Gastgewerbe Gedankensplitter


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Dienstag, September 21, 2004

Investiert Zeit, nicht Geld.

Gerhard Schoolmann:

Herr Röthlingshöfer, Sie regen an, einen großen Werbeetat durch Zeit, Arbeitskraft und Ideen zu ersetzen. Deutet das nicht eher auf Defizite im Kerngeschäft hin und lockt man damit kleine Unternehmen nicht in die Falle, das Kerngeschäft zu vernachlässigen und die Zeit mit Dingen zu vertrödeln, von denen man keine Ahnung hat? Sollte man nicht eher die Regel beherzigen: Schuster bleib bei Deinem Leisten?

Ist der Ratschlag, sich um Werbung selbst zu kümmern, vielleicht nur etwas für Anwälte, die sich mangels Klienten langweilen, Ärzten mit halbvollen Praxen oder Gastronomen, die hinter der Theke Däumchen drehen?

Bernd Röthlingshöfer:

Für den Ratschlag "Lieber mehr Zeit als Geld investieren" gibt es verschiedene Gründe. Ich nenne mal zwei davon

1. Zeit zum Nachdenken. Jeder Werbeetat wird besser, wenn man sich vom Budget-Denken verabschiedet. Denn in etablierten Betrieben ist es oft so, das feste Budgets für bestimmte Dinge reserviert sind, und kein Mensch rüttelt mehr daran und stellt die Sinnhaftigkeit mancher Maßnahmen auf den Prüfstand. Viele verlängern automatisch ihren Eintrag in den gelben Seiten, bloß weil der Vertreter jedes Jahr pünktlich vorbei kommt. Wer gute Werbung will muss ständig über Alternativen nachdenken. Nachdenken über Alternativen ist zeitaufwendig. Die Zeit sollte der Unternehmer investieren und zwar immer wieder.

Übrigens wäre es falsch, nur über Einsparungen nachzudenken. Die Unternehmer sollen bessere Wege finden, ihre Ziele zu erreichen. Sie sollten Werbeideen entwickeln, die bei gleichem Aufwand doppelt oder dreifach wirksam sind.

2. Mehr Zeit für und mit dem Kunden. Dann empfehle ich mehr Zeit mit den Kunden zu verbringen. Das erhöht die Kundenbindung. Ich glaube, es ist weitaus wirksamer die Kontakte zu wenigen zu intensivieren als ein möglichst großes Publikum nur beiläufig zu erreichen. Ich hörte mal von einem Restaurant im Oberschwäbischen, das in der Vorweihnachtszeit ein Wochenende veranstaltet, in dem es mit den Stammkunden gemeinsam ein Fünf-Gänge-Menü kocht. Ein solcher Koch-Event schafft Begeisterung und löst im Übrigen weitaus wirksamere und kostenlose Werbung aus: darüber berichten Medien und die Leute erzählen darüber. So initiiert man Mund-zu-Mund-Propaganda.