Gastgewerbe Gedankensplitter


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Donnerstag, April 06, 2006

Der Shop vom Shopblogger.

Neue Produkte und Dienstleistungen sollte man am besten im Dialog mit Stammgästen, wenn man sie denn hat, entwickeln. Hören Sie auf das, was Kunden wollen, und versuchen Sie, profitabel deren Wünsche zu erfüllen.

Björn Harste, der in Bremen selbständig einen Sparmarkt betreibt, und den unsere Stammleser von Anfang an als ShopBlogger kennen, hat sich - eher zögerlich oder sagen wir: nach reiflicher Überlegung - entschlossen, mit einem Shopbloggershop sein bislang rein stationäres Geschäft (Selbstbedienungsmarkt sowie Lieferservice im nahen Umkreis) um einen Internet-Versandhandel zu erweitern:
"Die Planungen zu (m)einem Onlineshop entstanden aus den Kommentaren dieses Blogs heraus. Vorgestellte Artikel wurden plötzlich nachgefragt, viele erkundigten sich, ob ich die Dinge auch verschicken würde. Polnische Süßwaren, Zotter-Schokolade und die englischen Spezialitäten, um nur ein paar davon zu nennen.

In den letzten Wochen haben wir intensiv am Shop gearbeitet. Das System ist osCommerce, eine freie Software, die aber (je nach Ausbaustufe) durchaus sehr mächtig sein kann. Der Shop ist noch lange nicht vollständig. Von den polnischen Süßwaren fehlen noch einige und ich habe vor, Bio-Markenprodukte anzubieten..."
Seine neuen Kunden sind bislang zwar keine Käufer gewesen, weil man nicht jedesmal von Konstanz, Bamberg oder Cottbus nach Bremen fahren will, um ein paar ausgefallene Produkte zu kaufen und dem ShopBlogger "Hallo" zu sagen. Aber sie waren dennoch regelmäßige, loyale Leser seines Blogs.

Kann dieser neue Online-Shop erfolgreich sein?
  • Die verwendete Shop-Software OsCommerce ist gut. Sie wird mit großer Zufriedenheit z.B. genutzt von der Landesvollzugsanstalt Nordrhein-Westfalen und die Klosterbrauerei Neuzelle. Man kann bei der Akademie.de einen Workshop darüber machen.
  • Der ShopBlogger hat als erfahrener Einzelhändler profunde Warenkenntnisse und weiß, was Kunden wünschen, wenn auch bislang nur an einem eher schwierigen Standort. Ob er auch die Präferenzen einer ganz anders gestrickten Klientel (regional, soziodemographisch) treffen wird?
  • Er hat vorerst keine besonderen logistischen Probleme. Online-Shops haben bislang entweder eigene Hallen zur Bestandshaltung und Kommissionierung ihres Online-Geschäfts eingesetzt (etwa: Schlecker), nur die Schnelldreher selbst bevorratet und den Rest selbst erst bestellt, wenn die Bestellung kundenseitig bereits eingangen ist (z.B. Amazon.de), die gesamte Logistik einem anderen überlassen (so wir in unserer Online-Fachbuchandlung als Partner von Amazon.de, Art.com u.a.) oder wie vermutlich es der ShopBlogger versuchen wird, die Kommissionierung im stationären Shop erledigt. Diese letzten Variante hat den Vorteil, daß keine fixen Kosten für die Vorratshaltung, Kommissionierung und Distribution anfallen. Ihr Nachteil ist, daß die variablen Kosten recht hoch sind; der zeitliche, personelle Aufwand ist hoch im Vergleich zu großen Anlagen, mit denen zumindest teilweise automatisch kommissioniert werden kann. Aber die Arbeiten im Laden sind überwiegend reaktiv und fallen unmittelbar an, wenn Kunden nachfragen. Die Online-Aufträge lassen sich zu Zeiten abwickeln, wenn im stationären Geschäft weniger los ist. Notfalls kann man die Zeiten nutzen, in denen das stationäre Geschäft durch Ladenschlußzeiten behindert ist.
  • Der Betrieb des Online-Geschäfts wird vermutlich nicht ohne Rückwirkung auf das stationäre Geschäft bleiben. Die Sortimente überlappen sich zwar, aber nur ein kleiner Teil des stationären Sortiments ist online interessant. Umgekehrt verlangt das Online-Geschäft ein sehr tiefes Sortiment, weil die Kunden online nach Spezialiäten verlangen, die sie vor ihrem Ort nicht bekommen. Zugleich muß das Sortiment breit sein, damit man genügend Artikel zusammenbekommt, um auf akzeptable Versandkosten zu kommen. Damit drängt ein erfolgreiches Online-Geschäft auf einen recht großen stationären Laden, wenn man aus ihm heraus online verkaufen will, wenn man sich nicht gerade auf kleinvolumige Artikel wie Zigarren (etwa: Cigarrenversand Weinig in Bamberg) kapriziert.
Auch als Gastronom kann man sich mit dem Online-Vertrieb von selbst hergestellten Produkten, Handelswaren oder Merchandising-Artikeln, die man ohnehin im Hause führt, ein zweites Standbein schaffen. Ein schönes Beispiel dafür ist der Online-Shop des Wiener Cafés Sacher.