Gastgewerbe Gedankensplitter



« Home | Nachgesalzen. » | Bierdeckel der DDR. » | Sag zum Abschied leise Servus. » | Der Schnitt. » | Kann Schlemmen richtig teuer werden? » | Olle Fritten. » | Koch oder Kellner. » | Dann droht die Pleite. » | Hamburger-Blog. » | GPS-Radtouren. »


Dienstag, September 27, 2005

Erdinger und Bitburger arbeiten in Zukunft zusammen.

Über die Zukunft des Weißbierspezialisten Erdinger wird seit vielen Jahren spekuliert. Von freundschaftlichen Beziehungen zu Anheuser-Busch wurde schwadroniert. Soeben meldet die Allgemeine Hotel- und Gaststättenzeitung, Bitburger habe eine enge Kooperation mit Erdinger vereinbart: "Erdinger und Bitburger kooperieren".

In einer Pressemitteilung von Bitburger heißt es:
"'Diese Kooperation bietet uns die Chance, unser Vertriebsnetz weiter auszudehnen und die Marktstellung von Erdinger zu festigen. Und gleichzeitig hilft es, die Eigenständigkeit unserer Brauerei zu sichern', so Werner Brombach. Das Potential ist jedenfalls sehr groß, da die Bitburger Gruppe mit der Marke Bitburger nicht nur Deutschlands führende Gastronomiemarke im Markenportfolio hat, sondern mit König Pilsener eine weitere sehr gastronomieorientierte Marke führt. Insgesamt zählt die Gruppe rund 70.000 Gastronomien zu ihren Partnern. Auch die Bitburger Gruppe sieht in der Vereinbarung große Chancen. 'Für uns ist diese Kooperation mit Erdinger eine ideale Ergänzung, können wir doch jetzt unseren Partnern die weltweit führende Weißbiermarke offerieren', betont Peter Rikowski die Vorteile aus Bitburger Sicht. Zum Portfolio der Bitburger Gruppe gehören neben Bitburger u. a. die Marken König Pilsener, Köstritzer Schwarzbier, Wernesgrüner und Licher.

Neben den Gemeinsamkeiten als Familienunternehmen verbindet beide Partner auch der Anspruch, ausschließlich Premiummarken höchster Qualität zu vermarkten. Der Vertrag sieht vor, dass die Vertriebsteams beider Unternehmen weiterhin parallel und unabhängig voneinander den deutschen und österreichischen Markt bearbeiten. Es besteht ausschließlich eine gegenseitige vertriebliche Unterstützung; eine kapitalmäßige Verflechtung besteht nicht.

Die Licher Brauerei ist in die Vereinbarung nicht einbezogen. Hier wird die Einführung eines eigenen Weizenbieres erwogen, das ausschließlich für die regionale Licher Gastronomie vorgesehen ist."
Erdinger hatte, so mein Eindruck, im Hauptsabsatzgebiet zwei Probleme:
  • Viele Brauereien sind im Laufe der Jahre dazu übergegegangen, selbst Weißbier zu brauen oder im Lohnbrauverfahren eigene bei anderen Brauereien brauen zu lassen. Erdinger wurde als Handelsmarke ausgelistet oder nur noch ohne Engagement mitgeführt oder als Türöffner für Neukunden ausgenutzt.
  • Die Expansion von Erdinger hat dazu geführt, daß der Kultstatus, den diese Brauerei insbesondere in den 70ern und 80er Jahren des letzten Jahrhunderst genossen hat, verblasst ist. Anderen, kleineren Brauereien wie etwa der Brauerei Gutmann in Titting, gelang es in ihren kleineren Einzugsgebieten per Mundpropaganda und mit hohem Qualitätsanspruch zu regionalen Kultmarken aufzusteigen.
Ob die Kooperation zwischen Bitburger und Erdinger erfolgreich sein wird? Ich bin skeptisch:
  • Bitburger kann Erdinger im Ausland wenig nützlich sein. Und umgekehrt wird es Erdinger kaum gelingen, Bitburger im Ausland wirklich weiterzubringen. Da sind die Weißbiermarken Paulaner und Franziskaner in der Zusammenarbeit mit Heineken und Interbrew wahrlich besser aufgestellt.
  • Wenn ich mich auf Messen mit Mitarbeitern von zwei Brauereien unterhalte (einer Kooperation einer Pils-Marke mit einer starken Weißbiermarke), sehe ich durchaus Probleme bei der Integration unterschiedlicher Vertriebsphilosophien.
  • Zwar kann man versuchen, in Gaststätten, die eine Bezugsvereinbarung mit Bitburger oder Erdinger haben, die jeweils andere Marke auch durchzusetzen. Aber selbst wenn dies gelingt, kann es Erdinger passieren, daß sie aus solchen Gaststätten, die Bezugsvereinbarungen mit anderen Pilsmarken haben, wegen der Zusammenarbeit mit Bitburger rausfliegen.