Gastgewerbe Gedankensplitter


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Dienstag, Dezember 20, 2005

Rauchverbot in der Gastronomie gefaehrdet Kinder und Jugendliche.

Ökonomen des University College London unter der Leitung von Dr. Jerome Adda haben auf der Grundlage von amerikanischen Daten herausgefunden, daß ein Rauchverbot in der Gastronomie gesundheitliche Risiken für Kinder und Jugendliche erhöht. Raucher, die nicht mehr in der Gastronomie rauchen dürfen, rauchen vermehrt zu Hause: "Cig bans 'harms kids", in: Manchester Evening News vom 19. Dezember 2005.

Die Ergebnisse des dieser Meldung zugrunde liegenden Arbeitspapiers von Dr. Adda: "The Effect of Taxes and Bans on Passive Smoking", Cemmap Working Paper 20/05, zusammen mit Francesca Cornaglia, mögen Rauchverbots-Fanatiker überraschen:
"First, excise taxes have a significant effect on passive smoking. Second, smoking bans have on average no effects on non smokers. While bans in public transportation or in schools decrease the exposure of non smokers, bans in recreational public places can in fact perversely increase their exposure by displacing smokers to private places where they contaminate non smokers, and in particular young children. Bans affect socioeconomic groups differently: we find that smoking bans increase the exposure of poorer individuals, while it decreases the exposure of richer individuals, leading to widening health disparities."
D.h. ein Rauchverbot in der Gastronomie belastet nicht nur Kindern und Jugendlichen, sondern auch Arme sind eher negativ betroffen als Besserverdienende.

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Kommentare:
Genau gegenteilige Studien sind bekannt.

Public Ban would cut home smoking:
http://news.bbc.co.uk/1/hi/health/4672005.stm

Fakt ist nur: in Irland hat das Rauchverbot zu keinen Rückgängen in der Gastronomie geführt, und mehr Wohnungen sind dort rauchfrei geworden.

Das Argument, oder die Studie, weil das rauchen in gastronomischen Betrieben verboten sei, rauchten mehr Leute zu Hause, ist nicht nachzuweisen, und fand in keinem Land mit Legislation statt. Es ist lediglich ein Versuch mit der Gesundheit der Kinder gegen Rauchverbote zu argumentieren ? das das paradox ist, ist wohl klar.

Durch Aufklärungskampagnen und das Verbot am Arbeitsplatz erkannten viele Eltern die Gefahr, und rauchen nun draussen. Widerrum andere hörten ganz auf, und rauchen ohnehin nicht mehr.

D. h. das fehlene Rauchverbot belastet nicht nur die Gastronomie, sondern auch Arme die ohnehin weniger Geld haben, und noch eine kleinere Chance überhaupt aufzuhören. Gerade bei den Armen ist der Anteil der Abhängigen nämlich am höchsten.
 
Anscheinend haben die Rauchfanatiker auch die letzten Spiegel- und andere Meldungen vergessen, in denen "Wissenschaft" gleich Tabakindustrie bedeutet:

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,388238,00.html
 
Dr. Adda vorzuwerfen, er sei von der Zigarettenindustrie gekauft, ist ziemlich naiv.

Zum einen ist er ein angesehener Wissenschaflter, der sowohl ein Studium der Biologie und Ökonomie/Statistik abgeschlossen hat und danach seinen Doktor in Ökonomie gemacht hat (an der Sorbonne). Er ist heute u.a. Mitglied des Editiorial Bords einer der besten ökonomischen Fachzeitschriften, der Review of Economic Studies.

Zum anderen propagiert er ja gerade in seinem Artikel, die Steuern auf Zigaretten zu erhöhen, was der Zigarettenindustrie nun wirklich nicht gefällt. Aber er sieht solche Steuererhöhungen als ein politisches Instrument an, das besser wirkt als ein Rauchverbot und das zudem vermeidet, daß Menschen statt in Räumen, in denen in der Regel die Luft gereinigt wird, zu Hause rauchen, wo die Luft in der Regel nicht gereinigt wird und Kinder und Jugendliche, sogar Babies, passiv mitrauchen, tag und nacht.
 
Nun muss er ja trotzdem nicht zu realitätsnahen Ergebnissen gekommen sein ? siehe der andere Artikel. Und komischerweise wurde die Studie plötzlich jetzt rausgekramt als das Health-Commitee in den UK Position zum Rauchverbot dort bezog.

Die Argumentation mit den Kindern, ist so wie die Argumentation, ein Alkoholverbot am Steuer führe zu mehr Trinkern zu Hause, bzw. ist kontraproduktiv weil dann wieder mehr Kinder darunter leiden müssten.

