Gastgewerbe Gedankensplitter


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Mittwoch, März 07, 2007

Spekulationsgeschaefte.

Das Konzept der Bierbörse ist seit 1992 auf dem Markt. In einer Bierbörse bestimmt der Gast durch seine Bestellung den Preis für die Getränke. In der Hauptsache wird mit verschiedenen Biersorten gehandelt. Bestellt nun ein Gast ein Bier einer bestimmten Sorte, dann wird diese Biersorte automatisch (in einem festgelegten Zeitraum) danach teurer. In gleichem Zuge wird dafür ein anderes Bier günstiger. Wir haben darüber früher schon mal etwas geschrieben "Bierboerse".

Meines Erachtens ist der Betrieb dieses Konzepts nicht ganz so trivial. Die Schwankungsbreite der Preise muß attraktiv sein, damit Gäste auch wirkliche Schnäppchen machen können. Und die Gaststätte, die ein solches System einsetzt, muß als solche attraktiv sein, um auch Stroßzeiten vorweisen zu können, in denen höhere Preise akzeptiert werden. Zudem ist es wie mit vielen Dingen in der Gastronomie, die auf Events und Ungewöhnliches setzen. Auf die Dauer wird es langweilig. Stammgäste fangen zu gähnen an. Man benötigt einen ständigen Strom neuer Gäste, die von dem vorher noch nie Gesehenem fasziniert sind, anders ausgedrückt: einen guten Standort und Geld für Werbung, um Gäste anzulocken.

Eine Abwandlung des Bierbörsen-Konzepts bieten die C'ASIA-Coffeeshops (via "Treffpunkt für (Hobby)Dealer" von Hannes Treichl):
  • Spekuliert wird auf schwankende Preise für eine Tasse Espresso. Bei der "Bierbörse" kann der Gastronom technisch gesehen alle Produkte einspeise).
  • Der Gast kann Anrechtsscheine für eine Tasse Espresso ("Coins") zu einem aktuellen Preis erwerben, der vom Welthandelspreis für Rohkaffee abhängt. Einlösen kann er diesen Gutschein zu einem beliebigen Zeitpunkt. Bei der "Bierbörse" hingegen bezieht sich der Spekulationspreis auf das Produkt selbst, etwa ein Glas oder eine Flasche Bier.
  • Die betriebswirtschaftlichen Ziele beider Systeme sind höchst unterschiedlich. Die "Bierbörse" (und vergleichbare Systeme) dient der kurzfristigen Verkaufsförderung und erinnnert an Verkaufsförderungsaktionen wie "Happy Hour". Die im Tagesablauf schwankende Nachfrage soll gleichmäßiger verteilt werden. Das Konzept der Espresso-Gutscheine fördert hingegen die Stammkundenbindung. Gäste erhalten Gelegenheit, Espresso-Gutscheine für sich selbst und Freunde preisgünstig zu beschaffen.
  • Beide Konzepte hoffen auf Mundpropganda, daß Gäste anderen Menschen darüber erzählen.
Details über das Konzept der C'Asia-Coffeeshops finden Sie in deren Pressemitteilung "C´ASIA: Thai-Espresso in Karlsruhe zu Tagespreisen".

Wenn Sie diese Idee auf Ihren Betrieb übertragen wollen, können Sie variieren:
  • das Produkt, für den ein Gutschein erworben werden kann. Es sollte einerseits typisch für Ihr Konzept sein und von einer besseren Qualität als bei anderen Anbietern.
  • wie der Gutschein aussieht. Bei Bier könnten Sie z.B. einen eigens dafür hergestellten Bierdeckel als Gutschein ausgeben. Zugegeben: Bierdeckel sind bei kleinen Auflagen teuer. Aber sie sind zugleich für Sammler attraktiv. Mehr Geld als mit einem nicht eingelösten Bierdeckel-Gutschein können Sie nicht verdienen. Zugleich sind Bierdeckel schwer nachzumachen.
  • wovon der Preis abhängt. Diese Information sollte eindeutig sein und von jedem überprüfbar, z.B. in der Zeitung stehen wie der DAX-Schlußkurs vom letzten Börstentag, und einen thematischen Bezug haben zum Produkt oder zu Ihrem Konzept.
  • Der Preis sollte eine nicht zu geringe Schwankungsbreite haben, um das Interesse zu wecken.
  • Das Produkt sollte etwas sein, was zusätzlich konsumiert wird (ein Schnaps, ein Espresso, eine Vorspeise, ein Dessert), damit Sie Ihre Cash Cows nicht verschleudern.