Gastgewerbe Gedankensplitter


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Freitag, März 31, 2006

Tarifautonomie.

Philipp Neumann hat den DGB-Bundesvorsitzenden Michael Sommer interviewt ("Man könnte auch noch Energie besteuern", in: Die Welt vom 31. März 2006). Der Sozialdemokrat sagt darin:
"Für die Industriegewerkschaften spielt der Mindestlohn keine große Rolle. Er spielt aber eine Rolle in Branchen, in denen sich die Arbeitgeber der Tarifautonomie entziehen, etwa im Gaststättengewerbe."
Und auf den Einwand, die Gewerkschaften würden es nicht schaffen, die Arbeitnehmer zu organisieren, sagt Sommer weiter:
"In den Dienstleistungsbranchen sind die Betriebe oft sehr klein. Sie wissen selbst, wie wenige Leute bei einem Friseur arbeiten. Die können Sie nicht flächendeckend organisieren. Oft haben die Leute auch Angst vor Auseinandersetzungen mit ihrem Arbeitgeber und gehen nicht in die Gewerkschaft. Aber noch einmal: Immer mehr Arbeitgeber entziehen sich dem Flächentarifvertrag."
Demgegenüber ist festzuhalten, daß die Tarifautonomie auch das Recht beinhaltet, sich dafür zu entscheiden, sich von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden nicht vertreten zu lassen, sondern selbstbewußt genug zu sein, für sich selbst zu sprechen und sich persönlich mit dem Vertragspartner zu einigen.

Die Formulierung "sich dem Flächentarifvertrag entziehen" erweckt den falschen Eindruck, sich von Dritten vertreten zu lassen, sei die Regel oder gar eine in irgendeiner Weise empfehlenswerte, moralische Norm. Ganz im Gegenteil: Wer sich von einem Dritten vertreten läßt, ist schwach und für einen Dienstleistungsberuf mit viel Kundenkontakt, bei dem es auch auf Selbstbewußtsein ankommt und man seinem Gegenüber in die Augen schauen können muß, nicht geeignet.