Gastgewerbe Gedankensplitter



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Dienstag, Februar 21, 2006

Die echte afri-cola ist zurueck. Mit vollem Koffeingehalt.

Um die weiter unten veröffentlichte Pressemitteilung zu verstehen, muß man ein wenig zurückgehen in die Geschichte der Marke Afri-Cola.

Afri-Cola, die Cola, die ich in meiner Jugend nur trinken durfte, wenn ich zuvor meinen Eltern erpreßte massiv auf die Nerven ging, fristete ab den 70ern ein Nischendasein und wurde von verschiedenen Abfüllern in Lizenz abgefüllt, aber kaum beworben. Sie war out, altbacken wie Muckefuck ein Kinder der Nachkriegszeit. Dann wurde die Marke von ein paar coolen Jungs aus Köln entdeckt und relauncht. Cooles Design, alle Werbemittel in schwarz, dazu ein deutlicher Hinweis auf den hohen Coffeingehalt, vertrieben in der Szene-Gastronomie und mit einem mehr oder weniger versteckten Hinweis auf härtere Drogen als Koffein.
Afri-Cola-Reklame aus den 80ern
Das Relaunch hat funktioniert und Afri-Cola wurde wieder zu einem Kultgetränk. Der Erfolg ließ dem Mineralbrunnen Überkingen das Wasser im Munde zusammenlaufen. Man kaufte die Marke (wie auch die Marke Bluna) und machte sie in kurzer Zeit kaputt. Man füllte sie nicht mehr exclusiv in die typische, griffige, geile 0,2 l-Afri-Cola-Flasche ab, sondern auch in die 0,7 Liter-Einheitsglasflasche der Mineralbrunnen. Man vermied schamhaft die Anspielung auf härtere Drogen, verringerte den Koffein-Gehalt und vertrieb dieses nunmehr total langweilige und für die Szene-Gastronomie uninteressante Produkt über den überaus biederen Aussendienst dieses überaus biederen Mineralbrunnen.

Es dauerte nicht lange und ein Kreis von Afri-Cola-Fans rebellierte, demonstrierte, verhandelte sogar mit dem Mineralbrunnen Überkingen und wollt ganz einfach ihre "alte", coole Afri-Cola wieder haben. Da der Brunnen uneinsichtig blieb, machten sich ein paar Fans unter Führung von Uwe Lübbermann daran, ein Produkt zu entwickeln und im Direktvertrieb, ausgehend von Hamburg, unter die Leute und Szene-Gastronomen zu bringen, das zwar nicht den Namen "Afri-Cola" tragen durfte, aber genauso cool ist wie Afri-Cola gewesen war. Dieses Cola heißt Premium-Cola.

Soweit die Vorgeschichte und jetzt lesen genießen Sie, wie die Marketingstrategen von Mineralbrunnen Überkingen Ihnen anläßlich der Intergastra 2006 verkaufen wollen, was Sie in den letzten Jahren dazu lernen mußten:
"Die kultigste Wiederbelebungsmaßnahme:

Die echte afri-cola ist zurück. Mit vollem Koffeingehalt. 25 Milligramm auf 100 Milliliter ? das ist die magische Formel, mit der afri-cola seine Fans begeistert. Der großzügige Koffeingehalt von afri-cola ist Kult. Wie die gesamte Marke. Deshalb wird afri-cola wieder nach Original-Rezept hergestellt. Eine Nachricht, die einem Hallo-wach-Effekt gleichkommt. Der neue/alte Inhalt ist für Cola-Freunde das Beste unter den koffeinhaltigen Brausen. Doch afri-cola bietet nicht nur kompromisslosen Cola-Genuss, afri-cola transportiert auch ein Lebensgefühl, abseits vom Mainstream: Berauschend, lebenslustig, unkonventionell, szenig, individualistisch ? eben kompromisslos anders.

