Gastgewerbe Gedankensplitter



« Home | Schuettel-Schorsch wird philosophisch. » | Wie Wirte das Rauchverbot austricksen. » | Leaders Club Award 2007: Goldene Palme für Haus Hi... » | FBMA / Leaders Club Academy: Baustein 6 der Hospit... » | Flickr Badgets. » | Bio-Restaurants in Bruessel. » | DEHOGA tritt weiterhin für Kennzeichnungspflicht s... » | Bayerischer Sozialausschuss verabschiedet Rauchver... » | Berlin: Volkgsbegehren gegen das Rauchverbot in de... » | "Gaeste 2007" - Hoteliers und Hochschulvertreter i... »


Mittwoch, November 14, 2007

Bierpreise steigen 2008 um bis zu 1,10 Euro je Kasten.

Auf einer Pressekonferenz anläßlich der Eröffnung der Brau Beviale in Nürnberg am 13. November 2007 hat Gerhard Ilgenfritz, Präsident des Verbands Private Brauereien Bayern e.V., massive Bierpreiserhöhungen im ersten Quartal 2008 angekündigt und zu rechtfertigen versucht. Wir dokumentieren den Teil seiner Rede, in dem er auf die wirtschaftliche Lage der Brauereien und die angedrohte Bierpreiserhöhung eingeht:
"Traditionell bietet die BRAU Beviale die Gelegenheit, auf das bisherige Geschäftsjahr der deutschen Braubranche zu blicken.

Bis einschließlich September verzeichnen die deutschen Brauer ein Minus von 2,3 % im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum. Dieses Minus wird auch im restlichen Jahr nicht mehr aufholbar sein. Dabei war das Jahr 2007 sehr wechselhaft. Der Start ins Jahr mit dem 1. Quartal war für die Brauer hervorragend, schon im Februar saßen die ersten Gäste vor den Lokalen, und die Biergärten waren bereits im April geöffnet – bei solchen Temperaturen wird dann auch Bier getrunken. Das zweite Quartal konnte die Erwartungen nicht erfüllen, aber unterm Strich blieb zum Halbjahr noch ein leichtes Plus.

Unbefriedigend war dann das dritte Quartal, es fehlten die WM-Absätze, und in den Monaten August und September spielte natürlich das Regenwetter in diesen so genannten Sommermonaten eine dominierende Rolle.

Wieder gestiegen sind die Exporte mit einem Plus von 5,2 %. Mittlerweile werden über 15 % der deutschen Bierproduktion exportiert, die wichtigste Exportregion ist nach wie vor die EU mit Italien an der Spitze.

Ebenfalls wieder überproportional sind die Biermischgetränke mit plus 19,8 % gegenüber dem Vorjahr angewachsen, wobei das klassische Radler, eingeschlossen der Lemon-Variante, nach wie vor das dominierende Getränk ist.

Das alles beherrschende Thema der Braubranche 2007 ist die Rohstoffversorgung mit Hopfen und Malz. Obwohl Deutschland mit der Hallertau das größte Hopfenanbaugebiet der Welt ist - 39 % der Welthopfenernte (bezogen auf Alpha-Säure) kommt aus Deutschland – und 2007 mit Ausnahme einiger Bitterhopfensorten eine gute Ernte erreicht wurde, ist Hopfen mittlerweile eine knappe Ware. Dies führt zu erheblichen Preisanstiegen, auf dem Freimarkt hat sich Aromahopfen in den letzten beiden Jahren um 100 %, Bitterhopfensorten um 150 - 400 % verteuert. Die Ursache liegt in der weltweiten Bierproduktion, die ist seit 1997 um 35 % gestiegen, und gerade die dynamisch wachsenden Braukonzerne aus Brasilien, China und Osteuropa kaufen den internationalen Hopfenmarkt leer. Eine nachhaltige Entspannung ist erst mittelfristig in 3 bis 5 Jahren zu erwarten, wenn Flächenausweitungen der Hopfenbauern und neue bitterstoffreiche Hopfensorten halbwegs die gestiegene Nachfrage befriedigen können.

