Gastgewerbe Gedankensplitter



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Dienstag, Juli 10, 2007

BRAU Beviale laedt zum europaeischen Branchentreff.

Vom 14. bis 16. November 2007 ist Nürnberg wieder das Mekka der europäischen Getränkewirtschaft. Mit gut 1.400 Ausstellern und über 36.000 Besuchern lädt die BRAU Beviale zum Branchenfest und präsentiert in den Segmenten Rohstoffe, Technologien, Logistik und Marketing ihr anerkannt umfassendes Angebot rund um Getränkeproduktion und Vermarktung. Selbstverständlich geht es auf der in diesem Jahr wichtigsten Messe der Branche in erster Linie um Marktorientierung, Neuheiten, Einfluss auf Produktentwicklungen, eben um die Vorbereitung von Investitionsentscheidungen. Doch pflegt die "BRAU Beviale-Community" auch eine heute eher seltene Eigenschaft: Sie nimmt sich Zeit füreinander, für ein gutes Gespräch, um Kontakte lebendig zu halten, Erfahrungen auszutauschen, den Wettbewerb zu beobachten.

Von dieser Besonderheit profitiert auch der European Beer Star 2007, der unverfälschte, charaktervolle und qualitativ hochwertige Biere würdigt. Mit Sachverstand und Vergnügen nehmen sich Aussteller wie Besucher gern am ersten Messetag eine genussvolle Auszeit zur Degustation internationaler Goldmedaillen-Biere, um ihren Consumers' Favourite zu küren. Diese Ehrung wird dann auf dem BRAU Beviale-Abend – neu: diesmal am Donnerstag! – verliehen. Im letzten Jahr bewarben sich 440 Biere aus aller Welt um die begehrte Auszeichnung, die von den Privaten Brauereien Bayern, ideeller Träger der Messe, gemeinsam mit dem deutschen und europäischen Dachverband ins Leben gerufen wurde.

The European way of life oder was ist europäisch an Europa?

Innerhalb des Kontinents werden immer wieder Zweifel am Sinn der Europäischen Union laut. Der Rest der Welt sieht das anders. Nie war Europa so attraktiv wie im 50. Jahr der Unterzeichnung der Römischen Verträge. Man frage nur all die Beitrittswilligen – von der Türkei über Georgien, die Ukraine bis hin zu den Ländern des Balkans.

Was Europa für Außenstehende so anziehend macht, ist der "European way of life". Dabei ist oft unklar, was man sich unter dem europäischen Lebensmodell vorzustellen habe – außer vielleicht, dass es sich vom "American way of life", der auf dem Prinzip der Freiheit und dem Streben nach Glück basiert, grundlegend unterscheidet. Will man den "European way of life" beschreiben, muss man ein wenig ausholen, wie etwa der ehemalige österreichische Staatssekretär Hans Winkler:
"Europa ist gekennzeichnet durch eine große Vielfalt, Stabilität, Sicherheit, eine intakte Umwelt, eine gesunde Landwirtschaft, solide Wirtschaft und soziale Gerechtigkeit. Wir können auf dieses Lebensmodell stolz sein. Wir müssen jedoch unsere Anstrengungen darauf richten die hohe Lebensqualität, die wir in Europa erreicht haben, nicht nur abzusichern, sondern auch weiterzuentwickeln."
Die deutsche Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel beantwortete die Frage nach dem European way of life prägnanter:
"Das kann ich in einem Wort zusammenfassen: Toleranz. Unser Modell in Europa zielt auf Ausgleich und Gemeinsamkeit."
Ihre Definition mag kürzer sein, doch der Anspruch ist ebenso umfassend: Toleranz als ständiges Streben nach Ausgleich einander widerstrebender Interessen.

Europäischer Braukonzern oder doch lieber global brewer?

