Gastgewerbe Gedankensplitter


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Mittwoch, März 02, 2005

Selbstverpflichtung zu mehr rauchfreien Plaetzen in der Gastronomie.

Um ein Rauchverbot in der Gastronomie wie in anderen europäischen Staaten zu verhindern, hat der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) jetzt eine freiwillige Selbstverpflichtung gegenüber dem Bundesgesundheitsministerium abgegeben. Siehe dazu: "Rauchen bleibt in Deutschlands Gaststätten erlaubt", in: Süddeutsche Zeitung vom 2. März 2005.

Wir haben früher schon einmal darauf hingewiesen, daß
  • nur eine Minderheit der Betriebe im DEHOGA organisiert ist
  • die Selbstverpflichtung auch für Mitgliedsbetriebe nicht bindend ist und
  • die DEHOGA für Nichtmitglieder, also die Mehrheit der deutschen Gastronomie, ohnehin nicht sprechen kann.
Etwas salopper formulieren kann sich die Drogenbeauftragte der Bundesregierung mit dem Papier, auf dem diese Selbstverpflichtung steht, einen Joint drehen.

Inhaltlich läßt es diese Vereinbarung an Klarheit zu wünschen übrig, was vielleicht nicht unbeabsichtigt ist:
  • Sie soll nur für Betriebe mit mehr als 75 Quadratmetern Gastfläche und mehr als 40 Sitzplätzen gelten. Der Begriff Gastfläche ist eindeutig, er umfaßt auch die Wege zwischen den Tischen und die Theke. Die Anzahl der Sitzplätze ist juristisch nicht eindeutig feststellbar, da es eine leichte Übung ist, Stühle hinzuzustellen oder wegzuräumen.
  • Generell ausgenommen sind alle Einrichtungen, die nur Getränke ausschenken oder "Snacks" reichen. Als Snacks gelten laut Vereinbarung auch Frikadellen oder belegte Brötchen. Juristisch korrekt haette man die reinen "Schankwirtschaften" ausnehmen können. Es gibt aber kaum Betriebe, die nicht auch als "Speisewirtschaft" konzessioniert sind. Die meisten Bars, Diskotheken und Kneipen seien deshalb nicht betroffen. Dies ist eine falsche Behauptung, denn die meisten Kneipen und Diskotheken sind voll konzessioniert, können auch zubereitete Speisen anbieten. Die Schätzung der DEHOGA, es fielen nur 100.000 ihrer 250.000 Mitgliedsbetriebe unter die Neuregelung, kann ich deshalb nicht nachvollziehen, es sei denn man weitet den Begriff "Snack" extrem aus.
  • Wie Raucher- und Nichtraucherbereiche zu trennen seien, verliert die Selbstverpflichtung kein Wort.
  • Es wurde keine Methode vereinbart, wie geprueft werden soll, ob die Selbstverpflichtung eingehalten wird.
  • Es wurde nicht vereinbart, ob an einem Stichtag oder über einen Zeitraum weg geprüft werden soll. Es macht ja keine grosse Mühe, an einem beliebigen Stichtag ein Schild auf- und danach wieder abzuhängen.
Die Ankündigung der Drogenbauftragten der Bundesregierung, das Bundesgesundheitsministerium behalte sich Stichproben und Kontrollen vor, ist ziemlich lächerlich. Dem Bund fehlt jedes Recht zu solchen Stichproben und Kontrollen in Gaststätten. Dazu sind nur die kommunalen Gewerbeaufsichtsämter berechtigt. Diese sind aber mit wichtigen Aufgaben voll ausgelastet.

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Kommentare:
? Lokale weiterhin verraucht & Nichtraucher reglementiert ?

Mit der jetzt "freiwilligen" unverbindlichen Regelung des dt. Hotel- und "Gaststättenverbandes" Dehoga und der Drogenbeauftragten der Bundesregierung wird das nötige Rauchverbot in der Gastronomie weiter aufgeschoben. Gäste, die nicht rauchen, werden bis über das Jahr 2008 hinaus in Zonen verfrachtet und reglementiert. Dunkle Ecken, hintere Tische und Toilettenplätze für Nichtraucher werden jetzt leicht ausgeweitet.

Die Vereinbarung ist dabei nicht einmal das Papier Wert auf dem sie steht. So sind überhaupt nur deutlich weniger als die Hälfte der deutschen Gaststätten von der vagen Regelung betroffen ? die Mehrzahl der kleinen Lokale, Bistros, Kneipen, Cafes und Imbisse kann weiterhin das rauchen erlauben, erfüllen sie doch nicht die nötige Bedingung über mehr als 40 Plätze zu verfügen. Und auch in größeren Lokalen wird der Versuch, rauchfreie Plätze mittels Schildchen auf Tischen zu etablieren, so erfolgreich sein können, wie eine Regelung, die "rauchfreie Plätze" im Raucherabteil eines Zuges vorschreibt. Der Zugang zu Bierkneipen und Bars bleibt den 60 Millionen Nichtrauchern ohnehin weiterhin verwehrt, es sei denn sie nehmen toxische Schadstoffemissionen, gepaart mit einer vervielfachten Lungenkrebsgefahr und massivem Unwohlsein in Kauf.