Ähnlich ist die Entwicklung beim wichtigsten Braurohstoff Braugerste, aus der das Malz hergestellt wird. Die witterungsbedingte Gerstenmissernte 2006 und die seit Jahren rückläufigen Anbauflächen für Braugerste – seit 2004 hat sich die Anbaufläche für Braugerste in Deutschland um 116.000 ha oder 19 % reduziert – haben sämtliche Reserven aufgezehrt. Lediglich eine sehr gute Braugerstenernte 2007 in Nordeuropa (Dänemark, Norwegen, Großbritannien) führte dazu, dass der Braugerstenbedarf bis zur Ernte 2008 aus heutiger Sicht gedeckt erscheint. Allerdings werden einzelne Brauereien ohne langfristige Lieferkontrakte gerade in den Monaten Mai bis August vor der Ernte 2008 vereinzelt Schwierigkeiten haben Malz zu erhalten, sprich dann exorbitante Preise zahlen müssen.

Die Gründe für diese Entwicklung bei Braugerste sind:
  • der weltweit steigende Weizenbedarf übersteigt seit Jahren die Weltgetreideernten und
  • sorgte für einen dramatischen Anstieg der internationalen Getreidepreise
mehrjährige Ernteausfälle in Folge bei Braugerste in Australien führten dazu, dass sich große asiatische, insbesondere chinesische Brauereien, neuerdings bei europäischen Mälzereien eindecken,
  • für Energiepflanzen, wie Mais oder Raps, werden, um den Bedarf für Biogasanlagen und ähnliches zu decken, mittlerweile Spitzenpreise gezahlt.
Dies führt dazu, dass einerseits der Landwirt sehr ertragreiche Anbaualternativen hat, die in direkter Konkurrenz zum Anbau von Braugerste stehen, und dass andererseits der Braugerstenanbau in Deutschland Weltmarkteinflüssen ausgesetzt ist. In Zahlen ausgedrückt: der Braugerstenpreis hat sich innerhalb von 2 Jahren fast verdreifacht, der Malzpreis ist in diesem Zeitraum auf dem Freimarkt von 240 bis 270 Euro pro Tonne auf 600 Euro und mehr pro Tonne gestiegen.

In Summe haben sich die Kosten für den Hopfen- und Malzbezug um 60 bis 70 Cent je Kasten Bier erhöht. Rechnet man die Steigerung der Energiekosten im gleichen Zeitraum hinzu, ergibt sich eine notwendige Erhöhung des Endverkaufspreises von 1 Euro bis 1,10 Euro pro Kasten inkl. der zugehörigen Mehrwertsteuer.

An dieser Preiserhöhung kommt bei einer vernünftigen Kalkulation keine deutsche Brauerei vorbei, dementsprechend ist im 1. Quartal 2008 eine derartige Bierpreiserhöhung unerlässlich. Die eine oder andere Brauerei wird es eventuell in 2 Stufen vollziehen, sprich einen Teil der Bierpreiserhöhung Anfang 2008, die zweite Stufe Ende des Jahres.