Was ist an einem europäischen Unternehmen eigentlich "europäisch"? Etwa die gleichmäßige Verteilung von Produktionsstandorten und Absatzmärkten? Die Bilanzierung in Euro, die Wahl des Hauptsitzes, die Listung an einem europäischen Börsenplatz? Oder gar die Entscheidung für die Rechtsform einer Europäischen Gesellschaft, umgangssprachlich besser bekannt als Europa-AG. Die Europäische Gesellschaft ermöglicht seit 2004 die Gründung von Gesellschaften nach weitgehend einheitlichen Rechtsprinzipien und ist damit aus wirtschaftlicher und juristischer Sicht Ausdruck des European way of life. Besonders kleinen und mittleren Unternehmen eröffnet sich so die unbürokratische Chance, ihr Engagement im Ausland zu verstärken.

Erste Unternehmen sammeln derzeit praktische Erfahrungen bei der Umwandlung einer börsennotierten in eine Europa-AG. Ihr Fazit: Ein europäisches Unternehmen ist deutlich mehr als eine Europäische Gesellschaft, nämlich das Ergebnis einer komplexen historischen und kulturellen Entwicklung. Das Europäische hat zwar die Funktion des Verbindenden, dennoch fehlt es ihm an Format und Inhaltsfülle, um von den internationalen Finanzmärkten positiv bewertet zu werden. Dieses recht ernüchternde Fazit kann man auch aus den Stellungnahmen einiger Braukonzerne ableiten, die formell als europäische Braukonzerne zu bezeichnen wären, da sie sowohl in Euro bilanzieren als auch Hauptsitz und Börsennotierung in Europa haben.

Auf die Frage, ob InBev mit Hauptsitz in Belgien ein europäisches Unternehmen sei, hieß es: nein. InBev sei ein globales Unternehmen, obwohl es all die Kriterien erfülle, die ein europäisches Unternehmen ausmache. Heineken wollte sich zu diesem Thema überhaupt nicht äußern. Carlsberg wiederum bezeichnete sich selbst als "global brewer" und möchte daher in dieser Übersicht gar nicht erwähnt werden. Nur Scottish & Newcastle mit Sitz in Edinburg und der Rechnungslegung in Pfund fand die Beschreibung "europäischer Brauer" zutreffend angesichts der Zahl von 30.000 Mitarbeitern in Europa (davon 15.000 direkt und 15.000 indirekt in Joint-Ventures in Osteuropa) und 7.000 in Asien.

Die Umfrage unter den Braukonzernen beweist einmal mehr: Unternehmen haben es schwer, eine "europäische Story" zu verkaufen, solange die Globalisierung und das Wunschbild der Globalität die Finanzmärkte beherrschen. Denn jeder europäischen Fokussierung haftet aus Sicht der Analysten etwas Begrenztes an: Warum sich auf Europa beschränken, wenn einem doch die Welt offen steht? Dass Europa in nur fünf Jahrzehnten eine derartige Leistung vollbrachte, Grenzen überwand und sich friedlich vereinte, ist für die Finanzmärkte längst Geschichte.

Wer im Internet nach "internationalen Unternehmen" sucht, hat fünfmal so viele Treffer wie bei "europäischen Unternehmen". Obwohl die Selbsteinschätzung "international" viel beliebter ist als "europäisch", entscheiden sich manche Firmen bewusst für das Adjektiv "europäisch" und möchten damit offenbar auch ein politisches Zeichen setzen – und zwar ganz im Sinne eines "European way of life", der sein philosophisches und politisches Erbe kennt und sich zu Freiheit, Menschenwürde, Solidarität, Verantwortung und Chancengleichheit bekennt.

Während in Europa die Diskussionen um die Inhalte des "European way of life" und Standortkriterien eines europäischen Unternehmens munter geführt werden, ist dem Rest der Welt eines längst klar. Nichts ist so sehr Ausdruck des "European way of life" und einer exklusiv europäischen Tradition wie Fachmessen. Stellt eine Fachmesse wie die BRAU Beviale darüber hinaus ein ur-europäisches Handwerk in den Mittelpunkt, dann wird ihr niemand den Anspruch streitig machen: Der Branchentreff der europäischen Getränkewirtschaft, zu dem längst auch zahlreiche Fachleute aus dem Bereich alkoholfreie Getränke, aus Molkereien, Spirituosenhersteller oder Winzer gern nach Nürnberg reisen, trägt so auf seine Art zum Erfolg des europäischen Projekts bei.

(Quelle: Pressemitteilung der NürnbergMesse).

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