Rauch hält sich nicht an imaginäre Bereiche ? nur eine klare gesetzliche Regelung wie in Irland oder in Italien schützt alle Angestellten und Gäste. Hier wurde die Möglichkeit für Deutschland verspielt den Bürgerwünschen (90% der Nichtraucher, und 30% der Raucher wollen ein Rauchverbot) zu entsprechen, und die Erfolge in diesen und anderen Ländern zu wiederholen, wo der Gastronomie-Sektor keinerlei Rückgänge verbuchte, sondern oftmals leichte Zuwächse erzielte. Paradox, dass diese Chance bei 5 Millionen Arbeitslosen und zahlreichen Kneipenpleiten in Deutschland, und einer Gastronomie die im letzten Jahr abermals herbe Verluste verbuchte, verspielt wird.

Und anstatt Raucher und Nichtraucher in Zonen auseinanderzudividieren, bliebe durch ein Gesetz einfach die Zigarette draussen, beide Personengruppen aber glücklich und rauchfrei zusammen.

Nichtraucher und Angestellte haben nicht die Freiheit das Atmen einzustellen, Raucher ? nach der klaren gesetzlichen Regelung eines Rauchverbots ? jedoch jederzeit die Freiheit draußen eine Zigarette zu rauchen.

Armes Deutschland ? und es bleibt träge und verraucht wie es ist.
 
Mein Tipp für eine klare Regelung die allen Beteiligten hilft, keine Ausnahmen braucht, und keinerlei neue Bürokratie aufwirft:

a)
Streichung des Ausnahmepassus für die Gastronomie aus dem Arbeitsschutz-/Nichtraucherschutzgesetz.

oder
b) (leider kenn' ich die Verordnung nicht) Ausweitung des bekannten, gültigen und von der Lebensmittelüberwachung überprüften (und notfalls bestraften) Rauchverbots das bereits in Küchen existiert, für die Gesamtfläche jedes Lokals
 
Und der Präsident der Dehoga ? die bekanntlich nicht für die deutsche Gastronomie spricht und sprechen kann, versucht dennoch den Gastronomen Angst vor Rauchfreiheit zu machen. So warnt Dehoga-Präsident Ernst Fischer die dt. Wirte vor den "ruinösen Umsatzeinbrüchen in der italienischen Gastronomie".

Immer wieder fährt die Dehoga mit Mitteilungen auf, die Gastronomie würde mit sauberer Luft nicht überleben, in anderen Ländern gäbe es faktisch aufgrund der Rauchverbote schon gar keine lebendige Gastronomie mehr, oder in Italien hätten Tratorrien schließen müssen.

Die Dehoga weiß ganz genau was sie tut, schließlich nennt sie niemals Quellen für ihre Behauptungen, versucht im lokalen Bereich jedoch, mit frei erfunden Zahlen ("Ein Rauchverbot kostet einen Betrieb mittlerer Größe 60.000 Euro im Jahr") auch den einzelnen Wirt zu ängstigen.

In den USA, wo kürzlich auch geheime Dokumente der Zigarettenindustrie auftauchten, brachten diese die Verbindung der Restaurantverbände zu Tabakkonzerne und Geld-Sponsoring an den Tag.

Leider gibt es ähnliche Dokumente in Deutschland bisher nicht, sonst würde man erkennen können welches Interesse ein Gastronomieverband, mit der Kentniss das Rauchverbote nirgends zu Umsatzrückgängen geführt haben, daran hat bei einem Deutschen Rauchverbot von "Ruin für die Gastronomie" zu sprechen. In Amerika erhielt die National Restaurant Association 450.000 Dollar von der Tabakindustrie, und versuchte daraufhin im Dehoga-Stil Rauchfreiheit zu verhindern.

Wie sponsort Phillip Morris in Deutschland die Dehoga?
 
Was soll der Blödesinn mit dem Rauchverbot eigentlich. Das Rauchen schädlich ist braucht mir keiner zu sagen.. aber rechtfertigt das allein eine solchen "rassismuss" ? Was geht geht die Behörden das ganze überhaupt an?? Nichtraucher können doch in Restaurants geht die Nichtraucherbereiche haben, oder die über eine gute Be-und entlüftung verfügen. Wenn es so viele Nichtraucher gibt, dann wird das Problem vom Markt geregelt. In der sozialen Marktwirtschaft werden alle Bedürfnisse der Konsumenten erfüllt. Also was soll das alles??? Wollt Ihr die Gastronomie ganz fertig machen. Idiologischer Schwachsinn!!
Haben wir in deutschland keine anderen Probleme. Hier wird doch nur etwas hoch gejubelt um von echten Problemen abzulenken. 5.2 Milionen Arbeitslose sind viel schädlicher für die Gesundheit. Hallo wach werden, lasst euch nicht verdummen.
Übrigens bin ich auch Nichtraucher
 
Regelungen über Regelungen, oder doch lieber Eigenverantwortung?

Ich habe mit einigem Erstaunen die Kommentare zu dem Thema ?Selbstverpflichtung zu mehr rauchfreien Plaetzen in der Gastronomie? gelesen. Aus meiner Sicht ist es unstrittig das Rauchen ungesund ist, und mit Sicherheit eine legalisierte Droge die historisch gewachsen ist ? wie auch der Alkohol, der bei übermäßigem Genuss ebenfalls gesundheitsschädlich ist. Die logische Konsequenz - wenn man auf Basis der Gesundheitsfürsorge argumentiert - wäre dann nach einem Rauchverbot ein Trinkverbot für alkoholhaltige Getränke. Oder was ist mit zu fettigem Essen?

Meine Frau und ich betreiben selbst eine Schankwirtschaft mit gutbürgerlicher Küche, und somit führen wir oft einen kritischen Dialog mit unseren Gästen zu diesem Thema. Allerdings hat die Erfahrung gezeigt, das ein Großteil der geselligen Gäste auch Raucher sind, und die Nichtraucher es bewusst in Kauf nehmen mit Rauchern ihre Freizeit zu verbringen. Natürlich könnte man jetzt darüber diskutieren, ob sie es machen weil sie keine andere Wahl haben. Aber fraglich ist dann aus meiner Sicht, warum sich das Verhältnis Nichtraucher zu Raucher nicht deutlich in der Außengastronomie (Biergarten, Stadtfeste, Kirmes etc.) verändert!?

Wie bereits in einem vorangegangenen Kommentar erwähnt sollte der Kunde entscheiden ob er eine Gaststätte geht in der geraucht wird oder nicht. Vielleicht liegt ein großes Potenzial in einer rauchfreien Gastronomie ? das wird dann der Markt entscheiden, nach dem Motto ?Angebot und Nachfrage? reguliert den Markt. In diesem Fall ist das Unternehmertum gefragt und nicht der Gesetzgeber.

Natürlich gibt es noch die Seite der Arbeitnehmer, die oftmals nicht die Wahlmöglichkeiten eines Kunden haben, dies ist aber ein Thema was ich jetzt bewusst unberücksichtigt lasse weil es aus meiner Sicht den Rahmen meines Kommentars sprengen würde.
 
Alkohol und Zigaretten (und meinetwegen auch fettiges Essen) lassen sich eben NICHT einfach vergleichen, weil letztere primär den Einzelnen schädigen.

Dass die meisten Nichtraucher keine Wahl haben, wenn sie sich nicht vom gesellschaftlichen Leben ausschließen wollen, ist schon mal eine gute Erkenntnis. Darauf lässt sich aufbauen.
(Auf Veranstaltungen 'draußen' werden sich sicher mehr Nichtraucher finden als 'drinnen'.)

Schade, dass die Seite der Arbeitnehmer hier 'den Rahmen des Kommentars sprengen würde'.

Als Leseempfehlung:
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/leserbriefe/427824.html
 
Ich verstehe die ganze Aufregung um ein angeblich notwendiges Rauchverbot in Gaststätten zum Schutz der Nichtraucher nicht. Es gibt doch zwei ganz einfache Möglichkeiten:
1. Ich erkläre meine Gaststätte (Kneipe, Bar ...) zur absoluten und kompletten Nichtraucherzone. Natürlich schreibe ich das auch aussen gut sichtbar dran. Dann kann ich mich wahrscheinlich vor den zahlreich strömenden Gästen, die ja alle um ihre Gesundheit besorgt sind, nicht retten und muss zusätzliche Tische/Stühle aufstellen.
2. Ich nenne meine Gasstätte (besser wohl für Bars, Kneipen etc.) "Smokers Inn" und erlaube darin das Rauchen. Auch das schreibe ich außen groß dran. Natürlich bin ich dann tolerant, und stelle jedem Gast frei, zu rauchen oder nicht. So weiß jeder Gast, was ihn bei mir erwartet.
Tja, und dann entscheidet eben der Markt....
 
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