Die entscheidende Frage ist, wie die Situation der Gerstenverknappung mittelfristig in der Braubranche gelöst werden kann; die Ansatzpunkte zielen auf die Wettbewerbsfähigkeit des Lebensmittelanbaus in der Landwirtschaft:
  1. Zielorientierte staatliche Förderung von Bioenergieanlagen statt Förderung nach dem Gießkannenprinzip: Basis für die zukünftige Förderung von Bioenergieanlagen kann nur noch die Bewertung der Gesamtbilanz sein. Dazu gehört der Wirkungsgrad der Anlagen - beispielsweise sind Biogasanlagen ohne Wärmenutzung zu ineffizient - ,dazu gehört aber auch die Einbeziehung des Energiebedarfs beim Anbau inklusive des Düngerbedarfs, wodurch beispielsweise die Biospritgewinnung aus Getreide in Mitteleuropa laut Fachleuten höchst fragwürdig ist.
  2. Gleichgewichtigkeit des Lebensmittelanbaus und des Bioenergieanbaus bei Fördermaßnahmen berücksichtigen: Dieser Punkt ist zusammen mit dem ersten als Rahmenbedingung durch die Politik unerlässlich, wodurch auch deutlich wird, dass Maßnahmen zur Energieeinsparung eine höhere Gewichtung bei der Erreichung von Klimazielen haben müssen.
  3. Brauereien müssen die gesamte Wertschöpfungskette bei der Rohstoffversorgung einbeziehen: Mittlerweile haben beim Hopfen gerade die deutschen Brauereien reagiert und schließen langfristige Lieferkontrakte direkt mit Hopfenbauern oder Hopfenhandelshäusern, die 2008er-Ernte ist so bereits nahezu verkauft, selbst die Ernte 2013 ist bereits mit einem Anteil von ca. 50 % kontrahiert. Ähnliche Quoten sind bei Braugerste noch nicht erreicht, gerade für Teile der in Deutschland führenden Brauereigruppen ist hier ein erhebliches Umdenken notwendig. Es wird dazu führen, dass Brauereien zunehmend vorab Vermälzungskapazitäten bei den Mälzereien "buchen" und sich unabhängig davon die Rohware, sprich Braugerste, durch Verträge mit Erzeugergemeinschaften oder Handelshäusern sichern. Unerlässlich hierbei ist aber ein Vorvertragspreisniveau für Braugerste, das den Landwirten bei vergleichbaren Bodenbedingungen ähnliche Deckungsbeiträge wie bei anderen Feldfrüchten gewährleistet. Die Privaten Brauereien Bayern empfehlen daher einen Vorvertragspreis 2008 für den Erzeuger von 270 Euro/t, auf den Zu- bzw. Abschläge in Abhängigkeit des in 2008 geltenden Marktpreises angerechnet werden. Damit sind den Bauern gute Deckungsbeiträge auch mit Braugerste garantiert, er partizipiert auch an Marktpreisänderungen, und es ist ein Anreiz gegeben, weiterhin Braugerste anzusäen.
  4. Lebensmittel- und damit Bierpreise werden hoch bleiben und weiter steigen müssen: Die deutschen und europäischen Märkte für landwirtschaftliche Produkte sind endgültig auf den Gesetzen der Weltmärkte angekommen. Das heißt, für landwirtschaftliche Produkte wird es zukünftig nur noch einheitliche, internationale Preisniveaus geben. Und diese Niveaus werden aufgrund steigernder Nachfrage hoch sein, werden höchst volatil sein, Missernten in einem Teil der Erde werden bis in die kleinste Region nahezu 1:1 durchschlagen. Im Ergebnis kann erwartet werden, dass bei den Preisen für alle landwirtschaftlichen Produkte noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist, wenngleich seriöse Prognosen auch von Fachleuten heute noch nicht möglich sind. Der Verbraucher wird lernen müssen, die Wertschätzung für Lebensmittel neu zu definieren und wird diese Ausgaben in ein anderes Verhältnis als heute zu seinen sonstigen Ausgaben umschichten müssen.
Neben den Rohstoffen spielt in der deutschen Brauwirtschaft die Verpackung eine außerordentliche Rolle. Hier ist festzustellen, die Bepfandung von Einweg funktioniert in der deutschen Brauwirtschaft. Nach neuesten Zahlen von IRI (GfK) beträgt der Mehrweganteil 2007 90 % bei Bier und liegt auf einem stabil hohen Niveau. Dies ist nach wie vor die Voraussetzung, dass der Lebensmitteleinzelhandel flächendeckend Mehrwegrücknahmesysteme unterhält, dass Mehrweg somit überhaupt listungsfähig ist. Nur so haben mittelständische Brauereien den Marktzugang für ihre Produkte, denn sie können nur in Mehrweg abfüllen.

Höchst unbefriedigend ist aber im Zusammenhang Verpackung die Vorgehensweise der nur noch wenigen europäisch agierenden Glaskonzerne. Durch eine gezielte europaweite Verknappung der Herstellungskapazitäten von Glasflaschen wurden die Preise je nach Flaschentyp um bis zu 70 – 80 % nach oben getrieben. Mittlerweile ist die generelle Verfügbarkeit von einzelnen Flaschen nicht mehr gewährleistet, Lieferfristen von mehr als einem halben Jahr selbst bei Standardflaschen sind keine Seltenheit. Aus unserer Sicht ist dies unter kartellrechtlichen Gesichtspunkten äußerst fraglich, und die Privaten Brauereien in Deutschland begrüßen und unterstützen den Vorstoß der Weinverbände, die eine kartellrechtliche Überprüfung der europäischen Glasindustrie bei der EU angestoßen haben.

