Gastgewerbe Gedankensplitter



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Samstag, Dezember 01, 2007

Disco-Deutschland sieht rot - Rauchverbot, Laermpegelbegrenzung und Alkoholverbot fuer Jugendliche.

München - Rund 100 Millionen Gäste pilgern jährlich in die rund 2200 Clubs und Diskotheken in Deutschland. Der Disco-Besuch ist damit Deutschlands beliebtestes Freizeitvergnügen. Doch dies könnte schon bald der Vergangenheit angehören, denn durch zahlreiche Gesetzesänderungen sehen viele Club- und Diskothekenbetreiber ihre Existenz bedroht.
"Die deutsche Diskothekenlandschaft steht durch das Anti-Raucher-Gesetz sowie der geplanten Lärmpegelbegrenzung und der Diskussionen um ein Alkoholverbot für Jugendliche vor den tiefgreifendsten Veränderungen der vergangenen Jahre"
kommentiert Fachjournalist und Freizeit-Experte Alexander Hosp die derzeitige Situation der Branche.

Ab Januar treten nach Baden-Württemberg und Niedersachsen auch die letzten Anti-Rauch-Gesetze der Bundesländer in Kraft. Die Auswirkungen werden sich im Besonderen in der Club- und Diskotheken-Szene zeigen, fürchtet Diskothekenbetreiber Ralf Dreier:
"Während ein Fitnessstudiobesucher sportlich aktiv sein will, entscheiden sich unsere Gäste bewusst für Spaß, Musik, Unterhaltung und Genuss. Zu Letzterem gehört nun auch mal Alkohol- und Tabakgenuss und davon lebt unser Gewerbe."
Wie Dreier, der mit seinem Geschäftspartner Marcel Reicheneder in Untermeitingen bei Augsburg - einem der dicht besiedeltsten Disco-Gebieten Deutschlands – erfolgreich die mehrfach prämierte Nachterlebniswelt PM betreibt, fürchten viele Diskotheker um ihre Existenz.

Den politischen Rauchgesetz-Argumentationen entgegnet Dreier mit den aktuellen Umsatzeinbrüche in Niedersachsen und Baden-Württemberg, wo das Gesetz bereits seit August in Kraft ist:
"Auch in unseren europäischen Nachbarstaaten hat das strikte Rauchverbot zu einschneidenden Veränderungen geführt. So wurden in Irland rund 1000 Kneipen geschlossen, in Italien betrugen die Umsatzrückgänge zwischen 20 und 30 Prozent, in Slowenien sogar ein Drittel und neben den Einbußen in Schottland wurde hier auch noch verstärkt Personal abgebaut."
"Chaos" fürchten Dreier und Reicheneder auch mit Blick auf die bundesuneinheitlichen Regelungen, da die Gesetze von den einzelnen Bundesländern beschlossen werden und somit ab Januar von Land zu Land differieren werden. Während einerseits das Rauchen in Ländern wie Hessen, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg in separaten Raucherräumen geduldet sein wird, soll in Bayern, wie auch in Baden-Württemberg ein absolutes Rauchverbot gelten, was benachteiligte Gastronomen bereits jetzt als "Wettbewerbsverzerrung" anmahnen. Der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Diskotheken Henning Franz fordert deshalb eine bundeseinheitliche Regelung. Allen Betreibern soll nach Franzs Vorstellung ein Recht auf Rauchernebenräume eingeräumt werden, Einraum-Gastronomien soll die Entscheidung, ob Raucher- oder Nichtrauchergastronomie, selbst überlassen werden.

Doch damit wären die Probleme der Nachtgastronomen lange nicht gelöst, schließlich plagen Dreier, Reicheneder und seine Kollegen weitere Sorgen. Nach dem Tod eines 16-jährigen Schülers, der nach schwerem Alkoholmissbrauch in einem Berliner Lokal im Februar mehrere Wochen im Koma lag und dadurch bundesweit für Schlagzeilen sorgte, gerieten die Gastronomen schwer unter Beschuss.

Billigpreis-Veranstaltungen wie "Flatrate-", "Komasauf-" und "All-inclusive-Partys" gehörten - nicht zuletzt aufgrund des politischen Drucks – fortan der Vergangenheit an, was nach dem vehementen Preiskampf der vergangenen Jahre zu rückläufigen Gästezahlen führte und zu Schließungen von Lokalitäten.

Für Unruhe in der Discolandschaft sorgte jüngst auch der bayrische SPD-Sozialexperten Jochen Wahnschaffe, der ein Alkoholverbot für Jugendliche forderte. Hintergrund ist der zunehmende Alkoholkonsum von Minderjährigen. Dreier und sein Geschäftspartner Reicheneder sehen in einem Verbot jedoch nicht die Lösung des Problems,
"denn Studien zeigen eindeutig, dass der übermäßige Alkoholgenuss vor allem bei 10- bis 15-Jährigen besonders ausgeprägt ist"
so Reicheneder.
"Dies ist ein gesellschaftliches Problem, das lediglich mit Prävention behoben werden kann, nicht mit Verboten. Ein Diskothekengast hat ohnehin laut Gesetz erst ab 16 Jahren Zutritt"
so Reicheneder weiter.

Dem nicht genug: Kopfzerbrechen bereiten Reicheneder und Dreier auch die zunehmenden Gehörprobleme von Jugendlichen, denn nach politischem Willen könnten auch diese künftig durch ein "Gesetz zur Lärmpegelbegrenzung" reguliert werden. Diesem Vorhaben entgegnet das "Feiergewerbe" derzeit noch mit einer "DJ-Führerschein"-Weiterbildung, die vom Bundesverband der deutschen Diskotheken organisiert wird. Wie lange diese Schulungs-Maßnahme für Diskjockeys gegen eine von den Diskothekern gefürchtete, gesetzliche Regelung stand halten kann, ist ebenso unklar, wie die Zukunft der beliebtesten Freizeitbeschäftigung der Deutschen, dem Discobesuch.
"Eine Diskothek konkurriert heute gegen jegliches Freizeitangebot wie Verein, Kino oder Fitnessstudio"
konstatiert Freizeit-Experte Alexander Hosp. Und damit das Geschäft der Unterhaltung, des Spaßes, der Party und des Genusses weiter konkurrenzfähig bleibt, fordern die Ralf Dreier und Marcel Reicheneder
"bei allem Verständnis für die politischen Ziele, endlich auch den Problemen der Gastronomen Gehör zu schenken."
Ansonsten, so die beiden Disco-Betreiber, könnten sich Problematiken wie Rauchen unter 18 und der übermäßige Alkoholkonsum von Jugendlichen auf unbeaufsichtigte Plätze wie Tankstellen oder private Jugendtreffs verlagern, was eine steigende Jugendkriminalität zur Folge haben könnte.

(Quelle: Pressemitteilung von Nachterlebniswelt PM in Untermeitingen)

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Kommentare:
"Eine Diskothek konkurriert heute gegen jegliches Freizeitangebot wie Verein, Kino oder Fitnessstudio"

Kommentar von Alexander Hosp!

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Ist das sein Ernst? Ich kenne keinen, der nach 2300 Uhr im Verein oder Fitnessstudio sitzt. Ggf. ein- oder zweimal im Monat im Kino. Anschließend geht es immer in die Disco oder in den Club...
 
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