Gastgewerbe Gedankensplitter


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Donnerstag, September 28, 2006

Schilderwald.

In ihrem "Kommentar: Freie Wahl beim Rauch" schreibt Claudia Ehrenstein in der Welt vom 28. September 2006:
"Wie wäre es also, Gastwirte zu verpflichten, eine Entscheidung zu treffen? Bar, Eisdiele und Café, Stehbäckerei, Kneipe und Restaurant - all dies müsste deutlich als Betrieb entweder für Raucher oder für Nichtraucher ausgewiesen werden. Dann kann jeder Gast entscheiden, ob er zum Bier eine Zigarette rauchen oder das Glas Wein ohne Tabakqualm genießen will. Dann wird sich zeigen, wie groß die Nachfrage nach rauchfreien Kneipen ist. Wenn Nichtraucher tatsächlich nicht länger durch Qualm gestört werden wollen, wird sich die Gastronomie schnell darauf einstellen."
Ich gestehe, diesen Kommentar habe ich nicht verstanden. Ist damit gemeint, daß Raucher in einer als Nichtraucher-Gaststätte gekennzeichneten Gastststätte nicht rauchen dürfen und Nichtraucher in einer als Raucher-Gaststätte gekennzeichnetem Betrieb nicht rauchen müssen? Wenn ja, bliebe fast alles beim Alten, außer daß die Welt mit vielen, neuen Schildern "Rauchen erlaubt" verschönt würde. Oder will die Welt-Kommentatorin allen Ernstes, daß Nichtraucher, die eine Rauchergaststätte aufsuchen, dort rauchen müssen?

Um herauszufinden, wie groß die Nachfrage nach Nichtrauchergaststätten ist, braucht man kein neues Gesetz. Wie jedermann weiß, haben begeisterte Anhänger des Konzepts von Nichtrauchergaststätten in den letzten Jahren Hunderttausende neuer Nichtrauchergaststätten eröffnet und werden dort der Besuchermassen nicht mehr Herr...

Siehe auch: "Schall und Rauch" von Stefan Sauer, in: Kölner Stadtanzeiger vom 28. September 2006. Ein gemeinsamer Beschluß von Abgeordneten der SPD, Linkspartei und Grünen gegen die Stimmen einer Mehrheit von CDU/CSU stünde im Widerspruch zum Koalitionsvertrag und käme einer Aufkündigung der großen Koalition gleich.

Kommentare:
Genau so verbohrt gegen die Gastinteressen wie Herr der Autor sind 99% der Gastwirte in Deutschland.

60-65% der deutschen fordern ein Rauchverbot in Gaststätten, 70% fühlen sich vom Rauch belästigt, selbst viele Raucher.

Was bietet die Gastronomie? Ganze 400 (!) rauchfreie Lokale in Deutschland.

Selbst wenn in Ottos Kneipe 10 Nichtraucher kommen und wieder gehen wegen des Qualms wird Otto nie im Leben rauchfrei gehen wenn er auch nur einen rauchenden Stammgast hat. Er will nämlich alles beim alten lassen und den einen Gast nicht vor den Kopf stoßen, selbst wenn es die Pleite bedeutet weil eben der eine wichtiger sind als der Umsatz der Zehn.

Und da ist leider traurige Realität wo Gastronomen wie der Autor dieses Blogs lustig über eBooks und Farben von Interieur plaudern und was man sonst noch so für die Gäste tun könnte, gleichzeitig aber 60% der Bevölkerung Rauchfreiheit wollen, das aber auch diesem Autor am A*** vorbeigeht.

Sorry, dieser verbohrte Wiederstand gegen Gastinteressen ist einmalig.

Bei mir um die Ecke hat wieder eine Kneipe zugemacht. Der Wirte hatte zwar viel Qualm, aber nie den Anstand gemacht nichtrauchende Gäste anzusprechen. Jetzt ist er Pleite. Und das Gäste bei ihm mittels Einschreiben mit Rückschein um Rauchfreiheit betteln ist auch klar. Wenn er es nicht anbietet, kann es nicht genutzt werden.

