Gastgewerbe Gedankensplitter



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Freitag, Juli 20, 2007

"Der Anteil der beanstandeten Proben ist damit seit 2002 praktisch gleich geblieben."

Unter Bezugnahme auf die Aussage des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, mehr als jede siebte Lebensmittelprobe sei beanstandet worden, begründet Franz-Josef Möllenberg, Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrungsmittel, Genuß und Gaststätten seine Forderung, nach mehr Lebensmittelkontrollen im Gastgewerbe: "Gewerkschaft NGG fordert schärfere Kontrolle von Gaststätten", in: Greenpeace Magaazin vom 20. Juli 2007.

Dies ist ein schönes Beispiel für Demagogie. Verschwiegen wird, daß Lebensmittelproben in der Gastronomie nicht repräsentativ sind. Sie werden in der Regel nur dann gezogen, wenn ein Verdacht auf Lebensmittelvergiftung besteht. Sie haben auch die Funktion nachzuweisen, daß die Vermutung, ein Gast habe sich eine Lebensmittelvergiftung in einem gastronomischen Betrieb geholt, widerlegt werden kann. Man könnte das Ergebnis auch so interpretieren, daß in 85% der Fälle ein gegenüber der Gastronomie geäußerter Verdacht nicht berechtigt gewesen ist. Zudem wurde bei knapp der Hälfte der beanstandeten Proben die Kennzeichnung und Aufmachung reklamiert. Anders ausgedrückt: das Produkt an sich war in Ordnung.

Eine Ausweitung des Personals der Lebensmittelüberwachung wäre nur gerechtfertigt, wenn den Verdachtsfällen nicht schnell und gründlich nachgegangen werden könnte. Doch dafür gibt es keinen Beleg.

Noch pointierter formuliert: Lebensmittelvergiftungen sind in Mitteleuropa im Grunde überhaupt kein Problem. Wenn überhaupt, ist es ein Bildungsproblem. Unsere Großeltern waren noch damit vertraut, daß man Lebensmittel vernünftig lagern muß und wußten, wie man das macht. In den Schulen heutzutage wird dieses Wissen, wenn überhaupt, ganz abstrakt vermittelt. Deshalb verderben sich ab und zu ein paar Ignoranten die Mägen. Learning by Kotzen.

Die Details der reißerischen Pressemitteilung des BVL, mit der er sein Budget rechtfertigen will:

Lebensmittelüberwachung der Länder beanstandet 138.000 Betriebe

Jahresbericht Lebensmittelüberwachung 2006: Mängel bei Hygiene und Kennzeichnung bleiben auf Vorjahresniveau


Fast jeder vierte überprüfte Betrieb, der Lebensmittel herstellt, bearbeitet oder verkauft ist im Jahr 2006 bei Lebensmittelkontrollen aufgefallen. Rund zwölf Prozent der kontrollierten Betriebe verstießen gegen Hygienebestimmungen, Vier Prozent hatten ihre Produkte mangelhaft gekennzeichnet oder irreführend beworben oder verpackt. Die betrieblichen Eigenkontrollen wurden in rund fünf Prozent der Betriebe beanstandet. Dies ist das Ergebnis des "Jahresberichts Lebensmittelüberwachung 2006", den das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) auf der Basis der Kontrollergebnisse der Bundesländer zusammengestellt hat, die für die Lebensmittelüberwachung zuständig sind. Das BVL informiert mit dem Bericht die Europäische Kommission über die Aktivitäten der Lebensmittelüberwachungsbehörden.

Die Überwachungsbehörden in den Ländern führten 2006 insgesamt 1.067.330 Kontrollen in 590.010 Betrieben durch. Dabei wurde die Hälfte aller Betriebe kontrolliert, die Lebensmittel herstellen, verarbeiten, handeln, lagern und transportieren sowie verkaufen. In den vergangenen fünf Jahren ging die Zahl der Kontrollbesuche um insgesamt rund zehn Prozent zurück.

Neben der Kontrolle von Betrieben nehmen die Untersuchungsbehörden der Länder auch Lebensmittelproben. Von den im vergangenen Jahr untersuchten 407.815 Proben wurden durchschnittlich 15,2 Prozent beanstandet. Der Anteil der beanstandeten Proben ist damit seit 2002 praktisch gleich geblieben. Mit über 21 Prozent der untersuchten Proben wiesen Fleisch, Wild, Geflügel und Wurst die höchste Beanstandungsquote auf. Auch Süßwaren, Honig und Zucker waren mit rund 20 Prozent häufig zu beanstanden. Deutlich verbessert hat sich gegenüber dem Vorjahr die Beanstandungsquote von Eis und Desserts, die um über fünf Prozent auf 16 Prozent sank. Nur rund zehn Prozent der untersuchten Obst- und Gemüseproben und rund zehn Prozent der Proben von Schokolade, Kakao, kakaohaltigen Erzeugnissen, Kaffee und Tee wurden beanstandet.

Etwa die Hälfte der Beanstandungen durch die Lebensmittelüberwachungsbehörden ging auf falsche, mangelhafte oder irreführende Kennzeichnung bzw. Aufmachung von Lebensmitteln zurück. Beispiele hierfür sind ein fehlendes Mindesthaltbarkeitsdatum oder Mogelpackungen, die eine größere Füllmenge vortäuschen. Fast jede sechste beanstandete Probe war verdorben oder enthielt in Ausnahmefällen krankheitserregende Keime. Elf Prozent der beanstandeten Proben wiesen Verunreinigungen durch Rückstände wie Pflanzenschutzmittel, Kontaminanten wie Acrylamid oder Fremdkörper wie Sand oder Glassplitter auf. In 16 Prozent der beanstandeten Proben entsprach die Zusammensetzung der Lebensmittel nicht den Vorschriften. Hierunter fällt zum Beispiel die Verwendung von Schweinefleisch für ein Wiener Schnitzel, das aus Kalbfleisch bestehen muss.

Ins Europäische Schnellwarnsystem wurden Proben gemeldet, bei denen Höchstgehalt unerwünschter Stoffe überschritten wurden oder von denen ein ernstes Risiko für die menschliche Gesundheit ausging. Soweit möglich wurden diese Lebensmittel vom Handel zurückgezogen oder die Verbraucher wurden durch einen Rückruf informiert. Die Auswahl der Betriebe und Proben erfolgt EU-weit nach einheitlichen Grundsätzen und ist vor allem auf Betriebe und Lebensmittel gerichtet, von denen ein erhöhtes Risiken für den Verbraucher ausgehen kann. Aus der Zahl der Beanstandungen kann daher nicht auf die generelle Sicherheit der Lebensmittel und die Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen durch alle Betriebe in Deutschland geschlossen werden.

(Quelle: Pressemitteilung des BLV).

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