Gastgewerbe Gedankensplitter


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Donnerstag, Februar 09, 2006

Google PrintAdsAuction.

Google hatte seine Ankündigung wahr gemacht und offeriert nunmehr die Möglichkeit, Anzeigen in Printmedien zu schalten (via Google's Blogs 'n More).

Das Verfahren "printadsauction" ist Teil von Google Adwords und dem Verfahren für Online-Anzeigen ähnlich. Wer inserieren möchte, beteiligt sich an einer Auktion:
  • Man meldet sich mit seinem Google-Adwords-Account an.
  • wählt ein Anzeigenformat aus.
  • wählt eine Ausgabe aus, in der man inserieren möchte.
  • macht ein Gebot.
Im Unterschied zum Verfahren bei Online-Anzeigen, wird jedoch der Inhalt der Anzeige erst danach spezifiert. Das ist auch vernünftig. Denn im Unterschied zu den Text-Online-Anzeigen ist der Entwurf von Anzeigen für Printmedien kostenintensiv und es kann sein, daß man gar nicht zum Zuge kommt.

Die erste Auktion läuft bis zum 20. Februar 2006. Es beteiligen sich bereits eine ganze Reihe von Zeitungen und Zeitschriften aus den Themenbereichen Automobile, Lifestyle und Technologie, so Martha Stewart Living und Martha Stewart Kids.

Wenn sich dieses Verfahren bewährt, könnten die Auswirkungen erheblich sein. Ich spekuliere einmal drauf los:
  • Das traditionelle Geschäftsmodell der Werbeagenturen, die heutzutage von den Agenturprovisionen der Medien (meist 15%) leben, gerät unter Druck. Das Koppelgeschäft - wir entwerfen kostenlos Anzeigen und verdienen an der Agenturprovision - wird zerschlagen und die Agenturen werden sich auf das eine oder das andere spezialisieren. Die Anzeigenprovisionen fließen stattdessen in die Taschen von Google und Anbietern, die nachziehen werden.
  • Inserenten werden die Medienauswahl und Ersteigerung von Insertionsplätzen selbst erledigen oder darauf spezialisierte Agenturen engagieren.
  • Die Insertionspreise werden nicht mehr einseitig von den Anbietern von Insertionsplätzen festgelegt, sondern es ergeben sich Marktpreise per Auktion. Inserenten sind weniger in Gefahr abgezockt zu werden, weil sie überhöhte Listenpreise zahlen und andere Inserenten Rabatte durchsetzen. Inserenten mit kleinen Budgets werden im Vergleich zu Inserenten mit grossen Budgets, die Rabatte durchsetzen können, nicht mehr so stark benachteiligt.
  • Die Kosten für den Verkauf von Anzeigenplätzen der Medien sinken, insbesondere weil die Kunden ihre Anzeigen selbständig einstellen können. Viele Mitarbeiter der Anzeigenabteilungen werden ihre Jobs verlieren. Der Rest wird sich darauf konzentrieren, Anzeigen an große Kunden wie bisher direkt zu verkaufen und kleinere Kunden zu animieren, sich an den Auktionen zu beteiligen.
  • Große Verlage werden versuchen, das Geschäft, Anzeigenplätze zu versteigern, selbst in die Hand zu nehmen und ähnliche Verfahren auf ihren eigenen Websites anzubieten, um sich die Provisionen an Google und Nachahmer zu ersparen. Eine ähnliche Entwicklung kann man bei Hotelbuchungen beobachten. Hotelketten setzen zunehmend darauf, ihre Gäste von den Buchungsportalen zu locken und zu Buchungen auf ihren eigenen Websites zu bewegen. Dazu gehört eine Best-Price-Garantie.
  • Die sinkenden Kosten für den Anzeigenvertrieb und die einfache Möglichkeit, an Inserenten zu kommen, erleichtern den Launch neuer Zeitungen und Zeitschriften. Es werden "virtuelle Zeitschriftenverlage" denkbar, bei denen die Acquise von Inseraten von Google Adwords übernommen wird, Druck und Vertrieb von darauf spezialisierten Dienstleistern und der Verlag sich auf die Erstellung oder den Zukauf redaktioneller Inhalte konzentriert.
  • Nicht zuletzt wird die starke Kopplung des Anzeigengeschäfts mit den redaktionellen Inhalten besonders bei Fachzeitschriften obsolet.