Gastgewerbe Gedankensplitter



« Home | Mindestloehne bei Gebaeudereinigern. » | Flyer drucken lassen. » | Sieg, Sieg, Sieg. » | Mesothelioma attorney. » | Kombiloehne statt Mindestloehne. » | eMail-Marketing für Hotels. » | Google Print. » | Zweite Biermix-Generation von Verbrauchern mit Ver... » | Ich weiss von nichts, ich sitz hier bloss. » | Umsatzsteuerliche Behandlung von Take-Away-Umsaetz... »


Donnerstag, April 28, 2005

Pharisaer.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, habe sich, so die Netzeitung vom 29. April 2005 ("SPD will Sozialstaats-Kongress abhalten") der Kritik von SPD-Chef Müntefering an kapitalistischen Auswüchsen angeschlossen. Armut und Reichtum drifteten in Deutschland immer mehr auseinander, habe Huber am Montag im ZDF gesagt. Die Wirtschaft nehme ihre "ureigene Aufgabe", mehr Arbeitsplätze zu schaffen, nicht immer ernst.

Ausgerechnet die evanglische Kirche reißt in dieser Frage das Maul auf. Dabei baut sie selbst in großem Umfange Stellen ab und verweigert sich hartnäckig der betrieblichen Mitbestimmung. Ihre Brüder und Schwestern im Geiste am anderen Ende der Bundesrepublik (in der nordelbischen Landeskirche) haben ihren 25.000 Mitarbeitern das Urlaubsgeld gestrichen und das Weihnachtsgeld halbiert: "Zwischen Moral und Mammon", in: Welt am Sonntag vom 11. März 2004.

Aber auch die evangelische Landeskirche in Bayern hat auf ihrer Herbsttagung in Bad Reichenhall vom 23. bis 27. November 2003 harte Sparmaßnahmen beschlossen. Siehe: "Das große Sparen beginnt. Landessynode in Bad Reichenhall" von Helmut Frank und Lutz Taubert, in: Sonntagsblatt Bayern vom 23. 11.2003. 2004 muß die bayerische Landeskirche 46 Millionen Euro sparen (von 688 Millionen auf 646 Millionen Euro) und in den Folgejahren 2005 und 2006 weitere 30 Millionen. Anreize zum freiwilligen Ausscheiden soll eine Regelung mit dem schönen Namen "Personalstruktursicherungsgesetz" schaffen. Schließlich ist man als Kirche ja so sozial, vorerst auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten, wenn die Mitarbeiter so nett sind, freiwillig abzuhauen.

Warum wohl kommt mir angesichts dieser Tatsachen und der wohlfeilen Worte von Bischof Huber das Gleichnis der Pharisäer in den Sinn?
"Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand für sich und betete so: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie die anderen Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig. Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden." (Lukas 18,9-14, nach der Übersetzung Martin Luthers).
Siehe dazu auch:
  • "Billiger = Sicherer? stimmt nicht !", Fachtagung des Verbandes kirchlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
  • "Wenn zwei das Gleiche tun ..." von Professor Werner Lachmann, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschafts- und Entwicklungspolitik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, in: Sonntagsblatt Bayer von 5. März 2005.