Das nächste problematische Thema für die deutschen Brauereien ist die Gestaltung der politischen Rahmenbedingungen. Es scheint derzeit ein Wettlauf stattzufinden, wer die Bürger am meisten reglementieren kann. Die Ziele, die verfolgt werden, sind dabei durchaus ehrwürdig, aber zu glauben, man löst Probleme, indem man die Bevölkerung mit Regeln überzieht, ist mehr als fraglich. Beispiel Rauchverbot: Die Basis der politischen Entscheidungen ist eine Statistik, nach der in Deutschland jährlich 3.300 Personen an den Folgen des Passivrauchens sterben. Eine beeindruckende Zahl, allerdings weist der Leiter Prävention der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gaststätten, Prof. Grieshaber, darauf hin, dass zwei Drittel dieser untersuchten Personen älter als 85 Jahre waren. Es ist ja nicht so, dass wir Brauer die Problematik des Rauchens ignorieren, aber warum vernünftige Ausnahmeregelungen gerade für die kleine Einraumgastronomie oder für Feste, die in anderen Ländern wie Spanien funktionieren, in Bayern nicht möglich sind, ist schon fraglich. Folgeerscheinungen, wie zu erwartende wirtschaftliche Einbußen der kleinen Dorfwirtschaft, weil die Schwarzgastronomie in Vereinsheimen noch mehr Zulauf bekommt, oder Lärmbelästigungen durch Gäste, die nachts vor der Tür rauchen oder Festzeltbetreiber, die ihre Sicherheitsdienste zigfach aufstocken müssen, bleiben völlig außer Acht.

Ähnliches beim nächsten Punkt, die Alkoholpolitik, ohne dass ich dies hier in epischer Breite ausweiten möchte. Der normale Mensch, und das sind über 90 % der Bevölkerung, ist sehr wohl verantwortungsbewusst und kann sehr gut mit unserem Konsum- und Genussangebot, auch mit Alkohol, umgehen. Natürlich gibt es Bevölkerungsgruppen, insbesondere die Jugendlichen, die einen besonderen Schutz benötigen. Aber mit einer konsequenteren Einhaltung mit Überprüfung der bestehenden Jugendschutzgesetze - dazu gehört auch ein Verbot der Flatrate-Parties und die Sanktionierung von Verstößen gegen die Einhaltung des Abgabealters - sowie mit einer gezielten und gesteigerten Sozialbetreuung dieser Gruppen in den Brennpunkten wäre schon sehr viel erreicht und wesentlich mehr Probleme gelöst, als mit generellen gesetzlichen Regelungen für die Allgemeinheit, die nur Ausweichreaktionen provozieren.

Nach all den negativen Meldungen stellt sich die Frage, wie steht es eigentlich um die Brauereien. Es gibt in Deutschland derzeit 1284 Brauereien, davon sind über 90 % mittelständische und kleine Unternehmen. Die Herausforderung ist, in einem stagnierenden, tendenziell eher rückläufigen Markt zu bestehen. Der Preiswettbewerb über Aktionen wird abwechselnd von den verschiedenen Marken weiterhin zum Tagesgeschäft gehören. Allerdings werden im Billigpreissegment langfristig nur die bestehen, die es schaffen, bei hohen Durchsätzen ihre Kostenstrukturen höchst effizient zu gestalten und sich in der Logistik auf die Belieferung der dafür relevanten Einzelhandelsschienen beschränken. Für alle anderen gilt, es müssen die Faktoren Qualität, Markenstärke und Vertrieb unabhängig von der Brauereigröße nachhaltig aufgebaut werden. Im Fokus steht hierbei weniger eine Mengenorientierung, sondern die Ertragsorientierung.

Damit wird die Brauerei- und Biervielfalt erhalten bleiben, eine Zielsetzung, die auch hinter dem internationalen Bierwettbewerb European Beer Star steht. Veranstalter sind die Privaten Brauereien gemeinsam mit dem europäischen Dachverband, der Association of small and independent Breweries in Europe. Bei seiner vierten Austragung in 2007 konnte die Teilnehmerzahl nochmals um mehr als 30 % auf 575 Biere gesteigert werden. Die Biere kommen aus 28 Ländern, hierunter sind Brauereien aus Australien, El Salvador, der Mongolei, Japan, Nordamerika, Osteuropa sowie nahezu alle mitteleuropäischen Länder. Am Donnerstag dieser Woche werden hier auf der Messe in 40 Kategorien die wertvollen Preise verliehen. Bereits am Mittwoch können die Besucher der BRAU Beviale alle goldprämierten Biere verkosten und bewerten – damit ist auch auf der BRAU Beviale echte Biervielfalt gegeben."
(Quelle: Pressemitteilung des Private Brauereien Bayern e.V.).

Labels: ,