So ein intelligentes Argument habe ich wirklich noch nicht gehört: weil man an einem Ort, wo Menschen sich aufhalten und Arbeitnehmer arbeiten, und auch Kinder zugange sind, vermeidbare Schadstoffe auftreten, sollte man dieses nicht verbieten, weil die Schadstoffe dann angeblich woanders auftreten. Demzufolge müsste man das rauchen in Kinos, Theatern, Supermärkten und Bussen erlauben, weil nach dem Rauchverbot dort, wieder mehr Leute zu Hause rauchten...

Und den Schwachsinn mit der "gereinigten Luft" kann auch nur von sogenannten Luft-Experten kommen. Kein Wunder das die Tabakindustrie bzw. anhängende Luftfilterunternehmen die einzigen sind, die überzeugt und begeistert davon sind ? solche Teile schützen nicht vor Tabakrauch, sondern kosten nur. Ansonsten hätten wir die Passivrauchtoten, und die ganze Diskussion um Gästewünsche auch nicht.

Die Reduzierung der Raucherzahlen und der vermeidbare Passivrauch sind ja nunmal zwei paar Schuhe.

Und es ist wohl logisch das bei Reduktion der Raucherzahlen durch Rauchverbot nicht nur die Exposition durch Tabakrauch von Millionen Menschen verhindert wird, sondern auch die Raucherzahlen sinken, sodaß ohnehin die Rauchzahlen zu Hause zurückgehen.

Und ob nun 50,40 oder 10% rauchen ? der Rauchgehalt in geschlossenen Räumen am Arbeitsplatz ändert sich dadurch ja nicht signifikant. Genau wie es kein bisschen, bisschen mehr, oder ganz viel Asbest gibt, bzw. das einen Unterschied machte. Passivrauch bzw. Luftschadstoffe am Arbeitsplatz sind kostenlos vermeidbar ? ganz einfach.

Die Studie ist wieder einmal ein guter Punkt an dem sich zeigt wie schnell sich Wirte / Menschen hereinlegen lassen, und an dies oder jenes glauben was man ihnen zu erzählen versucht, nur weil es irgendein einzelner Doktor mal gesagt hat.

Es gibt im übrigen nur einen einzigen Grund für die Antinichtraucherideologie: Die meisten Wirte rauchen selber, und stellen im Zweifelsfall die eigene Sucht immer vor den Umsatz oder die Gästewünsche.

Und deswegen werden sie immer neue Ausreden (er)finden, wie die mit dem zu Hauserauchen.
 
Wann kapiert die Gastronomie endlich, dass sie die Mehrheit der Bevölkerung ausgrenzt oder eben massiv belästigt. Es gibt kein einziges Argument fürs Rauchen, wenn auch nur ein Mensch (Kind) dadurch beeinträchtigt wird.
Wann kommt endlich das Rauchverbot für Deutschland? Keiner wird deswegen pleite gehen, denn das Potenzial an Nichtrauchern, die kaum noch wegen des Rauchens die Gastronomie besuchen, ist sehr groß.
 
Warum überlässt man es nicht jedem Wirt selbst, ob er das Rauchen in seinem eigenen Lokal erlaubt oder verbietet? Niemand ist gezwungen, in ein verrauchtes Lokal zu gehen. Ebenso wenig ist irgendjemand gezwungen, in einer Raucherkneipe zu arbeiten (auch an anderen Arbeitsplätzen gibt es Gesundheitsgefahren, die der Staat nicht durch Regulierung komplett ausschalten kann - dann müsste man auch den Bergbau abschaffen, statt ihn zu subventionieren). Es müsste doch eine riesige Marktlücke sein, Nichtraucherkneipen aufzumachen, wo doch Nichtraucher die Mehrheit der Bevölkerung stellen! Ich persönlich rauche gelegentlich, hätte aber auch kein Problem damit, nur noch draußen zu rauchen (ich habe lange in den USA gelebt und dort nur draußen geraucht). Von Bekannten weiß ich aber, dass sie damit ein größeres Problem hätten, und ich bin überzeugt davon, dass sie tatsächlich mehr zu Hause rauchen würden (aber das ist nur meine persönliche Einschätzung). In jedem Fall sollte man die wissenschaftliche Studie differenziert sehen. Steuererhöhungen werden ebenso propagiert wie Rauchverbote an Schulen, in öffentlichen Verkehrsmitteln etc. - also überall dort, wo man sich dem Rauch nicht freiwillig entziehen kann. Darüber hinaus ist die Studie weder methodisch noch von der Datengrundlage her zu beanstanden. Die Nichtraucherlobby diskreditiert sich selbst, wenn sie jede Art von wissenschaftlicher Studie pauschal als "unwissenschaftlich" oder "von der Industrie gekauft" angreift, bloß weil sie darin nicht sämtliche ihrer Forderungen unterstützt sieht.
 
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