Gastgewerbe Gedankensplitter



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Montag, Dezember 24, 2007

Gruppen in Restaurants, Servicegebuehr und Preise fuer Produkte ausserhalb der Speisekarte.

"Sind Gruppen in Restaurants grundsätzlich unerwünscht?" fragt Burkhard Schneider in seinem Best Practice Busines Blog und schildert die Erfahrungen einer Gruppe, der er angehört hat, bei einem Restaurantbesuch. Ich kenne Burkhard Schneider zwar (noch) nicht persönlich, aber lange Zeit aus dem Internet und unterstelle deshalb, daß sein Bericht den Tatsachen entspricht. Aber es geht mir nicht darum, diesen "Fall" zu beurteilen (dazu müßte man auch die Gegenseite hören), sondern daraus zu lernen.

Er schreibt zum Schluß:
"Wenn nach mehr als 10 Jahren Erfahrungen mit Restaurants, die in Gruppen besucht wurden, habe ich den Eindruck, dass es nur ganz wenige Gastronomiebetriebe gibt, die heute noch Gruppen willkommen heißen. Eine echte Marktlücke, denn viele Gruppen bringen guten Umsatz, kommen bei guten Erfahrungen gerne wieder und jeder einzelne aus der Gruppe ist ein potentieller Gast in Zukunft."
Ich glaube, Gruppen sind in vielen Gaststätten willkommen. In meinem Bamberger Café Abseits buhlen wir regelrecht um Gruppen, auch wenn wir leider, vom Biergarten und einer Nische abgesehen, uns schwer tun, Gruppen kompakt zu platzieren. Denn es stimmt, Gruppen haben Vorteile:
  • Es gibt ein oder mehrere Gruppenmitglieder bzw. den Einladenden oder den Gruppenleiter, der die Gaststätte empfohlen hat. Der Empfehler steht in gewissem Sinne für ein positives Erlebnis seiner Gruppe gerade und wird sich bemühen, interpretationsfähige Détails positiv zu werten und so seine Entscheidung für die Wahl des Betriebs zu rechtfertigen.
  • In den meisten Gruppen gibt es Gäste, die den Betrieb noch nicht kennen. Man hat die Chance, sie als Gäste häufiger wiederzusehen.
  • Gruppen sind meines Erachtens leichter zu acquirieren. Man kommt leicht an Kontaktdaten von Unternehmen, Vereinen, Reiseveranstaltern usw. und darf sie eher kontaktieren als Privatpersonen.
  • Große Gruppen bzw. der Einladende, Organisator oder Empfehler pflegen ihre Entscheidung für eine Gaststätte sorgfältiger vorzubereiten als Einzelgäste und kleine Grüppchen. Sie informieren sich häufiger über Restaurantführer, Bewertungsportale und die Websites gastronomischer Betriebe oder fragen persönlich die Erfahrungen von Bekannten ab. Vorab informierte Gäste sind pflegeleichter. Sie wissen eher, was auf sie zukommt, und werden deshalb in ihren Erwartungen seltener enttäuscht.
  • Es gibt einen gewissen Gruppendruck, mehr zu konsumieren: Runden, die "geschmissen" werden, Gäste, die für andere zahlen, Appetit, der entsteht, wenn andere essen und trinken, eine Stimmung und Gespräche, die motivieren, länger zu bleiben als sonst.
Das von Burkhard Schneider besuchte Restaurant verlangt angeblich eine Reservierungsgebühr von 20 Euro für jeden Gast, der nicht erscheint. Was ist davon zu halten? Siehe dazu meinen früheren Beitrag "Schadenersatz bei Nichteinhaltung einer Tischreservierung".

Burkhard Schneider moniert weiter:
"Der absolute Hammer war eine Service-Fee in Höhe von 35,50 EUR. Ich wusste gar nicht, dass es so etwas in Deutschland gibt. Oder hat man das nur uns berechnet, weil man sowieso kein freiwilliges Trinkgeld bei diesem lausigen Service erwarten konnte?"
Dazu ist zu sagen, daß die in Speisekarten angegebenen Preise Endpreise sein müssen. Mehrwertsteuer oder Bedienungsaufschläge getrennt zu berechnen, ist nicht erlaubt. Siehe dazu Paragraph 7 der Preisangabenverordnung. Absatz 5 lautet:
"Die in den Preisverzeichnissen aufgeführten Preise müssen das Bedienungsgeld und sonstige Zuschläge einschließen."
Burkhard Schneider schreibt weiter:
"Und jetzt rächte sich auch, dass ein Gruppenmitglied das empfohlene Fleisch gewählt hatte, das nicht auf der Karte stand. Es war mit 49,80 EUR nicht wirklich ein Schnäppchen."
Es ist durchaus möglich, weitere Speisen und Getränke zu führen, die in der Speisekarte oder weiteren Preisverzeichnissen nicht enthalten sind. Kommt es zu einem Kaufvertrag über ein solches Produkt, ohne daß explizit ein Preis vereinbart wird, müßte im Streitfalle letztlich ein Gericht, das sich vermutlich eines Sachverständigen bedienen wird, darüber entscheiden, ob der verlangte Preis angemessen ist. Man wird zur Beurteilung dieser Frage die anderen Angebote, deren Preise und die relativen Kosten des Wareneinsatzes und die Kosten der Herstellung heranziehen oder die betriebsüblichen Aufschlagssätze. Ein Gast, der sich betrogen fühlt, könnte die Bezahlung teilweise verweigern, einen Teilbetrag zahlen, den er für angemessen hält und für den Rest auf den Klageweg verweisen und dazu seinen Namen und seine Anschrift angeben. Prozesstaktisch geschickt wäre es sicherlich, den Teilbetrag, den er zahlt, eher hoch zu bemessen.

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