Gastgewerbe Gedankensplitter



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Dienstag, Februar 12, 2008

Doofe Gastronomen.

Vor ein paar Tagen behauptet der allseits geschätzte Robert Basic ganz frech: "Gaststätten sind doof", was ich ja nicht so stehen lassen kann. Er schreibt im Einzelnen:
"na ja, nicht wirklich, aber habe nun u.a. drei Flyer hier rumliegen und davon sind zwei Rufnummern nicht korrekt (die Gaststätten gibts noch), im Netz nix zu finden, die dritte Gaststätte liefert nicht, sondern man kann sich das Zeug nur abholen. Tolle Quote. Na, die Raucher sind schuld:))"
Zugegeben, auch in der Hitze des alltäglichen Geschäfts sollte man vermeiden, auf Werbedrucksachen seine Kontaktdaten falsch zu schreiben. Doch das soll auch in anderen Branchen vorkommen. Zwei Beispiele aus meinem Bekanntenkreis:
  • Ein technischer Kundendienst eines großen Versandhauses gibt versehentlich die Telefonnummer meines Onkels als die seine aus - in einem bundesweit verteilten Katalog wird eine falsche Vorwahl verwendet. Dessen Telefon klingelt daraufhin permanent. Zuerst ist er erstaunt, dann genervt, zuletzt nimmt er alle Beschwerden freundlich an und verspricht sofort vorbeizukommen...
  • Ein Stadtmarketingverein unterliegt in einem neuen Prospekt einem Zahlendreher. Nur ab und zu ruft jemand die Nummer meines Bekannten an. Zuerst ärgert er sich und beschwert sich. Später versucht er mit den Anrufern erst einmal ins Gespräch zu kommen und knüpft auch interessante neue Kontakte.
Robert Basic schreibt weiter:
"Was mich mal interessieren würde: Wenn sich für eine einzelne Kneipe ein Lieferservice nicht lohnt, findet sich demnach auch kein Lieferant vor Ort, der für mehrere Kneipen zugleich ausliefert und die sich die Kosten dann teilen? Oder lohnt sich das für den Lieferanten auch nicht?"
Die Bereitschaft von Individualgastronomen zu kooperieren, ist generell nicht besonders stark ausgeprägt - auch wegen des damit verbundenen Koordinierungsaufwand. So hat eine mir bekannte Unternehmensberaterin kein Glück mit ihrer Idee gehabt, benachbarte Gastronomen in einer Innenstadt einer Stadt dazu zu bewegen, Komponenten für Speisen zu tauschen, bestimmte Komponenten in jeweils nur einem Betrieb vorzubereiten und dann den anderen Betrieben zur Verfügung zu stellen, also wechselseitig zu convenieren. Bei Catering- und Partyservice-Anbietern sieht es besser aus, weil diese es gewohnt sind, möglichst wenig Kapazitäten selbst vorzuhalten oder stattdessen lieber auf Kapazitäten von Kollegen zurückzugreifen, sich etwa Geräte oder Mitarbeiter zu leihen oder wechselseitig als Subunternehmer zu fungieren. Es wundert mich auch deshalb nicht, daß kooperative Lieferservices rar sind. Es wäre interessant, von Beispielen zu hören und zu erfahren, ob so etwas praktisch funktioniert.

Es gibt einige Argumente, die gegen Gaststätten übergreifende Lieferdienste sprechen:
  • Telefonische Bestellungen von Speisen zur sofortigen Lieferung sind in der Regel nicht besonders umfangreich. Die anbietenden Gastronomen müssen ohnehin mit Mindestbestellwerten operieren, um nicht von den hohen fixen Kosten der Lieferung erdrückt zu werden. Sie bieten deshalb sogar zusätzliche Produkte an, etwa Getränke.
  • Gaststätten bieten meist ein vielfältiges Speisenangebot an, das unterschiedliche Geschmäcker - etwa in einer Familie - befriedigt.
  • Zwar würde etwa gemeinsamer Fuhrpark die fixen Kosten eines Lieferdienstes verringern, doch nur um den Preis eines erheblichen Aufwands bei der Koordination.
Alternativ kämen Lieferdienste in Frage, die nicht von der Gastronomie selbst betrieben, sondern von den Kunden oder den Gastronomen beauftragt werden:
  • Die Bamberger Caritas setzt für ihren Mahlzeitendienst (eine Art "Essen auf Rädern") auf einen Rahmenvertrag mit Taxifahrern. Siehe dazu meinen Beitrag: "Catering". So können Fahrkapazitäten genutzt werden, die mittags weniger ausgelastet sind (Taxis). Die anteiligen Kosten sinken, denn es werden mehrere Kunden auf einer Tour angefahren. Die Fahrten können geplant werden, da die Kunden vorab bestellen. Es fallen keine Kosten für die Fahrbereitschaft (warten auf telefonische Bestellungen) an. Die Ausfahrer wissen aus Erfahrung, wo ihre Kunden zu finden sind; Irrfahrten können vermieden werden.
  • In Zürich gibt es den Restaurant-Kurier-Servicce Mosi's Gourmet Express, erfährt man in den Kommentaren zum Beitrag von Robert Basic. Gegründet wurde diese Firma bereits im Februar 1998. Als Vorbild dienten, so heißt es auf deren Website, Kurierdienste in Australien und Nordamerika, welche schon seit vielen Jahren erfolgreich Hauslieferungen aus Restaurants anbieten. In der Schweiz seien Pizzakurierdienste seit den frühen 80er Jahren bekannt:
    "Mosi's Gourmet Express bietet Ihnen nun als erster Restaurant Kurier die Möglichkeit, verschiedenste Speisen von der schweizer Rösti über die italienische Holzofenpizza bis hin zum thailändischen Curry einfach und bequem zu Hause oder an Ihrem Arbeitsplatz zu geniessen. Durch unsere Zusammenarbeit mit zahlreichen Partner-Restaurants profitieren Sie als Kunde von der stadtweit grössten Auswahl an köstlichen Gerichten in Restaurant Qualität.

    Sowohl bei den Speisen als auch beim Service setzt Mosi's konsequent auf Qualität. Bei allen Partner-Restaurants handelt es sich um Betriebe, deren Küchen Ihnen bei jeder Bestellung absoluten Hochgenuss garantieren. Die Gerichte werden von unseren Kurieren direkt 'ab Pfanne' übernommen und sofort in speziellen Isoliertaschen ausgeliefert. So stellen wir eine rasche Lieferung in Restaurant Qualität sicher."
    Es ist aber fraglich, ob Robert Basic, wenn er in Zürich leben würde, mit diesem Service glücklich würde. Der Mindestbestellwert pro Restaurant beträgt 30 Franken. Hinzu kommt eine Liefergebühr von 5 Franken für Lieferungen innerhalb einer definierten Postleitzone, ansonten von 14 Franken.

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