Gastgewerbe Gedankensplitter


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Sonntag, August 20, 2006

Nutzung von Gaststaetten als Arbeitsplatz der Gaeste.

Alexander Greisle hat in seinem Blog work.innovation einige Gedanken zu modernen Konzepten nieder geschrieben, bei denen eine herkömmliche Büroarbeitsumgebung und eine herkömmliche Gaststätte (etwa ein Café) kombiniert werden. Stichwort: Café als Arbeitsort. Lesen Sie selbst: "Platz für mobile Arbeiter und Selbständige".

Auf ähnliche Vorstellungen bin ich bereits früher eingegangen: "Das Kaffeehaus als Buero".

Ein paar Anmerkungen zum Konzept von Alexander Greisle:
  • Ähnliche Dienstleistungen werden bereits angeboten. Hotels vermieten Veranstaltungsräume und damit zusammenhängende Produkte und Dienstleistungen. Die Verrechnung erfolgt meist teilweise raumbezogen (Miete), abhängig von den zur Verfügungen gestellten Geräten (etwa Mieten für Projektor), teilweise verbrauchsbezogen (Verbrauchsmaterialien, evtl. Strom usw.), teilweise abhängig von der Teilnehmerzahl (Tagungspauschale) oder auch in Form einer zusätzlichen Berechnung von bestellten Speisen und Getränken á la carte.
  • Auch einige Existenzgründungszentren erinnern an das Geisslersche Konzept. Sie bieten Seminarräume, Beratungs- und vielfältige Serviceleistungen, die von den Mietern und teilweise auch von Externen variabel genutzt werden können. Siehe etwa das Innovations- und Gründungszentrum Bamberg.
  • In eine ähnliche Richtung gehen die IHK-Firmenpools (Gemeinschaftsbüros), wie sie deutschen Unternehmen im Ausland zur Verfügung stehen. Siehe dazu: "IHK-Firmenpools: Gemeinschaftsbüros vom Baltikum bis Vietnam".
  • Die Besonderheit bei dem von Alexander Greisle skizzierten Modell besteht wohl darin, daß (auch) Einzelarbeitsplätze zur Verfügung gestellt werden und zwar variabel, etwa stunden- oder tagesweise, evtl. nach vorheriger Reservierung oder auch ohne, soweit Arbeitsplätze frei sind. Begleitend werden Produkte (wie Speisen) und Dienstleistungen (z.B. Ausdrucke und andere Bürodienstleistungen angeboten. So etwas bieten bereits bessere Internetcafés, denen aber meist darüber hinaus gehende Dienstleistungen wie Besprechungsräume, Spinde oder Schließfächer, um Unterlagen zu deponieren usw. fehlen, und die meist zu wenig Platz pro Arbeitsplatz bieten, etwa um Unterlagen ausbreiten zu können.
  • Die Probleme solcher Konzepte lassen sich ablesen aus den Besonderheiten und Schwierigkeiten etwa von Fitness-Studios oder Golfplätzen. Fitness-Studios müssen Räume, einen grossen Park an Fitnessgeräten und im Vergleich zur Gastronomie recht qualifiziertes Personal vorhalten. Golfplätze müssen erheblich in die Grundstücke investieren, den Platz pflegen und relativ qualifiziertes Personal vorhalten. Die sich daraus ergebenen Preise würden bei einer Verrechnung der reinen Zeit der Nutzung abschreckend hoch geraten. Deshalb werden meist verlangt:
    • Aufnahmegebühren
    • Gebühren, die davon abhängen, wie lange der Zeitraum ist, innerhalb dessen der Nutzer die Leistungen in Anspruch nehmen könnte (per anno oder Monat) und
    • weiteren Preise, die für bestimmte Produkte und Dienstleistungen fällig werden (etwa Kursgebühren, Speisen und Getränke an der Bar, Trainerstunden usw.).
  • Auch wenn man als Anbieter solcher Arbeitsplätze meines Erachtens zwingend auf Stammkunden, vertragliche Bindungen und damit mittelfristig gesicherte Einnahmen angewiesen ist, wird man wohl - wie dies auch Golfplätze und Fitness-Studios machen - zur Stammkundengewinnung oder zur zusätzliche Auslastung temporären Gästen einen temporären Zutritt gewehren und mit ihnen rein stundenweise abrechnen.

Kommentare:
Das Abrechnungsmodell lässt sich entsprechend gestalten. Wenn man mal die Miete auf die tatsächliche Nutzungsdauer umrechnet, dann wird es für den einzelnen Nutzer letztlich günstiger sein, als ein fixes Büro zu mieten, das man dann nur einen Bruchteil der Zeit nutzt.

Allerdings wird es sicher nicht im entsprechenden Verhältnis günstiger. Da kommen dann die Vorteile ins Spiel, die der Nutzer hat. (Allerdings habe ich lieber die umgekehrte Reihenfolge in der Argumentation: Mehrnutzen und _auch_ Kostenersparnis ;-)

Man mietet sich quasi kein Büro, sondern erwirbt das Recht einen ganzen Strauss an Arbeitsplätzen und Infrastruktur zu nutzen, die weit über das hinaus gehen, was diese Klientel ansonsten als Möglichkeit hat. Das wäre der zweitwichtigste Aspekt.

Der wichtigste wäre das Networking untereinander, das durch die offenen Strukturen quasi automatisch passiert. In den Gründer- und Technologiezentren und den Business-Clubs die ich kenne (und das sind einige), passiert das in aller Regel (nicht oder) nicht sehr ausgeprägt, da sich jeder seine "Zelle" mietet. Genau dieses Networking ist es aber, das neue Chancen und Geschäfte bringt und für den kleinen Unternehmer, quasi als Ersatz für die Kollegen in der Firma, neue Impulse bringt.

Ach, wieder viel zu lang für einen Kommentar ;-)
 
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