Gastgewerbe Gedankensplitter


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Dienstag, Oktober 10, 2006

Brauerei-Marketing per Ueberschank.

Laut deutscher Eichordnung (PDF) dürfen in der Gastronomie nur Schankgefäße mit mit einem Nennvolumen von 1, 2, 4, 5 oder 10 Zentiliter beziehungsweise 0,1, 0,2, 0,25, 0,3, 0,4, 0,5, 1, 1,5, 2, 3, 4 oder 5 Litern verwendet werden. Ich halte dies für anachronistisch. Siehe dazu unseren Beitrag über "Ausschankmaße in der Gastronomie".

Bei der Auswahl von Gläsern sollten Gastronomen darauf achten, daß zwischen dem EichstrichFüllstrich und dem oberen Glasrand nicht mehr Platz ist als für das jeweilige Getränk sinnvoll. Ansonsten neigen Theker zum Überschank und Gäste empfinden ihre Gläser als schlecht gefüllt, auch wenn der EichstrichFüllstrich sie eigentlich eines Besseren belehren sollte.

In Belgien hat der marktbeherrschende belgische Brauereikonzern Inbev (vormals "Interbrew", der in Deutschland u.a. die Marke Beck's vertreibt), Gastronomen mit neuen Gläsern verärgert. Bei diesen 0,25 l-Gläsern ist mehr Platz zwischen dem EichstrichFüllstrich und dem Trinkrand als für eine schöne Schaumkrone erforderlich. Die belgischen Kollegen vermuten, Inbev wolle damit den Bierabsatz per Überschank ankurbeln und hat sich wegen dieses vermeintlichen Mißbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung beim Wettbewerbsrat beschwert: "Zehn Prozent gratis? Streit um größere Bier-Gläser in Belgiens Bierkneipen eskaliert", in: Networld (via Winzerblog vom 5. Oktober 2006).

Einen Kommentar dazu kann ich mir nicht verkneifen:
  • Ich habe schon diverse Konflikte mit Brauereien durchgestanden, die mir ihre gebrandeten Biergläser partout zu einem Preis verkaufen wollten, der nicht nur die Kosten für das Glas sondern auch für die Verzierung mit ihrer Brauereiwerbung deckt. Die Drohung, stattdessen neutrale Gläser zu verwenden, hat stets gewirkt. Am besten unterstützt man sie mit einem Angebot oder einer Preisliste über neutrale Biergläser und der Bereitschaft, maximal soviel dafür zu zahlen.

    Von solchen Auseinandersetzungen sind aber ohnehin meist nur Gastronomen betroffen mit einer Bierbezugsverpflichtung. Brauereifreien Gastronomen überschüttet man in der Regel mit Biergläsern - zumindest innerhalb vernünftiger Grenzen, d.h. bis zu einem Wert von ca. 8 Euro je Hektoliter.

  • Das beklagte Verhalten einer marktbeherrschenden Brauerei demonstriert, was auf die deutsche Gastronomie zukommt, wenn das Brauereisterben so weitergeht.

Kommentare:
Wenn man an jedem Glas einen Eichstrich hätte wäre das ein weiterer Kostenfaktor der Gastronomie. Richtig muss es hier heissen "Füllstrich".
Den einzigsten Eichstrich den ich an meiner Bar habe ist der des Messbechers.
 
Danke für den Hinweis. Sie haben Recht. Häufig wird dieser Strich zwar umgangssprachlich falsch als Eichstrich bezeichnet. Aber richtig ist: Füllstrich.
 
Im Zusammenhang mit dem Brauereisterben wäre es einmal interessant zu erfahren, ob in der deutschen Gastronomie sich ähnliche Tendenzen wie in U.K. anbahnen, sprich Gastrofranchising durch die Brauereien etc.

Bei den Kiosken in Deutschland (im Ruhrpott die Trinkhallen) nimmt der Einfluß von Lekkerland bereits erheblich zu. Ebenfalls verschwinden mehr und mehr die kleinen uabhängigen Zeitungskioske...
 
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