Gastgewerbe Gedankensplitter



« Home | Warum trinken Frauen weniger Bier? » | Bionade attackiert vermeintliche Nachahmer. » | Deutsche Rentenversicherung nervt Gastronomen mit ... » | Interaktive Salatbar. » | Rauchverbot in Graubuenden: Das Volk darf entschei... » | Wein in der Gastronomie verkaufen. » | Weinblogs als Marketinginstrument. » | Schaumschlaegerei. » | Sachsen-Anhalt will reine Raucherkneipen erlauben.... » | Rauchverbot in Mecklenburg-Vorpommern kommt spaete... »


Dienstag, Juli 17, 2007

Versicherungen fuer Gruender im Gastgewerbe.

Die IHK Berlin hat ein knappes Merkblatt zu Versicherungen für Existenzgründerinnen und Existenzgründer (PDF) veröffentlicht, das sich aber nur als als Einstieg in die Frage, welche Versicherungen Gründer brauchen, eignet.

Welche Versicherungen brauchen Gründer im Gastgewerbe wirklich? Wenn man diese Frage beantworten will, ist zwischen den betrieblichen Versicherungen (z.B. so die Betriebshaftpflicht-Versicherung und die Betriebsunterbrechungsversicherung (BU), die Feuerversicherung, die Einbruchdiebstahlversicherung, die Glasbruchversicherung) und den persönlichen Versicherungen (z.B. Kranken- und Krankentagegeldversicherung, Pflegepflichtversicherung und private Berufsunfähigkeitsversicherung, Alterssicherung und freiwillige Versicherung gegen Arbeitslosigkeit für Selbständige) zu unterscheiden. Wobei es Überschneidungen gibt:
  • Ein Fahrzeug kann sowohl dem Betrieb zugeordnet sein oder dem privaten Haushalt des Gründers.
  • Unternehmer können sich gegen Unfälle privat versichern oder freiwillig bei der gesetzlichen Unfallversicherung (Träger: Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gaststätten) oder sie sind möglicherweise auch als sozialversicherungspflichtige Beschäftigte gesetzlich zwangsversichert.
  • Bei der Haftpflichtversicherung bieten einige Tarife der betrieblichen Haftpflichtversicherung die Option auch Haftpflichtversicherungsschutz für den privaten Haushalt des Gastronomen mit zu versichern - eventuell preisgünstiger als wenn man sich eigenständig versichert.
Eigene Erfahrungen:
  • Versicherung der eigenen und angepachteten bzw. geleasten Sachen gegen Einbruch, Feuer, Leitungswasser, Hochwasser, Brand und Vandalismus nach einem Einbruch: Diese Versicherungen werden im Falle einer Anpachtung meistens von den Eigentümern (Verpächtern) vorgeschrieben. Dabei wird in der Regel die Versicherungssumme insgesamt festgelegt aber auch Höchstwerte für bestimmte Gegenstände, etwa Bargeld. Vergessen Sie bei diesen Sachversicherungen eingelagerte Gegenstände Dritter mitzuversichern, z.B. Gemälde oder Fotografien, wenn Sie in Ihrem Betrieb ausstellen. Nachträglich finden Sie dafür allein kaum noch eine bezahlbare Versicherung. Oder Sie drücken, wenn Sie Ausstellungen planen, das Risiko auf den Künstler ab. Andere Beispiele: Musikinstrumente und Anlagen von Musikern, die bei Ihnen auftreten.
  • Glasbruchversicherung: macht meines Erachtens nur einen Sinn, wenn im Schadensfalle große Kosten anfallen. Die Prämie ist zwar absolut gesehen niedrig, aber man kann den Schaden meistens "aus der Portokasse" tragen.
  • Eine betriebliche Rechtschutzversicherung: ist meines Erachtens von zweifelhaftem Wert, da viele Rechtsstreitigkeiten aus Verträgen nicht gedeckt sind.
