Gastgewerbe Gedankensplitter



« Home | Russischer Kaffee. » | Bio-Boom in der Gastronomie. » | Starbucks Podcasts. » | Touristische Angebote fuer Bierliebhaber. » | Cocoa Bar, New York. » | Kaffeeblog - gesponsert von Darboven. » | Schneider Weisse Weblog. » | Convenience-Torten, -Kuchen und -Strudel. » | Der Kanzlerkandidat als Waschlappen. » | Laden im Viertel. »


Sonntag, Mai 20, 2007

Dynamik im europaeischen Getraenkemarkt.

Gut 1.400 Austeller von Getränke-Rohstoffen, Technologie, Logistik und entsprechender Vermarktungsideen laden die europäische Getränkewirtschaft vom 14. bis 16. November zur BRAU Beviale 2007 ins Messezentrum Nürnberg ein. Die über 36.000 Fachleute erwartet der international hochkarätigste Branchentreff des Jahres, der Weltmarkt für industrielle Getränkeabfüllung. Im Mittelpunkt der drei turbulenten Messetage steht wie stets das umfassende Fachangebot der ausstellenden Unternehmen. Doch bietet die BRAU Beviale 2007 auch zusätzliches Know-how, zum Beispiel rund um das heiße Thema Energie: von der Erzeugung über Einkauf, regenerative Energien, Sparpotenziale, Rückgewinnung bis zum Emissionshandel. Der Themenpavillon Energie wird von der NürnbergMesse in bewährter Zusammenarbeit mit der VLB, Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei Berlin, organisiert.

Der European Beer Star wird auch 2007 erstrahlen. Im letzten Jahr bewarben sich 440 Biere aus aller Welt um die begehrte Auszeichnung, die von den Privaten Brauereien Bayern, ideeller Träger der Messe, gemeinsam mit dem deutschen und europäischen Dachverband ins Leben gerufen wurde. Unter den Goldmedaillen-Bieren küren die Messegäste ihren Consumers‘ Favourite, der dann auf dem BRAU Beviale-Abend – neu: diesmal am Donnerstag! – verliehen wird. Bereits am Vortag der BRAU Beviale (13.11.) lädt die Akademie Fresenius Getränkehersteller und Zulieferer zum internationalen Kompaktseminar "The Essence of Aseptic Filling" ein.

Auf ein Glas ins Café Europa
"Europa ist wesentlich aus dem Geist der Kaffeehäuser geboren"
behauptet der Philosoph und Kritiker George Steiner (geb. 23.04.1929, Paris). Wer sich auf die Suche nach den Wurzeln der "europäischen Idee" begibt, einer Melange aus den Idealen der Freiheit, Vielfalt und Einheit, kommt unweigerlich ins Kaffeehaus. Hier saß und sitzt man beisammen, bespricht die Weltlage im Allgemeinen und die Geschäfte im Besonderen. Egal, wie zersplittert und uneinheitlich die europäische Landkarte auch war, Cafés boten ein respektables Forum für Verabredungen und Verschwörungen, für intellektuelle Debatten und Klatsch. Das Wiener "Café Central" (gegr. 1860), das Pariser "Les Deux Magots" (1885), das venezianische "Caffè Florian" (1720), das Prager "Café Slavia" (1800) und nicht zu vergessen das Leipziger "Zum Arabischen Coffe Baum" (1711) wurden berühmt als Orte der politischen Kommunikation sowie der "exquisiten" Konsumation. Man mag es bedauern, dass die europäischen Kaffeehäuser ihre politisch aufklärerische Funktion als bürgerlicher Debattierclub eingebüßt haben und nur noch als Gastronomiebetriebe fungieren... Über die Epochen hinweg war die Getränkekarte der Cafés Abbild des jeweiligen Getränkemarktes. Alle kommerziell produzierten Getränke fanden sich darauf: Heißgetränke, alkoholfreie Getränke, Bier, Wein, und Spirituosen.

Insofern können Cafés unmittelbar Aufschluss darüber liefern, wie sich der Getränkekonsum in Europa entwickelt. Und der entwickelt sich gar nicht schlecht – trotz der viel beklagten Stagnation in den reifen Märkten Westeuropas. Wohlgemerkt, geringes oder selbst Nullwachstum sind nicht gleichzusetzen mit Stillstand. So ist in den einzelnen Getränkekategorien, in den einzelnen Segmenten und selbstverständlich auch in den einzelnen Märkten sehr viel Dynamik zu spüren – was die BRAU Beviale als europäisches Forum der Getränkewirtschaft unmittelbar registriert.

