Gastgewerbe Gedankensplitter


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Samstag, Oktober 21, 2006

Web Zwei-Null und touristische Websites.

Jürgen Scharrer, Chefredaktor der angesehenen deutschen Fachzeitung "Touristik Report", meint in einem Beitrag seines Blattes vom 19. Oktober 2006, das Thema web2.0 werde in der Touristik maßlos überschätzt. Es sei ein Denkfehler zu glauben, ein Reiseportal sei dann erfolgreich, wenn es möglichst viele und möglichst ausgiebig chattende Mitglieder habe: "Heiße Luft um Web 2.0" (zitiert nach: Web2.0: Viel heiße Luft in der Touristik?", in: Touristik Blog vom 20. Oktober 2006.) Da ich den Artikel in der Printausgabe nicht gelesen habe, beziehe ich mich auf die im Touristik Blog gefundenen Zitate.

Man sollte, möchte ich entgegnen, zwischen zwei Typen von Websites unterscheiden:
  • transaktionsorientierte Sites, die voraussetzen, daß jeder Besucher zum Kaufen bereit ist und keinen Versuch unternehmen, eine anhaltende Kundenbindung zu schaffen.
  • beziehungsorientierte Sites, die versuchen, einen anhaltenden Kontakt zu den Kunden aufzubauen und lebenlang zu entwickeln.
Für transaktionsorientierte Websites ist es in der Tat entscheidend, wie schnell und sicher man dort die jeweilige Transaktion durchführen kann, z.B. buchen, übersetzen, kaufen. Bei beziehungs-orientierten Websites ist es aus der Sicht des Betreibers hingegen wichtig, daß der User möglichst häufig Kontakt aufnimmt, möglichst lange auf der Website verweilt, sie in den Kanon der Websites aufnimmt, die er regelmäßig besucht, einen Feed oder Newsletter abonniert usw. Siehe dazu auch meinen früheren Artikel über "Interaktivität und Flow".

Transaktionsorientierte und beziehungsorientierte Websites haben höchst unterschiedliche Geschäftsmodelle:
  • Die transaktionsorientierte Website lebt von der erfolgreichen Durchführung von Transaktionen.
  • Beziehungsorientierte Websites leben von Werbung und von Provisionen für die Vermittlung von Besuchern an transaktionsorientierte Sites.
Um es mit einem Bild aus der realen Welt zu verdeutlichen:
  • transaktionsorientiert: Ein Gastronom in der Bamberger Altstadt lebt davon, daß Gäste bei ihm Geld ausgeben. Wenn die Menschen seine historische Gaststätte nur bestaunen, vielleicht noch mit mitgebrachtem Eis und Leberkässemmeln den Boden verdrecken und bei ihm die Toiletten benutzen, kann er sich dafür nichts kaufen.
  • beziehungsorientiert: Das Stadtmarketing Bamberg hingegen hat die Aufgabe möglichst viele Besucher in die Stadt zu locken und zum langen Verweilen zu bewegen. Es finanziert sich durch Gelder, die von den Gastronomen und Einzelhändlern direkt oder über den kommunalen Haushalt aufgebracht werden.
Natürlich gibt es in der realen Welt wie online auch Mischformen: Der Bamberger Tourismus & Kongress Service bietet nicht nur kostenlose Inhalte und lenkt Besucher kostenlos zu anderen Anbietern, sondern verkauft auch selbst Stadtführungen und vermittelt Dienstleistungen, etwa Übernachtungen. Deshalb muß der transaktionsorientierte Teil seiner Website schnell und reibungslos funktionieren, der beziehungsorientierte Teil seiner Website hingegen sollte den Besucher mit Inhalten fesseln.

Kommentare:
Wer mehr über das Thema Web2.0 und den Bezug zum Tourismus erfahren möchte, kann sich mal den Blog http://tourismus-weblog.fh-heilbronn.de/web2.0/ anschauen. Dort findet sich allerlei Basiswissen und auch viele kritische Artikel.
 
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