Gastgewerbe Gedankensplitter


Kostenlose Gastro News - wöchentlich, über 19.500 Abonnenten

Powered by KBX7

« Home | Brauereisterben. » | Wachsende Bedeutung des Vertriebswegs Internet. » | Todesfalle Luxushotel. » | Systemgastronomie. » | Tipps fuer Existenzgruender. » | Bitte zuschlagen. » | Interviews mit Franchisegebern. » | Historische Fotos: London Transportation System. » | Haxn-Diaet. » | Buchhaendler und Journalisten als Zielgruppe von B... »


Donnerstag, Dezember 30, 2004

Von hinten oder von vorne.

Wer selbst schon mal Software entwickelt hat, weiß, daß Fehler passieren können. Die Qualitätskontrolle besteht darin, anhand eine vorher festgelegte Liste von Beispielfällen zu prüfen, ob diese korrekt verarbeitet werden. Natürlich sollte diese Liste von Beispielen alle denkbaren Kombinationen von Eingabedatensätzen umfassen. Ich habe früher Softwareentwickler, die mir zugearbeitet haben, mitunter zur Weißglut gereizt und mich beim Testen einfach mal so mit beiden Unterarmen auf die Tastatur fallen lassen. Software, die solch brutale "Eingabefehler" nicht abfängt, ist nicht praxistauglich und besteht den "Elchtest" nicht.

Bei der Entwicklung der Software für das Arbeitslosengelds II wurde, wenn man dem "Spiegel" Glauben schenken darf, geschlampt und die Funktionsfähigkeit der Sofware in den Fällen nicht überprüft, bei denen die Bankverbindung der Zahlungsempfänger kürzer ist als zehn Stellen. In diesen Fällen hat die Software die Kontonummer im Datensatz aus der eingegebenen Nummern linksbündig interpretiert und von hinten mit Nullen aufgefüllt statt von vorne: "Bundesagentur patzt bei ALG-II-Überweisungen", in: Spiegel vom 30. Dezember 2004. So wird etwa aus 3204154 die falsche Kontonummer 3204154000 statt die richtige Kontonummer 0003204154.

Weise Männer (und Frauen) haben aus solchen und anderen Fehlern "Gesetze" formuliert, lockere Sprüche mit einem bitteren Kern von Wahrheit: Murphy's Law.

Was man als Gastronom aus solchen und ähnlichen Fehlern lernen kann: Es kann nicht nur was schief gehen, sondern man muß damit rechnen und dafür sorgen, daß eingetretene Fehler die Ziele (oder die Existenz des Unternehmens) nicht gefährden. Was mache ich, wenn was schief geht, gehört zur Planung wie das Gelbe zum Ei.

Mir ist so ein dummer Fehler mal bei der Vorbereitung eines Balls passiert. Kurz vor Ballbeginn standen wir nach wochenlanger minutiöser Vorbereitung da mit Hunderten von Weinflaschen, die geöffnet werden sollten - und ohne Korkenzieher.

Viel gefährlicher als solche eher banalen Fehler sind Fehler, die im menschlichen Denken selbst begründet sind. Mehr darüber in dem populärwissenschaftlichen Werk: "Die Logik des Mißlingens" von Prof. Dr. Dietrich Dörner.