Gastgewerbe Gedankensplitter


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Montag, Juni 27, 2005

Bekanntlich.

Wenn jemand etwas behauptet und den Beleg dafür schuldig bleiben will, ist die Floskel "bekanntlich" bequem. Man impliziert, es handele sich um eine unbstreitbare, von allen akzeptierte Tatsache und erspart sich so den Beweis.

So hat der Arbeitsmarktexperte Prof. Dr. Michael Burda von der Berliner Humbold-Universität in einem Interview der Netzeitung vom 27. Juni 2005 ("Höhere Mehrwertsteuer sollte vor allem Geringverdienern zugute kommen") behauptet:
"Arme zahlen bekanntlich relativ mehr Mehrwertsteuern als Reiche, weil sie im Vergleich zum Einkommen mehr konsumieren als Besserverdienende."
Dies ist jedoch falsch. Zumindest hat sich der Finanzwissenschaftler Prof. Dr. Manfred Rose vom Alfred-Weber-Institut der Universität Heidelberg bereits in den 70ern intensiv dieser Frage zugewandt und abschließend festgestellt, daß inbesondere die mittleren Einkommen von der Mehrwertsteuer relativ besonders betroffen sind:
  • Bei höheren Einkommen führt die sinkende Konsumquote zu einer relativen Entlastung.
  • Bei niedrigen Einkommen führt der hohe Anteil von Produkten und Dienstleistungen, die von der Mehrwertsteuer befreit sind (wie Wohnraummieten) oder für die nur ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz gilt, zu einer relativ geringeren Belastung als bei mittleren Einkommen.
Siehe dazu etwa: Prof. Dr. Manfred Rose: "Verteilungswirkungen indirekter Steuern, insbesondere der Mehrwertsteuer", in: M. Pfaff (ed.), Problembereiche der Verteilungs- und Sozialpolitik, Berlin 1978, S 63-79.

Kommentare:
wie heißt es schon bei Radio Erivan:

Im Prinzip hat Prof Rose Recht, aber.....

Jeder Fraktion sucht sich aus den professoralen Ergüssen immer wiede4r das heraus was ihm in den Kram paßt....

Warum gibt es wohl so einen rapiden Anstieg der " gutachteritis " in den letzen 10 bis 15 Jahren.


Und wenn ich dann lese dass Herr Professor Sinn konstatiert, das die physische Leistungsfähigkeit im Alter abnimmt....

Prof. Sinn ist auch über 60....


Angeblich ist die fun-Gesellschaft doch vorbei...

Ick kann garnich so viele Zeilen verdauen, wie ich-....

Im übrigen Michael Burda zählt doch zu den neoliberalen Ökonomen:
http://www.wiwi.hu-berlin.de/wt2/cv/Burda/mbstart.html

Oder vielleicht nicht....


Im übrigen was Manfred Rose in den siebziger Jahren schrieb, muß doch nicht unbedingt mehr Gültigkeit heute im Jahr 2005 haben??
 
Seit der damaligen Untersuchung von Prof. Rose dürfte sich die Effekte noch mehr in Richtung seiner Ergebnisse verstärkt haben, denn seitdem wurde der allgemeine Mehrwertsteuersatz erhöht und damit der Abstand zum ermäßigten Mehrwertsteuersatz und der Anteil der Mieten an den Haushaltsausgaben von Haushalten mit unterdurchschnittlichem Einkommen dürfte sich erhöht haben. Die Mieten sind erst seit wenigen Jahren wieder leicht ruecklaeufig.

Sicherlich haben sich aber die konkreten Ergebnisse, inbesondere die Einkommenshoehen, bis bzw. ab der eine relative Entlastung eintritt veraendert. Ich kenne aber leider keine neuere Studie (vermutlich gibt es auch keine) und bin ja auf diese Werte auch nicht eingegangen.

Ob Prof. Burda zu den neoliberalen Ökonomen zählt oder nicht, hat damit gar nichts zu tun.
 
leider habe ich die smileys vergessen.....

Zunehmend werde ich sehr skeptisch gegenüber den sogenannten " wissenschaftlichen" Erkenntnissen der Ökonomen.


Aber das ist wieder einmal ein anderer Diskussionspunkt...
 
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