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Sonntag, Mai 14, 2006

Ausstellung in Wien: Kuechenkunst und Tafelkultur - Kulinarische Zeugnisse aus acht Jahrhunderten.

Die Österreichische Nationalbibltiothek in Wien zeigt noch bis zum 31. Oktober 2006 in ihrem Prunksaal die Ausstellung "Küchenkunst & Tafelkultur" mit kulinarischen Zeugnissen aus ihren Beständen.

Es geht dabei natürlich vor allem um Bücher, insebesondere Kochbücher. Gezeigt werden aus der reichen Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek einige der ältesten und kostbarsten Exemplare.

Laut Angaben der Aussteller werden "diese aufschlussreichen kultur- und sozialgeschichtlichen Zeugnisse" erstmals in einer umfangreichen Ausstellung wissenschaftlich aufgearbeitet. Auch die vielfältigen Formen der Tafelkultur, die den Glanz von höfischen Banketten - neben den lukullischen Freuden - wesentlich mitbestimmten, werden beleuchtet.

Die ältesten Ausstellungsstücke wie das handgeschriebene und um 1400 datierte Kochbuch des Wiener Dorotheerklosters überraschen mit aus heutiger Sicht haarsträubenden Rezepten, bei denen auch gesundheitliche Aspekte berücksichtigt wurde. Aus der Zeit nach der Erfindung des Buchdrucks sind Kochbücher zu sehen wie die reich illustrierten Renaissance-Kochbücher des Papstkochs Bartolomeo Scappi oder des kurfürstlichen Hofkochs Marcus Rumpold.

Österreichische Kochbücher des 19. Jahrhunderts gewinnen aus deutscher Sicht ihren besonderen Reiz durch den Einfluß aus der böhmischen und ungarischen Küche.

Die Ausstellung behandelt wauch Sonderthemen wie das Spannungsverhältnis zwischen Diätetik und Kulinarik, den Wandel bei den Zutaten, die Kunst des Würzens und Konservierens sowie die Anfänge der Verschriftlichung der Kochkunst und die Speisenzubereitung unter religiöser und medizinischer Kontrolle (Diäten und Fasten).

Was Gastronomen besonders interessieren dürfte: Eigene Kapitel sind unter anderem auch der Küche als Arbeitsplatz, dem Wandel im Kücheninstrumentarium, der Küche als Schauplatz und Tatort (Stichwort: Vergiftungen) gewidmet und der repräsentativen Dimension des öffentlichen Mahls und Inszenierungen, wie auch Ritualen (Stichwort: Kunst des Tranchierens und Serviettenlegens).

In einer kleinen "kulinarischen Heimatkunde" wird ein Blick auf die Anfänge der Restaurantkultur in Österreich geworfen. Puppenküchen und Puppenkochbücher sind zu sehen, aber auch, wie sich die Armen-, Not- und Kriegsküche in den jeweiligen Kochbüchern widerspiegelt.

Abschließend wird der Einfluß der Globalisierung auf die Koch- und Essgewohnheiten des 20. Jahrhunderts beleuchtet. Stichworte hierfür sind chinesische und arabische Kochbücher, aber auch Survival- oder Comic-Kochbücher.

Auf der Website der Österreichischen Nationalbibltiohek kann man sich in einer Galerie Abbildungen der Höhepunkte der Ausstellung anschauen.

Zu dieser Ausstellung gibt es auch einen luxuriösen Katalog aus dem Brandstätter-Verlag: "Küchenkunst & Tafelkultur. Kulinarische Zeugnisse aus acht Jahrhunderten" von Hannes Etzlstorfer, dem Kurator der Ausstellung.

Siehe dazu auch einige Rezensionen der Ausstellung: