Gastgewerbe Gedankensplitter



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Mittwoch, Mai 23, 2007

Der Gastronom als Supernanny.

Zum 1. April 2003 (der Gesetzgeber scheint eine besondere Vorliebe gerade für dieses Datum zu entwickeln!) wurde das Jugendschutzgesetz reformiert, dem antiautoritäten rot-grünen Zeitgeist verhaftet, Jugendlichen möglichst viele Freiräume einzuräumen. In Paragraph 2 Absatz 1 heißt es:
"(1) Soweit es nach diesem Gesetz auf die Begleitung durch eine erziehungsbeauftragte Person ankommt, haben die in § 1 Abs. 1 Nr. 4 genannten Personen ihre Berechtigung auf Verlangen darzulegen. Veranstalter und Gewerbetreibende haben in Zweifelsfällen die Berechtigung zu überprüfen."
Daß diese Regelung einem Mißbrauch Tür und Tor öffnet war und ist dem Gesetzgeber und der Bundesregierung bekannt. In einer aktuellen Broschüre ("Jugendschutzgesetz und Jugendmedienschutz-Staatsvertrag der Länder" (PDF) des Bundesministeriums für Jugend heißt es:
"Eine Darlegungspflicht ist in Abs. 1 nur für Erziehungsbeauftragte besonders geregelt. Die Möglichkeit ist freilich nicht von der Hand zu weisen, dass irgendeine volljährige Person sich als erziehungsbeauftragt bezeichnet, um dadurch bekannten oder befreundeten Mädchen und Jungen den Zutritt zu Gaststätten oder Veranstaltungen zu ermöglichen. Wer angibt, erziehungsbeauftragt zu sein, muss im Einzelnen angeben können, wann, wie und für welche Aufgaben er von wem (dem Vater, der Mutter, von beiden?) den Auftrag erhalten hat. Wenn Anlass zu wesentlichen Zweifeln besteht, ist der Gastwirt oder der Veranstalter (oder die von ihm damit beauftragte Person) verpflichtet, die Angaben zu überprüfen, z. B. durch Anruf bei den Eltern. Können vernünftige Zweifel nicht ausgeräumt werden, darf der Gastwirt oder Veranstalter die jungen Menschen nicht anders behandeln, als wenn sie unbegleitet wären."
Offensichtlich hat, wer so etwas formuliert, noch nie in einer Schlange vor einer Diskothek gestanden oder gar als Türsteher gearbeitet. Es ist gelinde gesagt, eine Unveschämtheit der Politik, sich gegenüber Jugendlichen generös zu zeigen, um sich bei den Jungwählern einzuschleimen, und die Drecksarbeit der Gastronomie zu überlassen. Dies muß schief gehen. Und wenn es schief gegangen ist, haut man zu schlechter Letzt noch auf die Gastronomie ein. Siehe dazu einen Beitrag von TV Oberfranken vom 22. Mai 2007: "Jugendschutzkontrollen im Landkreis Bamberg". Darin heißt es:
"Von der Polizeiinspektion Bamberg-Land und dem Kreisjugendamt wird darauf hingewiesen, dass die erziehungsbeauftragte Person eine altersentsprechende Beaufsichtigungsperson sein muss, die zur Gefahrenabwehr auch ein gewisses Autoritätsverhältnis zum Jugendlichen haben muss. Ausgeschlossen ist deshalb z.B. der volljährige Freund, da hier ein Autoritätsprinzip nicht greifen kann. Die Begleitperson sollte den Erziehungsauftrag im übrigen nicht nur als bloße Begleitung verstehen, sondern durchaus auch Erziehungsaufgaben wahrnehmen und genügend eigene Reife besitzen, um dem jungen Menschen Grenzen setzen zu können (z.B. Alkohol, Rauchen). Deshalb muss die erziehungsbeauftragte Person auch während des gesamten Aufenthaltes des Jugendlichen bei der Veranstaltung anwesend sein."
Ein Gastronom bzw. ein von ihm beauftragter Mitarbeiter oder Sicherheitsdienst soll innerhalb von wenigen Sekunden beurteilen können:
  • ob ein ihr unbekannter Erwachsener ein "gewisses Autoritätsverhältnis" zum Jugendlichen hat, den er begleitet.
  • ob dieser Erwachsene in einem Liebesverhältnis zum betreffenden Jugendlichen steht.
  • ob der Erwachsene Erziehungsaufgaben wahrnimmt
  • ob der Erwachsene "genügend eigene Reife" besitzt, um dem "jungen Menschen" Grenzen setzen zu können
Zudem soll der Gastronom sicher stellen, daß dieser Erwachsene während des gesamten Aufenthaltes des Jugendlichen bei der Veranstaltung anwesend ist. Darf oder muß man den Jugendlichen und den begleitenden, erziehungsberechtigen Erwachsenen aneinander ketten?

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