Gastgewerbe Gedankensplitter


Kostenlose Gastro News - wöchentlich, über 19.500 Abonnenten

Powered by KBX7

« Home | Leseprobe: Worauf es bei Logos ankommt. » | Lange oder kurze Domainnamen. » | Alternativen zu Anzeigen. » | Leserfragen: Blog oder CMS, Handzettelverteilung, ... » | Investiert Zeit, nicht Geld. » | Weblogs vom Handelsblatt. » | Gastronomische Betriebe als Werbeumfeld. » | Weblogs sind ideal um ins Gespräch zu kommen. » | Nie-Zeithaber unter sich. » | Zu Gast: Bernd Röthlingshöfer - "Werbung mit klein... »


Dienstag, September 21, 2004

Low Budget Werbung sieht nicht billig aus.

Gerhard Schoolmann:

Besteht, Herr Röthlingshöfer, nicht die Gefahr, daß Low-Budget-Werbung Unternehmen aus der Sicht der Kunden klein macht? Gerade unternehmensnahe Dienstleister täuschen doch häufig Größe vor, um den Eindruck von Professionalität zu erzeugen und sich als standesgemäßer Partner von großen Unternehmen darzustellen. Ich denke aber auch an Dienstleister, deren Qualität man als Kunde schlecht beurteilen kann wie Anwalts- und Arztpraxen. Sie residieren in besten Lagen, marmorgeschwängert, mit vielen Gehilfinnen, protzigen Schildern und Fahrzeugen.

Brauche ich etwa als Partyservice-Anbieter, der sich um Aufträge von großen Unternehmen bemüht, nicht doch eine beeindruckende Website, Prospekte im Vierfarbdruck und eine imposante Fahrzeugflotte, um überhaupt in die engere Wahl genommen zu werden? Caterer wie Käfer, Haberl oder Do & Co machen nicht gerade den Eindruck, daß sie Low Budget Marketing betreiben.

Bernd Röthlingshöfer:

Sieht Low Budget Werbung billig aus? Überhaupt nicht! Der budgetbewusste Unternehmer muss sich einfach nur ein paar Fragen stellen. Welchen Wert oder Mehrwert hat ein vierfarbiges Logo gegenüber einem einfarbigen, das auch in Schwarz-weiß funktioniert? Brauche ich eine Sonderfarbe, die extra für mich angerührt wird wirklich? Kommen etwa mehr Kunden, weil ich ein bestimmtes Grau an die Wände schmiere? Der Nike-Schwung ist doch nicht etwa ein teures Logo? Nein, es kostete 50 Dollar! Trotzdem kann sich darauf eine der stärksten Marken der Welt aufbauen. Viele Restaurants können ja auch auf Speisekarten verzichten und tragen die aktuellen Angebote der Küche am Tisch vor. Oder sie werden projiziert oder in guter alter Manier auf eine Tafel geschrieben.

Also Low Budget Werbung erkennt man nicht daran, dass Sie billiger aussieht. Wenn man mit ihr ausgetretene Pfade verlässt, ist sie sogar attraktiver und wirksamer als herkömmliche Werbung. Auch Unternehmen wie Sixt oder Ryan Air machen im Grunde genommen Werbung mit kleinem Budget. Der Etat von Sixt wird nämlich regelmässig überschätzt. Warum? Weil sie mit einer einzigen provokanten Anzeige ein Aufsehen erregen, als hätten sie hunderte davon geschaltet. Ich erinnere nur an die Sturmfriseur von Angela Merkel, die für Cabrios werben sollte. Low Budget ist es auch, eine Aussage wie "bye,bye Lufthansa" auf die Ryan Air Flieger zu kleben, wie es der Ryan Air Chef Michael O Leary anordnet. Er war nach eigenen Aussagen jedes Mal dankbar, wenn ihn die Lufthansa verklagte, so kam er ständig in die Medien, ohne einen Cent für Anzeigenwerbung zu bezahlen.

Ich stelle wie Sie fest, dass sich Arztpraxen, Rechtsanwälte oder auch Werbeagenturen mit Marmorböden und Designermöbeln aufmotzen. Aber welchen Mehrwert haben deren Kunden? Produziert man etwa in einem Charles Eames Sessel bessere Ideen als auf einem IKEA Sofa? Muss man nicht eher besonders vorsichtig sein, wenn man als Kunde solche Räumlichkeiten betritt? Mir kommen da auch solche Gedanken: In Wahrheit sind doch 100 Prozent der Ausstattung geleast. Mindestens ein Drittel des Personals sind Praktikanten, die gar nicht oder lausig bezahlt werden.

Ich plädiere dafür überhaupt nichts vorzuspielen. Die Schickimicki-Zeiten liegen hinter uns. Eine Firma wie IKEA verzichtet auf teure Fotomodelle und knipst ihre Mitarbeiter für den Katalog. Das kommt besser an als magersüchtige Kleiderständer abzulichten.