  • Eine betriebliche Haftpflicht ist unbedingt erforderlich. In der Regel gibt es einen Mindestversicherungsumfang (meist nach gleichzeitig arbeitenden Mitarbeitern gerechnet). Vergessen Sie nicht Ihre Außer-Haus-Aktivitäten (Partyservice, Catering, Events) in den Versicherungsumfang einzuschließen.
  • Ob die betriebliche Haftpflicht auch eine Produkthaftpflicht mit umfassen sollte (also wenn jemand z.B. am Essen erkrankt oder gar stirbt), darüber läßt sich streiten. Die Prämie ist nicht gerade niedrig. Ob man sich versichern sollte, hängt aber auch von der Rechtsform ab (Haftungsbegrenzung) und davon, ob man Produkte anbietet, die besonders gefährlich sind (etwa rohen Fisch).
  • Versicherungen für betriebliche KFZ sind ohne in Form einer Kfz-Haftpflicht vorgeschrieben.
  • Eine Ausfallversicherung übernimmt die weiter laufenden Aufwendungen, etwa für Pacht, Nebenkosten, Löhne, wenn der Betrieb ausfällt, etwa vorübergehend geschlossen werden muss oder wenn nach einem Brand das Lokal neu erbaut werden muss. Ein Problem dabei sind die recht hohen Prämien. Außerdem darf man sich, wenn der Schadensfall eintritt, rumstreiten, was man als Leistung der Versicherung bekommt. Polemisch formuliert kann man sich vor die Alternative gestellt sehen, ohne Ausfallversicherung im Ereignisfalle Pleite zu gehen oder an den Prämien für diese Versicherung. Eine Rolle spielt neben der persönlichen Risikoneigung auch die Rechtsform ("beschränkte Haftung") und wie arm oder reich man ist. Einem armen Mann kann man nicht in die Tasche greifen und einem Reichen macht das nichts aus. Dumm ist man dran, wenn man ein mittleres Vermögen hat, das im Schadensfall draufgeht.
  • Wenn Sie mehrere Betriebe haben, sparen Sie viel Prämie bei der Feuerversichung, weil sich aus Sicht der Versicherung das Risiko erheblich mindert. Es werden kaum mehrere Betriebe gleichzeitig abfackeln.
Ein paar generelle Tips für den Umgang mit Versicherungen:
  • Holen Sie mehrere Angebote ein. Oder bedienen Sie sich eines Versicherungsberaters (den bezahlen Sie) oder eines Maklers (der lebt von Prämien, ist insoweit nicht objektiv, hat aber meist mehrere Versicherungen in seinem Angebotsspektrum).
  • Man sollte die Chance einer eingehenden Uberprüfung des Objekts durch einen kompetenten Sachversicherungsaussendienstler einer Versicherung nutzen. Es geht vor allem um eine Risikominderung, die sich dann auch in niedrigen Prämien niederschlagen sollte. Stichworte: Alarmanlage, Schlüsselanlage, Gitter vor den Fenstern usw.. Die Verwendung schwer entflammbarer Materialien ist zwar ohnehin vorgeschrieben, aber es finden sich in übernommenen Betrieben gelegentlich Ausrutscher. Alterantiv können Sie sich auch von der Polizei bzw. der Feuerwehr beraten lassen.
  • Füllen Sie den Versicherungsantrag selbst aus. Manche Versicherungsaußendienstler neigen dazu, die Daten zu schönen, um ihnen ein scheinbar preisgünstiges Angebot machen zu können. Tritt dann ein Schadensfall ein, wird man nachträglich die Leistung verweigern, weil sie falsche Angaben gemacht haben.
  • Die Prämien für Sachversicherungen unterscheiden sich von Versicherung zu Versicherung erheblich und sind auch im Zeitablauf sehr volatil. Sie sollten deshalb aktuelle Angebot einholen, mit einer Kündigungsmöglichkeit zum Jahresende abschließen und wenigstens alle paar Jahre neue Vergleichsangebote einholen.

Labels: