Gastgewerbe Gedankensplitter


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Samstag, Mai 07, 2005

Taler, Taler, Du musst wandern.

Wir haben ja schon eine ganze Reihe von Geld-Surrogaten vorgestellt, also Konzepten, bei denen, ergänzend zum Geld, das von einer staatlichen Bank ausgegeben wird, andere Geld schöpfen:
  • Schexsinthecity, ein Projekt des Stadtmarketing Bamberg.
  • Restaurantschecks, mit denen Arbeitgeber Verpflegungszuschüsse an ihre Mitarbeiter einfacher organisieren können bzw. Lohnsteuer sparen können.
  • Kundenkarten, also Lösungen von einzelnen Unternehmen oder auch Ketten für ihre Kunden oder auch von Kommunen, Banken, Stadtwerken usw. für die Kunden der Betriebe ihres Einzugsgebiets.
Daneben gibt es Formen wie das Im Grunde vertrauen alle Konzepte "alternativer Zahlungssysteme" darauf, daß der Staat bzw. die Zentralbank darauf auf die damit verbundenen Geldschöpfungsgewinne verzichtet und diese Projekte toleriert. Solange diese Konzepte keinen - im Vergleich zu den von der Zentralbank geschöpften Geldvolumina - nennenswerten Erfolg haben, wird dies wohl auch so bleiben.

Betriebe des Gastgewerbes sollten sich fragen, ob sie sich an solchen meist regionalen Projekten beteiligen sollten, um an der entstehenden zusätzlichen Nachfrage teilzuhaben. Zu bedenken sind neben den Imageeffekten (ein Problem jeder Form von Kooperation) auch der zusätzliche interne Aufwand für die Einweisung der Mitarbeiter in diese zusätzliche Zahlungsform und deren Abwicklung.

Gegenüber Angeboten von Barter-Dienstleistern bin ich persönlich skeptisch. Den fixen Gebühren steht ein ungewisser Erfolg gegenüber. Meines Erachtens sollte man eher versuchen, Bartergeschäfte direkt mit Unternehmen vor Ort ansprechen. Informell ist dies ja heute schon nicht selten der Fall, etwa daß ein Malergeschäft, das man zum Renovieren einsetzt, seine betriebliche Weihnachtsfeier bei seinem Kunden aus der Gastronomie durchführt. Geben und nehmen - gerade auf dem Lande und in kleinen Kommunen die Regel. Zu einem Bartergeschäft würde dies, wenn man diese Gefälligkeiten formalisiert, z.B. bei der Auftragsvergabe vereinbart, daß ein Teil des Renovierungsaufwands in Form von Speisen und Getränken beglichen wird.

Neu untergekommen sind mir die "Amtstaler", ein Projekt der Amts-Apotheke in Bochum. Beim Einkauf ab 7,00 Euro aus dem Randsortiment erhalten Kunden 1 Taler, 1 Taler extra gibt es, wenn sie mit dem Auto oder dem Fahrrad, 2 Taler, wenn Sie mit Bus oder Bahn kommen, 1 Taler, wenn Sie aus einem anderen Stadtteil als Langendreer oder Werne kommen, 3 Taler, wenn etwas nicht vorrätig ist usw. In über 20 Fachgeschäften im Bochumer Stadtteil Langendreer können diese Amtstaler gegen Prämien eingetauscht werden. Teil nimmt auch eine Gaststätte, nämlich das griechische Restaurant Taverne Eichhörnchen, und das etablierte Weinhandelsgeschäft Vinaglobo. Doch darüber gleich mehr...