Gastgewerbe Gedankensplitter


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Montag, Februar 07, 2005

Gutscheine in der Diskussion.

Die Diskussion um Gutscheinschefte bzw. -bücher kocht wieder einmal hoch:
  • Die Allgemeine Hotel- und Gaststättenzeitung widmet sich den Gutscheinen als Thema der Woche ("Billigesser") und macht darin gegen Gutscheine Front, ohne die Bedingungen zu diskutieren, unter denen sich solche Gutscheinaktionen rechnen oder auch nicht.
  • "Gedanken zu Restaurantgutscheinen", in: Notizen für Genießer. Theo Huesmann hat den Schlemmerblock getestet und sich mit einigen Gastronomen über ihre Erfahrungen damit unterhalten.
  • "Wie funktionieren eigentlich die Restaurantgutscheine?". Jan spekuliert darüber, warum sich einige Gastronomen die Inanspruchnahme von Gutscheinen quittieren lassen. Vermutlich machen sie es, um bei einer Umsatzsteueraussenprüfung einen erhöhten Wareneinsatz begründen zu können. Mir ist aber kein Fall bekannt geworden, wonach die Vorlage der eingelösten Gutscheine selbst dafür als nicht ausreichend angesehen worden ist. Gibt es bei Kollegen darüber schon Erfahrungen bei Steuerprüfungen?
Wie in meinem Beitrag Coupons schon vor längerer Zeit - bevor der Gutschein-Tsunami so richtig hochgekommen ist - ausgeführt habe, müssen eine Reihe von Bedingungen erfüllt sein, damit Gastronomen mit Gutscheinen des Typs "Zwei Essen - einer zahlt" glücklich werden:
  • Das Preisniveau muß so hoch sein, daß sich eine Preisuntergrenze von bis zu 50% (wenn der Scheckinhaber im theoretischen Extremfall nichts trinkt und keine Vorspeise bestellt) rechnet. Eine Spekulation auf Zusatzverkäufe und weitere Besuche dieses Gastes kann trügerisch sein. Bereits der Erstbesuch muß sich rechnen, auch wenn dabei nur der Gutschein eingelöst wird.
  • Interessant sind Gutscheine diesen Typs für Restaurants nach der Eröffnung oder nach einem Relaunch (also in der ersten Lebensphase), aber auch in der vierten Phase, um ein bröckelndes Image und überhöhte Preise auszunutzen, bevor sich der Abstieg herumgesprochen hat. Gut besuchte Restaurants (also in der zweiten und dritten Phase des Lebenszyklus eines Restaurants) sollten auf preisbewußte Gäste, die Plätze blockieren, verzichten. Damit soll jedoch der Nutzen von Coupons für bestimmte Zeiten schwacher Auslastung, etwa für bestimmte Tageszeiten, Wochentage oder ausserhalb der Saison, auch in diesen Phasen nicht angezweifelt werden.
Die variablen Kosten unter 50% vom Umsatz zu halten, gelingt in vielen Betrieben nur mit ausgewählten Produkten und Produktgruppen (mit niedrigem Warenkostenanteil bzw. höheren Aufschlagssätzen) oder zu bestimmten Zeiten (in denen variable Personalkosten nicht oder nur in geringem Umfange anfallen). Andere Betriebe sind besser beraten, statt den vordergründig leichten Weg zu gehen, mit Gutschein-Aktionen fixe Kostentreiber auszulasten, ihre Kosten, insbesondere die Personalkosten, variabler zu gestalten, also besser der Gästenachfrage (ohne Gutscheinaktionen) anzupassen.