Gastgewerbe Gedankensplitter

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Montag, März 28, 2005

Oettinger Bier.

Zum Verdruß vieler Brauer singt nun auch der Spiegel vom 26. März 2005 das hohe Lied der Brauerei Oettinger: "Brauereien: Ein Bier für Hartz IV".

Erstaunlicherweise gibt es mittlerweile zwar schon Fan-Clubs für Oettinger-Bier (vom Seifenkisten-Racing-Tea, über Schrebergartenfreunde bis hin zu Musikgruppen), aber meines Wissens noch keine Gaststätte, die Oettinger-Bier ausschenkt (oder zumindest sich dazu bekennt - andernfalls lassen Sie es mich bitte wissen).

Der Grund könnte darin liegen, daß man - abhängig vom sonstigen Bierpreisniveau einer Gaststätte und den gegebenen Einkaufspreisen in der Gastronomie - das 0,5 Liter-Glas nur für rund 20 bis 30 Cent billiger anbieten könnte als andere Marken, wenn man seinen Deckungsbeitrag halten will.

   
...
Kommentare:
Ich will hier nicht Erbsen zählen. Aber warum sollte ein Gastronom nicht Bier für mehr als 20 bis 30 Cent billiger anbieten als andere Marken.

Solange der Deckungsbeitrag bei variable Kosten + 1 liegt dürfte es vom Grundsatz her kein Problem sein, solange nicht alle Sitzplätze, bzw. Tresenplätze belegt sind.
Wohlgemerkt, dass bezieht sich nur auf einen kurzfristigen Zeitraum.

Die Vollkostenrechnung eignet sich doch nur wenn eine volle Auslastung gewährleistet ist und ist letztlich als Steuerungs- und Entscheidungsinstrument nicht geeignet.

Friedrich
 
Es ging mir darum zu erlaeutern, warum in der Gastronomie keine oder zumindest sehr viel weniger Oettinger-Biere ausgeschenkt werden als dem Anteil dieser Biere im Einzelhandel entsprechen wuerde. Es gibt sicherlich auch eine Gruppe von Gruenden, die sich aus dem Marketingansatz von Oettinger ergeben, gezielt den Vertriebsweg Einzelhandel zu suchen und z.B. der Gastronomie keinerlei Unterstuetzung zu bieten (weder Aussendienst, noch Werbemittel, Finanzierung usw.).

Aber auch wenn man davon absieht, so mein Argument, sind Oettinger-Biere - und das gilt fuer Niedrigpreisanbieter bei anderen Produktgruppen entsprechend, in der Regel wenig attraktiv. Wenn man mit Deckungsbeitraegen (oder auch mit Prozesskosten) kalkuliert, muss jedes Bier einen bestimmten absoluten Betrag erwirtschaften. Es macht aber nun keinen Sinn, langfristig ein Produkt anzubieten, dass einen niedrigeren absoluten Deckungsbeitrag erwirtschaftet. Verlangt man aber von einem Oettinger-Bier den gleichen absoluten Deckungsbeitrag wie von einem teureren Bier, betraegt der Preisunterschied nur bis zu etwa 30 Cent je Halbliterglas. Ob ein solcher Preisvorteil aus der Sicht der Gaeste attraktiv genug ist, von einem teuereren Bier umzusteigen, kann aber bezweifelt werden. Vielmehr befuerchte ich, wird dem Gastronomen ein ausbeuterisches Preisgebaren unterstellt - in Unkenntnis der betriebswirtschaftlichen Zusammehaenge und gerade deshalb, weil Oettinger als preisniedriges Bier bekannt ist. Der Gastronom kann aber den Preisunterschied von bis zu 50% oder 60%, den das Oettinger-Bier im Einzelhandel billiger ist als "Premium-Biere" nicht in der selben Relation weitergeben, da der Wareneinsatz nur einen geringen Teil seiner Kosten ausmacht.

Sie haben aber insoweit Recht, dass man kurzfristig und aus anderen Ueberlegungen heraus, auch mal Produkte guenstiger anbieten kann, im Extremfall mit einem Preis in Hoehe der variblen Kosten. Aber auch fuer solche Aktionen eignen sich Oettinger-Biere weniger, da der relative Preisnachlass, den man gewaehren kann, nicht so hoch ist wie bei hochpreisigen Produkten.
 
