Gastgewerbe Gedankensplitter



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Donnerstag, November 02, 2006

Gruscheln im StudiVZ.

Vor Jahren habe ich mich bereits ein wenig über "Virtuelle Communities" ausgelassen. In den letzten Wochen bin ich vor allem durch Robert Basic auf StudiVZ aufmerksam geworden (siehe dazu Robert Basics kritischen Beitrag "Das Wachstumsgeheimnis von StudiVZ"). StudiVZ ist ein deutsches Me-Too des erfolgreichen amerikanischen Vorbilds Facebook, eine Community für Studenten, Schüler, die studieren wollen, und Alumni (ehemalige Studierende). Siehe dazu: "StudiVZ: Europas größtes Studentennetzwerk", in: Netzwelt vom 18. September 2006.

Zugleich habe ich mitbekommen, dass diese virtuelle Community bei einem großen Teil unserer studentischen MitarbeiterInnen häufiges Gesprächsthema ist. Es ist fast schon Standard, dort anzubaggern und angebaggert zu werden oder, wenn man im wirklichen Leben jemand kennenlernt, erst mal nachzuschauen, was er denn so treibt, wen er kennt, ob man gemeinsame Freunde hat usw.

Heute habe ich mich studienhalber einmal dort angemeldet und mich ein wenig umgeschaut. Dabei ist mir zugleich ein Fauxpas passiert. Man hat die Option, sich anonym Seiten der anderen Mitglieder anzuschauen. Aber das habe ich zu spät bemerkt. Es passiert, was passieren muß. Meine Besuche auf den Seiten unserer Mitarbeiter werden sogleich entdeckt und ich werde sofort "gegruschelt". Das tut nicht weh, sondern ist eine Abkürzung für "grabschen" und "kuscheln". Siehe dazu: "Gruscheln reloaded". Anders ausgerückt: eine nicht mit weiteren Inhalten angereicherte Nachricht, die so etwas bedeutet wie "Ich mag Dich" oder "Ich kenn Dich doch irgendwoher".

Im Vergleich zu Xing (OpenBC), wo ich standesgemäß eher hineinpasse (von dem Kalauer mal abgesehen, dass ich in keiner virtuellen Community Mitglied sein möchte, wo Leute wie ich aufgenommen werden) ist mir aufgefallen:
  • Die Bereitschaft, um nicht zu sagen die Naivität der Kommunarden, persönliche Details praktisch jedermann offen zu legen, ist noch größer als in Xing, vielleicht weil man im Kreise der studentischen Kommunarden das Gefühl hat, auf dem Campus, unter sich zu sein.
  • Xing lebt von der Illusion, man fände Kontakt zu Entscheidungsträgern. Die werden sich aber hüten, auf die Einlaßkontrolle einer abwimmelnden Sekretärin zu verzichten, so daß sich hier eher mittlere Manager und Leute, die einem Versicherungen andrehen wollen, herumtreiben. Wenn dies auch so im StudiVZ wäre, würden die wirklich hübschen Mädels und Jungs fehlen. Doch hier sind viele Partylöwen vertreten.
Gastronomen insbesondere in Universitätsstädten sollten sich StudiVZ anschauen:
  • Mir ist z.B. bis heute nicht bekannt gewesen, daß es dort sogar eine Gruppe gibt, in der ehemalige und aktuelle Mitarbeiter unseres Café Abseits menscheln. Das Bild einer Gaststätte bei Kunden und Bewerbern kann dadurch mit geprägt werden. Das ist in etwa so, als ob, wenn Ihre Mitarbeiter zusammensitzen, jemand mitschreibt und jedes intime Detail in einer Zeitung veröffentlicht. Eventuell sollte man sich sogar Sprachregelungen für Mitarbeiter überlegen.

Gruppe Abseits in StudiVZ

  • Zugleich eröffnet StudiVZ Chancen, zu erkunden, was in konkurrierenden Betrieben los ist.
  • Man kann bei studentischen Bewerbern um Jobs in StudiVZ viel mehr über diese erfahren, als die meisten freiwillig in Bewerbungsunterlagen oder Bewerbungsgesprächen ausplaudern würden. Inbesondere erfährt man vieles über Umfang und Qualität des Bekanntenkreises und damit über die Fähigkeit von Mitarbeitern, neue Gäste zu ziehen. Siehe dazu: "Personalauswahl in der Gastronomie: Persönlichkeitsmerkmale und Anforderungsprofile".
  • Meines Wissens noch überhaupt nicht genutzt, wird die Möglichkeit, aus den bekundeten Vorlieben der Studierenden, evtl. sogar regional oder nach Studienfächern differenziert, Analysen zu erstellen, z.B. welche Musik, welche Filme, Bücher usw. populär sind.
  • Die Community-Funktionen von StudiVZ lassen sich sogar zur Community-Bildung von Mitarbeitern und Gästen von gastronomischen Betrieben verwenden. Dies nutzt bereits das Restaurant Luise in Dahlem mit der Gruppe Restaurant Luise addicts. Meines Erachtens gehört dazu aber auch ein Link von der Website der Gaststätte zu dieser Gruppe in StudiVZ.
  • Nicht zuletzt bietet StudiVZ vermutlich in der Zukunft die Möglichkeit, sehr schmale Zielgrupppen genau anzusprechen, zumindest theoretisch, denn noch kann man dort keine Werbung schalten.
Konkurrierende Communities sind in Deutschland:Siehe auch einen interessanten Vergleich der virtuellen Communities Unister.de und StudiVZ.net von Andreas Dittes: "StudiVZ vs. Unister - Der Kampf um die Studenten" vom 25. August 2006.