60 Mio Nichtrauchern stehen 400 rauchfreie Lokale in Deutschland gegenüber: soviel zum deutschen "Gast"gewerbe. Auf dem einen Ohr Taub.
 
Begeisterte Nichtraucher gehen einfach nicht mehr/kaum noch in Gaststätten. Ich habe einen mich ausfüllenden Beruf. Ich liebe es, mich in ein Cafe zu setzen und Cappuchino und Tiramisu etc. zu geniessen.
Weil aber selbst das Eiscafe im Ort immer verraucht ist, habe ich das aufgegeben.
Meist bin ich zudem mit zwei Kindern unterwegs. Gern wuerde ich mit denen öfter mal essen gehen, aber sogar die Imbisse sind verqualmt, also greife ich eben zur TK-Pizza.
Ist es Dein Ernst, dass ich selbst Wirtin werden soll? Das ist ja Quatsch, ich bin halt einfach nur eine der vielen, die der Gastronomie verloren gingen...
Herzliche Grüße
Nicola Straub
 
Nein Nicola, für Herrn Schoolmann und alle anderen dt. Gastronomen bist du ein graues Tuch, bzw. existierst nicht. Auch die 60 Mio Nichtraucher gibt es garnicht.
 
Ja, das "Gast"gewerbe stellt sich Tod für die Wünsche nach Qualmfreien Gaststätten. Ich habe es auf dem Kundenblog-Buster auch schon beschrieben - selbst Raucher bevorzugen Nichtraucherplätze. Und, überall in Europa -sogar in Südeuropa- ist ein Rauchverbot eingeführt und es geht wunderbar; das Kneipensterben ist ausgeblieben! Was will die "gastronomie" denn eigentlich. Gibt es mal ein vernünftiges Argument?
 
Gegenfrage: Wieso braucht es ein Gesetz, wenn es im Interesse der Gastronomie waere, von sich aus ein Rauchverbot in ihren Betrieben auszusprechen oder rauchfreie Gaststaetten zu eroeffnen?

Das Verlangen nach einer gesetzlichen Gesetz macht ueberhaupt nur einen Sinn, wenn man annimmt, dass im Wettbewerb rauchfreie Gaststaetten schlechter besucht wuerden als Gaststaetten, in denen das Rauchen erlaubt ist. Ansonsten koennte man auf den Markt vertrauen.

Ein gesetzliches Verbot unterbindet gerade eine solche Wettbewerbssituation und schraenkt damit die Freiheit der Gastronomen, sich fuer oder gegen die Rauchfreiheit zu entscheiden, ein, aber auch die Freiheit von Rauchern und Nichtrauchern, welche Gaststtaetten sie den Vorzug gaeben.

Da es keine Marktzutrittsschranken fuer Nichtrauchergaststaetten gibt, ist die Tatsache, dass es kaum welche gibt, ein eindeutiges Indiz fuer die mangelnde Nachfrage nach solchen Gaststaetten. Glauben Sie wirklich Hundertausende von Gastronomen, die ansonsten alles Moegliche ausprobieren, um ihren Gaesten zu gefallen, wuerden auf die Chance neuer Gaeste verzichten?


Leider habe ich noch keinen einzigen verbalen Anhaenger einer rauchfreien Gastronomie gefunden, der bereit waere, sein eigenes Geld und Schicksal fuer diese Idee zu riskieren. Man muss ja nicht unbedingt selbst eine solche Gaststaette aufmachen. Man kann sich ja auch einen Gastronomen suchen, der bereit waere, gegen eine mit Bankbuergschaft unterlegtes Versprechen, fuer den Minderumsatz aufzukommen, bereit waere, das Experiment zu wagen.
 
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