Rasantes Wachstum des globalen Getränkekonsums

Nach Erhebungen der britischen Marktforscher von Canadean, ist der Verbrauch an "commercial beverages" (d.h. ohne Hausgetränke und Leitungswasser) in Nordamerika am höchsten – über 600 l pro Kopf/Jahr. Trotz eines vergleichsweise geringen Konsums an Wein und Spirituosen konnten die Amerikaner ihre Spitzenreiterrolle verteidigen. Das verdanken sie nicht zuletzt dem weltweit höchsten Konsum an Erfrischungsgetränken. West- bzw. Osteuropäer rangieren, was den Verbrauch von Heißgetränken, alkoholfreien Getränken, Bier, Wein und Spirituosen anbelangt, an dritter bzw. vierter Stelle.

Für die kommenden sechs Jahre (bis 2012) prognostiziert Canadean ein globales Konsumwachstum von 18 %, an dem, mit Ausnahme Afrikas, alle Marktregionen partizipieren werden. Der Großteil des Konsumwachstums wird auf Rechnung der alkoholfreien Getränke gehen. Unternehmen, die Wässer in ihrem Portfolio haben, dürfen sich demnach die Hände reiben. Allein das Segment der Wässer wird bis 2012 über 40 % Zuwachs verzeichnen. Selbst der weltweite Durst auf Erfrischungsgetränke soll sich insgesamt positiv entwickeln, wenngleich er in Nordamerika etwas rückläufig sein wird.

Kommt die Rede auf Bier, spricht alle Welt seit einigen Jahren nur noch von China. Trotz des anhaltend steigenden Absatzes von Bier in China (2006: +9,8 %) sind es aber die Heißgetränke, insbesondere Tee- und Teegetränke, die entscheidend dazu beitragen, dass der Konsum von kommerziell produzierten Getränken in Asien in den kommenden Jahren wächst. Schon heute hat Tee in Asien mehr als 30 % Anteil am Gesamt-Getränkeverbrauch.

Der europäische Getränkemarkt – in Vielfalt vereint

Die Konvention der Marktforscher, den europäischen Markt zweizuteilen in einen west- und einen osteuropäischen, ist nicht ihrem Unwillen zuzuschreiben, politische Umwälzungen zu akzeptieren, sondern entspringt empirisch belegbarer Erkenntnis: Nach wie vor sind große Unterschiede in Europa festzustellen, was den Getränkekonsum anbelangt. Allerdings hat auch diese Zweiteilung ihre Tücken. Etwa im Hinblick auf den Konsum von Bier kaschiert sie eine ebenfalls vorhandene Nord-Süd-Teilung Europas.

Für 2006 weist Canadean ein Wachstum von einem Prozent in den Biermärkten Westeuropas aus, während in Osteuropa ein Wachstum von 3,7 % notiert wurde. Entscheidend beigetragen hat Russland mit einem Plus von 2,4 %. Damit dürften die Tage des sprunghaften Volumenanstiegs in Russland vorüber sein, wie übrigens in den meisten anderen Ländern der Marktregion Osteuropas. Mit über 90 Mio. hl Bierkonsum ist Russland der größte Markt vor Polen (30 Mio. hl) und der Ukraine (21 Mio. hl).

Betrachtet man innerhalb der Marktregion Westeuropas einzelne Länder, so stellt man fest, in Spanien ist der Bierkonsum 2006 um 2,9 % angestiegen. Auch in Italien und Portugal kletterte er etwas nach oben. Das scheint die These zu untermauern, dass der europäische Biermarkt ebenfalls entlang einer Nord-Süd-Achse geteilt ist: in einen stagnierenden und mittelfristig fallenden nordeuropäischen, zu dessen Verlierern Deutschland, Schweden und Dänemark zählen, und einen etwas dynamischeren südeuropäischen.

Im Ranking der zehn trinkfreudigsten Länder haben sich diese Entwicklungen freilich noch nicht bemerkbar gemacht. Nach wie vor sind die Tschechen, was den Pro-Kopf-Verbrauch von Bier betrifft, weltweit Nummer 1 mit 159 l und verteidigen damit ihren seit Jahrzehnten angestammten Platz. An zweiter Stelle findet man die Iren (133 l), gefolgt von Deutschen (115 l), Österreichern (111 l) und Briten (96 l). An sechster Stelle liegen die Esten (94 l), deren Verbrauch binnen eines Jahres von 82 auf 94 Liter kletterte, vor Belgiern und Litauern (beide 91 l), Finnen (88 l) und Dänen (87 l).

Der europäische Biermarkt präsentiert sich als höchst heterogene Zusammenschau von Einzelmärkten. Das liegt u. a. daran, dass der Bierkonsum erfahrungsgemäß von Faktoren beeinträchtigt wird, auf die die Brauer in ihren jeweiligen Märkten selbst keinen Einfluss nehmen können. Dazu zählen etwa die wirtschaftliche Lage, Eingriffe von Seiten der Regierung, um den Alkoholkonsum zu beschränken, ungünstige demographische Entwicklungen oder auch das Wetter.

