese Kontaktvermittlung kann man als Gastronom Geld verlangen.

Weit verbreitet ist z.B., daß man die Druckkosten für Speisekarten ganz oder teilweise über Inserate oder Druckkostenzuschüsse von Lieferanten finanziert oder damit sogar Geld verdient.

Was halten Sie davon, gastronomische Betriebe gewissermaßen als Werbeträger zu betrachten, die in Konkurrenz zur lokalen Tageszeitung, lokalem Radio, Stadtmagazinen, Plakatständern usw. Werbemöglichkeiten vermarkten?>

Bernd Röthlingshöfer:

Gastronomische Betriebe bieten ein hervorragendes Werbeumfeld. Demzufolge haben Gastronomen gute Chancen, Werbeeinnahmen zu erzielen. Es gibt ja viele Unternehmen, die sich professionell mit der Vermittlung solcher Werbung beschäftigen. Ein deutlicher Beweis, dass hier ein "Werbemarkt" vorhanden ist. Denken Sie nur mal an die Edgar Medien, die Postkartenständer in über 4.000 Gastronomiebetrieben aufgestellt haben und über rund 6.000 Plakatflächen in der Gastronomie verfügen. Clevere Gastronomen können mit solchen Firmen kooperieren aber auch selbst aktiv werden. Auf der Seite des Fachverbandes Ambient Media findet man einige der bundesweit tätigen Unternehmen.

Das Thema der Werbekooperation oder Nutzung von Werbeflächen, die andere Unternehmen - nicht nur Gastronomiebetriebe - bieten, habe ich in meinem Buch kurz angesprochen. Allerdings nicht um damit Einnahmen zu erzielen, sondern um ganz zweckgebunden Werbemittel oder auch Veranstaltungen zu refinanzieren. Generell rate ich auch allen Unternehmen, verstärkt über Koop-Marketing nachzudenken. Sich mit anderen zusammen zu tun kann für die Werbung zahlreiche Vorteile haben:

Reduzierung der Gestaltungs- und Herstellungskosten von Werbematerial
Reduzierung der Verteilungs- oder Streukosten
Gewinnung neuen Adressmaterials
Erschließung neuer Zielgruppen
Erhöhung der Werbewirkung
Erhöhung der Öffentlichkeitswirkung

Ich meine Werbungtreibende sollten nachdenken, in welchen gastronomischen Betrieben sie ihr Zielpublikum erreichen und dann auf diese Betriebe zugehen und ihnen Vorschläge unterbreiten. Wer kostenbewusst sein will muss scharf selektieren. Welches ist meine Zielgruppe? Über welche gastronomischen Betriebe kann ich sie erreichen? Da braucht man nicht mal Marktforschung. Wer wissen will, wo er welches Publikum antrifft, muss dem betreffenden Cafe, Restaurant usw. nur einen Besuch abstatten.

Allerdings muss man auch warnen. Gastronomische Betriebe sind so genannte "dritte Orte" und bieten eine besondere Erlebniswelt. Der Gastronom, der diese mit Werbung überfrachtet, kann auch das Missfallen der Kunden erregen.

Gastronomen sollten daher nicht nur auf die Einnahmenseite sehen, wenn Werbeangebote in ihren Räumen oder auf ihren Speisekarten oder Drucksachen platzieren. Sie sollten darauf achten, dass diese Werbung zu ihrem Publikum passt und ihrem Publikum einen Nutzen bringt.


Kommentare:
Sehr geehrter Herr Röthlingshöfer,
das ist ja wieder mal typisch für den innovativen Herrn Schoolmann, dass er so eine virtuelle Buchpräsentation macht! Wünsche zunächst dazu mal viel Erfolg. Und gebe noch die Anregung dazu, dass sich - zumindest bei uns in Wien - für viele Gastronomen eine Werbe-Kooperation mit umliegenden Geschäften (etwa: Optikern) über Bierdeckel bewährt hat. Die werden mindestens so gerne gesammelt wie Freecards - und sind lokal sehr zielgerecht einsetzbar. Herzliches Prost aus Wien

Conrad Seidl - Bierpapst & Autor von "Die Marke ICH"
 
Zuviel der Ehre, Herr Seidl, die Idee der Virtuellen Lesereise hat Herr Röthlingshöfer nach Deutschland adaptiert.

Aber ich bin auch davon begeistert. Auch wenn man wohl erst mal schauen muss, fuer welche Genres es sich eignet (vielleicht: Belletristik, politische Literatur und fuer Fachbuecher, wenn die Zielgruppe nicht zu klein wird), fuer welche Autoren (um Ihre Live-Auftritte waere es ja wirklich schade!). Und in welchem Verhaeltnis Aufwand und Ertrag stehen etwa im Vergleich zu "normalen" Lesereisen. Aber da wird diese erste virtuelle Lesereise in Deutschland ja einiges an Material liefern, das sich auszuwerten lohnt.
 
Achso, die beiden Zahlen im Namensüberblick bedeuten PLZ. Hab ich jetzt erst kapiert.

Habe nun auf diese Weise eine interessante Anbieter-Homepage entdeckt. Merci. :)
 
Guten Tag Herr Röthlingshöfer,
ich muss ehrlich zugegeben, das Buch noch nicht gelesen zu haben. Allerdings krankt wohl jede kleinere Firma am fehlenden Werbeetat.

Ich betreibe seit einigen Jahren einen Gastronomieführer im Internet (www.kneipenfuehrer.de), bei dem Gastronomen sich umsonst eintragen können. Leider fällt es mir sehr schwer, Gastronomen anzusprechen und diese davon zu überzeugen, sich einzutragen. Allgemein ist mir häufig aufgefallen, dass oftmals lieber für teures Geld in der lokalen Presse inseriert wird, als für wenig Geld oder kostenlos alternative Werbeformen zu verwenden. Wie kann man denn Gastronomen dazu verleiten, die eigenen kostenlosen Dienste in Anspruch zu nehmen?
 
Hallo Herr Mitterwald. Es ist nun leider mal ein menschlicher Zug an Gewohnheiten festzuhalten und auch in Sachen Werbung am vermeintlich Bewährten fest zu halten. In Ihrem Fall müssen Gastronomen sicher überzeugt werden, dass ein Eintrag etwas bringt. Geben Sie den Gastronomen daher am besten so viele Informationen wie möglich über die Erfolgschancen, die auf Ihrer Website bestehen, also Aussagen zur Webstatistik, über die Nutzer, ihr Verhalten usw.
 
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