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Freitag, Februar 03, 2006

Alle Journalisten sind schwul.

Der Vorsitzende der Journalistenvereinigung "Netzwerk Recherche", Thomas Leif, gab Kristin-Leonie Weiland ein Interview: "'Blogger sind oft selbstverliebte Egozentriker'", in: Spiegel vom 3. Februar 2006.

Er warnt vor den Gefahren des "Google-Journalismus". Dabei vergleicht er Journalisten, wie sie sein sollten, mit Bloggern, wie er denkt, daß sie sind. Die Ansprüche, die er an Journalisten, ihre Arbeitsweise und ihre Werke stellt, haben mit der wirklichen, Pressemeldungen widerkäuenden Arbeitsweise von Journalisten wenig zu tun, gehen von Zeitbudgets aus, die nur noch ganz wenige Journalisten genießen. So schreibt er:
"Im Grunde genommen ist für die Überprüfung von Vertrauenswürdigkeit ein persönliches Treffen die Voraussetzung. Einzig und allein auf der Basis elektronischer Kommunikation würde ich niemals einem Informanten uneingeschränkt glauben."
Wie häufig trifft sich denn z.B. ein Lokalredakteur mit den Menschen, über die er berichtet? Wie häufig besucht er Veranstaltungen, über die er schreibt? Tatsächlich sitzt er fast ausschließlich in seinem Büro und redigiert Meldungen, die ihm zugesandt werden. Ich habe mir z.B. früher gerne den Spaß gemacht, Pressemeldungen über angebliche Vorstandssitzungen einer Partei, der ich nahe stehe, frei zu erfinden, sie auszuschmücken mit Zitaten angeblicher Teilnehmer (natürlich habe ich mich rückversichert, daß sie diese Zitate bestätigen würden, wenn mal wirklich jemand nachhaken würde, und damit sie nicht aus allen Wolken fallen, wenn sie die Zeitung lesen). Und alle Berichte wurden brav gedruckt.

Über Blogger urteilt Thomas Leif:
"Der Blogger stellt seine eigene Person in den Vordergrund. Es handelt sich oft um selbstverliebte Egozentriker, die ihren Mitteilungsdrang befriedigen wollen."
Nun ja, ein paar selbstverliebte Egozentriker kenne ich auch unter den Journalisten, ohne von denen auf "den Journalisten" an und für sich schließen zu wollen. Der eine läßt sich bekokst mit ukrainischen Huren erwischen, ein anderer ist so weit die Treppe hoch gefallen, daß er sogar mal als "Superminister" bezeichnet worden ist.

Doch Blogs können auch nützlich sein:
"Wenn zum Beispiel jemand einen Film über die homosexuelle Szene und das Barebacking, also das bewusste Spiel mit dem HIV-Risiko, machen möchte, dann kann er über Blogs möglicherweise mit Leuten, die risikoreich Sex haben, in Kontakt kommen."
Und ich dachte, alle Journalisten seien schwul.

Kommentare:
Hab auch herzhaft gelacht. Das mit den riskanten Praktiken .. wie hinterwäldlerisch doch manche Leute sind.
 
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