Die Rezeptur von afri-cola ist streng geheim. Fest steht: Die deutsche Kult-Cola enthält ein Cola-Konzentrat, Zuckercouleur für das typische Tiefschwarz und natürlich Koffein. Doch das genaue Mischungsverhältnis der Inhaltsstoffe kennen nur wenige Eingeweihte. Aber eines wissen afri-cola-Fans ganz genau: In afri-cola steckt der volle Koffeingehalt. Die Wachmacherbrause wird nach acht Jahren wieder nach der traditionellen Rezeptur und mit erhöhtem Koffeingehalt hergestellt. Das bedeutet: 25 Milligramm Koffein auf 100 Milliliter Flüssigkeit. Ein anregendes Verhältnis, das auch die Marke afri-cola auf den Absatzmärkten neu beleben wird. "Der Mythos afri-cola lebt unter anderem von seiner klassischen Rezeptur", sagt Kay Maluche, Marketing Manager afri-cola der Mineralbrunnen Überkingen-Teinach AG, 'zu afri-cola gehört deshalb ein voller Koffeingehalt genauso wie die Palme auf dem Markenlogo.'

Premiere hat die neue afri-cola auf der Intergastra in Stuttgart. 2.000 Flaschen der Erstabfüllung wurden exklusiv nummeriert. Am 20.Februar öffnet Szenegänger Elton auf dem Messestand die Flasche mit der Nummer 1. Nicht nur für Elton, auch für alle anderen lifestylebewussten Konsumenten ist afri-cola die Ikone für Individualität und Anderssein. Das schwarze Original wird wie gehabt in der 0,2-Liter-Glasflasche vertrieben. Lebhaften Absatz findet die Flasche mit dem legendären Taillen-Design vor allem in der Gastronomie. Motto: Die Cola für harte Tage und lange Nächte. Bei Szenegängern wird die afri-cola nicht zuletzt wegen ihrer belebenden Wirkung geschätzt. Der Grund ist die magische Formel: "25mg auf 100ml". Anlass für den Relaunch der neuen/alten Rezeptur gab die Forderung zahlreicher afri-cola-Fans, die sich den klassischen Geschmack zurückwünschten. "Wir stehen den Wünschen unserer afri-cola-Fans aufgeschlossen gegenüber und haben uns deshalb entschlossen, afri-cola wieder nach der bewährten Rezeptur herzustellen", sagt Kay Maluche.

Im Lebensmitteleinzelhandel wird afri-cola in der 0,5-Liter-PET und der 1-Liter-PET-Cycle für Belebung im Convenience-Bereich und am POS sorgen."
(Quelle: Pressemitteilung von Mineralbrunnen Überkingen).

In diesem Zusammenhang greife ich einmal in die Mottenkiste. Lesen Sie was Oliver Bär über das Cluetrain-Manifest geschrieben hat: Baerentatze Nr. 2 Jahrgang 2. Ich zitiere in Auszügen:
"Sollten die Verfasser des Cluetrain-Manifests Recht behalten, blueht den Maerkten eine Umkehr der Machtverhaeltnisse...

In dieser veraenderten Landschaft liegen reizvolle Chancen fuer Anbieter, vorausgesetzt sie sind dem offenen Diskurs mit den Men- schen im Markt und im eigenen Unternehmen (!) gewachsen...

Offenheit bedeutet, laut Manifest, wahrhaftig aufzutreten, mit unverstellter Stimme und Bescheidenheit zu sprechen. Die Menschen honorieren das, sie fordern es sogar. Und sie setzen sich durch, indem sie sich Jenen zuwenden, die ihrem Wunsch entsprechen.

Wie koennte die Kehrtwende in der Werbung aussehen? Bisher hat der Anbieter seine Geschuetze auf die Zielgruppe abgefeuert. Stellen wir uns vor, die Werbeagenturen mutieren zu Anwaelten der Kunden. Dann werden die Anbieter fuer das Privileg bezahlen, von Communities ueberhaupt eingeladen zu werden...

Ich wuerde das nicht laenger ignorieren..."
Die Marketingverantwortlichen von Mineralbrunnen Überkingen hatten fast sechs Jahre Zeit, das zu lesen. Warum haben Sie es nicht getan?

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Kommentare:
das sind doch gute nachrichten, da kann man als gastronom durchaus was daraus machen. der ausendienstmitarbeiter in unserer region ist auf jeden fall nicht schlecht, da werde ich mir eine erneute zusammenarbeit überlegen!
 
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