Für die Brauer mag es ein schwacher Trost sein, aber im Unterschied zum Biermarkt erweist sich der europäische Markt für alkoholfreie Getränke als weitaus uneinheitlicher. Mit anderen Worten: Die für Gesamteuropa ermittelten Werte sind in der Tat nur Durchschnittswerte, da die Konsumunterschiede zwischen West- und Osteuropa erheblich sind. Für Westeuropa ermittelten die Marktbeobachter von WILD, Heidelberg, 2006 einen Gesamtverbrauch an alkoholfreien Getränken (ohne Haus- und Heißgetränke) von 247 l pro Kopf. In Osteuropa lag der Wert bei 101 l pro Kopf, der europäische Durchschnitt demzufolge bei 175 l. Rein rechnerisch betrachtet hat dieser Wert seine Richtigkeit. Doch für eine realitätsnahe Betrachtung des Marktes ist er leider völlig unbrauchbar.

Stellt man die einzelnen Getränkesegmente einander gegenüber, so stechen einem die Diskrepanzen zwischen West- und Osteuropa sofort ins Auge. 112 l Wasser pro Kopf (West) gegenüber 34 l (Ost). 75 l Erfrischungsgetränke (West) gegenüber 42 l (Ost). 26 l Säfte und Nektare (West) gegenüber 14 l (Ost). In gleicher Weise könnte man fortfahren, bis man auf das Segment "Fruchtpulver" stößt: Hier liegt Osteuropa vorn mit einem Liter pro Kopf, während diese Spalte in Westeuropa leer bleibt.

Anders sieht es aus bei den Sport- und Energiegetränken, die in den vergangenen sieben Jahren auf dem westeuropäischen Markt für erfreuliches, weil margenstarkes Wachstum sorgten. Zwischen 2000 und 2006 hat sich der Pro-Kopf-Konsum dieser Getränke verdoppelt: von 2 auf 4 l. In Osteuropa hingegen ist dieses Segment noch relativ unbekannt. Die abgesetzten Mengen bewegen sind so gering, dass die Umrechnung in die üblichen Liter pro Kopf noch bei null liegt.

Die Zweiteilung des europäischen Marktes für alkoholfreie Getränke ist aber immer noch viel zu unspezifisch, um daraus detaillierte Aussagen über den Status Quo ableiten zu können. Bestes Beispiel dafür ist das Segment "Säfte und Nektare" in Westeuropa. Hier stellten die Marktbeobachter von WILD zwischen 2000 und 2006 einen Konsumzuwachs von 24 auf 26 l fest. Ein recht erfreuliches Ergebnis, würde es nicht dadurch getrübt, dass der Saftkonsum seit 2003 stagniert.

Steigende Preise für das Konzentrat haben sicherlich zu dieser Entwicklung beigetragen. Weitaus stärker wurde der Markt jedoch durch den Konsumrückgang in Deutschland in Mitleidenschaft gezogen: Der sank 2003 bis 2006 von 46,6 auf unter 40 l. Allein vergangenes Jahr schrumpfte der Absatz an Fruchtsäften in Deutschland, laut Canadean, um 7 %. Die Auswirkungen auf den westeuropäischen wie den globalen Markt sind weitreichend. So weitreichend, dass Canadean für die kommenden Jahre dem Saftkonsum in Westeuropa nur ein Wachstum von 0,4 % jährlich zuweist – und Deutschland daran Schuld gibt. Deutschland hat weltweit den höchsten Pro-Kopf-Konsum bei Fruchtsäften. Dadurch ist Westeuropa international gesehen der zweitwichtigste Markt für Fruchtsäfte, zu dessen Absatz Deutschland allein ein Drittel beiträgt. Je häufiger die deutschen Konsumenten zu flavorisierten Wässern statt zu Fruchtsäften greifen, umso spürbarer sind die Konsequenzen – und nicht nur für die deutschen Safthersteller, sondern für die Kategorie insgesamt.

Ob bei Bier, Wasser oder Säften - in anderen Marktregionen dieser Welt mögen die Entwicklungen eindeutiger verlaufen als in Europa und zudem auch nur in eine Richtung – nach oben. Doch der Genius Europas lag schon immer in dem, was der englische Künstler William Blake (1757-1827) "the minute particular" nannte, das "klitzekleine Besondere". Europa ist das klitzekleine Besondere in zigfacher Ausfertigung. Wer sich mit Europa beschäftigt, muss sehr genau hinschauen – auch beim Getränkekonsum im Café Europa.

(Quelle: Pressemitteilung der Nürnberg Messe).

Labels: , , ,