Gastgewerbe Gedankensplitter


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Samstag, Juni 17, 2006

Fester Redaktionsschluss und Lokalausgaben bei Internetzeitungen.

Mit der "Zukunft der Zeitungsverlage" steht es, vorsichtig formuliert, nicht zum Besten aus.

Deshalb spricht einiges dafür, wenn Uwe Knüpfer, der ehemalige Chefredakteur der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, eine Internet-Tageszeitung für das Ruhrgebiet starten will. Siehe dazu: "Ehemaliger WAZ-Chef startet Online-Zeitung", in: de.internet.com vom 16. Juni 2006.

Aber wie kann bloß man auf den Gedanken kommen, eine solche Zeitung nicht ständig zu aktualisieren, sobald neue Beiträge verfaßt oder redigiert worden sind? Die Begründung, so könne der Leser sich einmal täglich seine Zeitung ausdrucken, erscheint mir sehr weit hergeholt. Wenn ich Leser dieser Zeitung wäre, würde ich immer die aktuellste Ausgabe haben wollen und nicht auf neue Meldungen oder den neuesten Stand von Ereignissen verzichten wollen, nur um das zweifelhafte Vergnügen zu haben, eine genauso veraltete Ausgabe zu besitzen wie die anderen Leser. Die drucktechnisch bedingte Notwendigkeit eines festen Redaktionsschlusses auf ein völlig anderes Verfahren zu übertragen, erscheint mir schlichtweg nicht angemessen. Zumal auch Printzeitungen mitunter Ausnahmen machen und z.B. im Verlaufe der Produktion aktualisierte Ausgaben nachschieben oder gelegentlich den Redaktionsschluß verschieben.

Auch das Konzept der "Lokalausgaben" erscheint mir wenig durchdacht. Online kann man, weil keine Druck- und Logistikkosten anfallen, jedem Leser alle Ausgaben zur Verfügung stellen. Statt jedem Leser eine von der Zeitung festgelegte regionale Selektion zuzumuten, sollte man es dem Leser überlassen, welche Rubriken und regionale Ausgaben ihn interessieren. So gibt es z.B. Pendler, die sich für ihren Wohn- und ihren Arbeitsort interessieren, Studierende, die bezüglich ihres Studienortes und des Wohnorts ihrer Familie auf dem Laufenden bleiben wollen, oder Leser, die sich für mehrere "Verbreitungsgebiete" interessieren. Die Chancen, die das Internet insoweit bietet, werden durch ein technisch überholtes Konzept von Lokalausgaben verspielt.

Nun kann man einwenden, Leser seien für Zeitungen das Letzte. Es gelte allein, die Interessen von Anzeigenkunden zu anzusprechen, und diese seien noch in der Vorstellung von Lokalausgaben und festen Erscheinungstagen befangen. Das glaube ich nicht. Gerade wer online Anzeigen schaltet, kennt die Möglichkeiten, regionale Zielgruppen zu erreichen und pfeift auf jede vordergründige Regionalisierung von Lokalausgaben, deren Mittelpunkt und Grenzen er nicht bestimmen kann. Siehe dazu: "Regional Targeting mit Google Adwords".