...und mir ging es nicht so sehr um das Oettinger Bier, sondern eher um das " Jonglieren " mit dem Begriff Deckungsbeitrag.

Den Eindruck den ich bei vielen Klein- und Mittelunternehmen gewonnen habe (Ausnahmen bestätigen die Regel) dass sie letztlich immer noch mit der Vollkostenrechnung hantieren, die in meinen Augen nur ein geieignetes Instrument bei einer 100%igen Auslastung der jeweiligen " technischen Kapazität " des Unternehmens ist.

Der Begriff Deckungsbeitragsrechnung ist in vielen Unternehmen mehr oder weniger Etikettenschwindel (um es einmal provozierend zu formulieren).Eine tatsächliche Kostentransparenz nach variablen und fixen Kosten besteht doch vielfach nicht, und selbst wenn doch, so wird doch die Kostenrechnung immer noch als eine statische Größe betrachtet und nicht als Instrument kurzfristig Entscheidungen über die "Produktion" zu treffen. Die Kostenrechnung überläßt man sehr häufig letztlich dem Steuerberater mit seiner jährlichen BWA (Ausnahmen bestätigen die Regel). Nur ist es dann meistens zu spät.....

Dumme Fragen gibt es nicht daher:

Wieviele von Ihren Branchenkollegen verfügen über ein detaillierte Kostenrechnung, die Ihnen z.B. täglich erlauben wieviele Deckungsbeiträge am jährlichen Fixkostenblock sie erwirtschaftet haben.

Wieviele von Ihren Branchenkollegen wissen was fixe und variable Kosten sind?

Wenn sie schreiben, dass im Falle der Deckungsbeitragsrechnung jedes Bier einen absoluten Betrag erwirtschaften muß so zuerst doch wohl nur einmal den variablen Wert (sprich Einkaufspreis + Transportkosten).
Lagerkosten und auch Personalkosten (bezogen auf eine Kündigungsfrist von sechs Wochen zum Quartal) sind fixe Kosten.

Aber da gehe ich zusehr in die Details...



Es mag sie trösten andere Branchen sind nicht viel besser... auch wenn sie sio tun, dass sie ein perfektes Controlling-System haben.

Das Scheitern von Unternehmensneugründungen beruht mehrheitlich auf mangelnder Kenntnis der Kostenstrukturen und fehlender Instumente zur Unternehmensführung.


Auch in Krisenzeiten, und da ist die Gastrobranche in der vergangenen Jahren sehr gebeutelt worden, nutzt man nicht selten die Kostenrechnung.


Um kurz noch einmal auf das Oettinger Bier zurückzukommen.

Aus Marketinggesichtspunkten wäre es m.E. sträflich wenn ein Gastronom Oettinger Bier ausschenken würde, da dieses Bier mittlerweile bei vielen Gästen als Billigbier bekannt ist. Weniger bekannte Biere auch von kleinen Brauereien oder gar tschechische " Billigbiere " könnten hier durchaus höhere Deckungsbeiträge zur Abdeckung des Fixkostenblocks erbringen.


...und mir ging es nicht so sehr um das Oettinger Bier, sondern eher um das " Jonglieren " mit dem Begriff Deckungsbeitrag.

Den Eindruck den ich bei vielen Klein- und Mittelunternehmen gewonnen habe (Ausnahmen bestätigen die Regel) dass sie letztlich immer noch mit der Vollkostenrechnung hantieren, die in meinen Augen nur ein geieignetes Instrument bei einer 100%igen Auslastung der jeweiligen " technischen Kapazität " des Unternehmens ist.

Der Begriff Deckungsbeitragsrechnung ist in vielen Unternehmen mehr oder weniger Etikettenschwindel (um es einmal provozierend zu formulieren).Eine tatsächliche Kostentransparenz nach variablen und fixen Kosten besteht doch vielfach nicht, und selbst wenn doch, so wird doch die Kostenrechnung immer noch als eine statische Größe betrachtet und nicht als Instrument kurzfristig Entscheidungen über die "Produktion" zu treffen. Die Kostenrechnung überläßt man sehr häufig letztlich dem Steuerberater mit seiner jährlichen BWA (Ausnahmen bestätigen die Regel). Nur ist es dann meistens zu spät.....

Dumme Fragen gibt es nicht daher:

Wieviele von Ihren Branchenkollegen verfügen über ein detaillierte Kostenrechnung, die Ihnen z.B. täglich erlauben wieviele Deckungsbeiträge am jährlichen Fixkostenblock sie erwirtschaftet haben.

Wieviele von Ihren Branchenkollegen wissen was fixe und
 
Ein paar kurze Anmerkungen zu Ihrem zweiten Kommentar:

> Wenn sie schreiben, dass im Falle der Deckungsbeitragsrechnung jedes Bier einen absoluten Betrag erwirtschaften muß so zuerst doch wohl nur einmal den variablen Wert (sprich Einkaufspreis + Transportkosten). Lagerkosten und auch Personalkosten (bezogen auf eine Kündigungsfrist von sechs Wochen zum Quartal) sind fixe Kosten.

In der Tat bringt es in der Regel wenig, variable Lagerkosten zu betrachten. Sowas spielt meines Erachtens nur eine Rolle, wenn man strategische Entscheidungen ueber den Grad der Convenience trifft oder sich entscheidet, ob man Tiefkuehlprodukte, zu kuehlende Produkte oder Produkte bezieht, die ungekuehlt haltbar sind. Bei Getraenken ist mir sowas aber nur bei Saeften untergekommen (also bei der Frage, ob man Tiefkuehlsaefte einsetzen sollte). Bei solchen Entscheidungen werden in bestehenden Betrieben aber meist eher raeumliche Kapazitaetsengpaesse zur Entscheidung herangezogen statt Kostengesichtspunkte (insbesondere Stromkosten).

Ob Personalkosten fix oder variabel sind, haengt wie Sie richtig bemerken, auch von den arbeitsvertraglichen Gestaltungen ab. Kuendigungsfristen spielen dabei meines Erachtens in der Praxis weniger eine Rolle, vor allem auch wegen der hohen Fluktuation und der hohen Einsatzbereitschaft und Flexibilitaet der meisten Mitarbeiter). Wichtiger sind die Oeffnungszeiten eines Betriebes, die konzeptionellen Vorgaben fuer die Personaleinsatzplanung und Aspekte der Sicherheit (Mindestbesetzung).

> Wieviele von Ihren Branchenkollegen verfügen über ein detaillierte Kostenrechnung, die Ihnen z.B. täglich erlauben wieviele Deckungsbeiträge am jährlichen Fixkostenblock sie erwirtschaftet haben.

Die Fixkosten sind meistens bekannt, zumindest grob abgegrenzt. Die variablen Kostens lassen sich relativ leicht auch tagesgenau ermitteln: Die variablen Personalkosten, wenn man alle Personalkosten vereinfacht als variabel betrachtet, und die Warenkosten, wenn man das Umsatzverfahren einsetzt, also unterstellt, dass der durchschnittliche Wareneinsatzkoeffizient erreicht wird. Damit kann man vom Tagesnettoumsatz die Personalkosten und den kalkulatorischen Wareneinstz abziehen und den Tages-Deckungsbeitrag ermitteln. Vergleicht man diesen mit den Fixkosten, kann man "auf einem Bierdeckel" den kalkulatorischen Tagesgewinn oder -verlust ermitteln.


> Weniger bekannte Biere auch von kleinen Brauereien oder gar tschechische " Billigbiere " könnten hier durchaus höhere Deckungsbeiträge zur Abdeckung des Fixkostenblocks erbringen.

Die Biere zahlreicher kleiner Brauerein, zumindest in Franken, sind mittlerweile teurer als Fernsehbiere. Die letzteren werden massiv gestuetzt, d.h. die Listenpreise sind wahre Mondpreise. Hingegen sind viele der kleinen Brauereien kaum noch zu Zugestaendnissen bereit. Sie arbeiten gerade nach der Einfuehrung des Dosenpfands oft an der Kapazitaetsgrenze und haben es nicht noetig, Preiszugestaendnisse zu machen oder sonstige Leistungen zu bieten.

Sie haben aber Recht, dass insbesondere im grenznahen Bereich zu Polen und Tschechien Biere verfuegbar sind, deren Preis sich eher an dem niedrigeren Preisniveau in Polen und Tschechien orientiert. Wobei Berlin wohl auch noch "grenznah" ist.
 
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