Gastgewerbe Gedankensplitter



« Home | Blogroll-Umfrage 2008. » | Rauchverbot in Einraumgaststaetten in Rheinland-Pf... » | Doofe Gastronomen. » | Essenfinden in Deiner Umgebung. » | Koennen PDA's Funkkassen ersetzen? » | Die "Dekonstruktion" der Erbsensuppe. » | Ueberlebenshilfe in fünf Schritten. » | Ministerpraesident Oettinger hat Kneipensterben be... » | Praxis-Broschuere für Umweltschutz in Hotellerie u... » | Tourismuscamp Eichstaett: Smalltalk am Vorabend? »


Mittwoch, Februar 13, 2008

Koennen Wein und Bier wirklich voneinander lernen?

(mer) Die Bündner Runde des Brachenguru Rüdiger Ruoss im schweizerischen Davos war in diesem Jahr Schauplatz einer außergewöhnlichen Diskussion. Unter den Thema "Was kann Bier von Wein und Wein von Bier lernen?" tauschten die Instanz der Bierwelt Conrad Seidl und der bekannte Weinkritiker Stuart Pigott die Rollen: Pigott verkostete eine Vielzahl von Bieren nach Weinkriterien und der Bierpapst stellte seine Weinauswahl vor.

Als Pate fungierte Bier-seitig Dr. Heyse vom Fachverlag Hans Carl, den Wein vertrat der Winzer und Oenologe Klaus Herrmann von Fachmagazin "wein+ markt". Unter der Moderation von Peter Meyer von der auf Getränke spezialisierten Werbeagentur c.t.b. aus Berlin wurde dieses Treffen der besonderen Art Ausgangspunkt einer sehr lebendigen und teilweise sehr kontrovers geführten Diskussion der ca. 100 Teilnehmer des Forums. Es entwickelten sich Fragestellungen, zu denen es sonst wohl nie innerhalb der unterschiedlichen Zweige der Branche gekommen wäre.

Erzählt Bier immer die gleiche Geschichte?

Fragt man einen Brauer nach seinem Unternehmen, wird als ein wichtiger Fakt stets der Ausstoß an Hektolitern genannt, während ein Winzer von seinen Weinbergen, Rebsorten und der Tradition des Gutes erzählt. Sollte nicht auch das Bier seine unverwechselbaren Identitäten stärker kultivieren? Pigott meint, dass das Bier die ewig gleichen Geschichten vom Wasser und einer malerischen Landschaft erzähle und dabei die "Sinnlichkeit des Getränkes" viel zu wenig betone. Auch Seidl plädierte für eine größere Vielfalt. Brauereien, GFGH und Gastronomie würden immer nur die ewig gleichen Sorten anbieten und könnten doch wie Wein auch mit einer großen Vielfalt aufwarten und somit die gesamte Gattung interessanter machen. Es brauche nur Mut, Kreativität und mehr Braumeister in der öffentlichen Präsenz und Leitung der Bierproduzenten.

Braucht der Wein ein Reinheitsgebot?

Auf der anderen Seite beneiden die Winzer die Brauer um das Reinheitsgebot. Sollte nicht klar kommuniziert werden, was die NEUE WELT WEINE alles in sich bergen? Da wäre eine Grundlage wie das deutsche Reinheitsgebot eine hilfreiche Basis, auf der die deutschen Weine ihre Qualität beweisen könnten.
"In der Produktion unterscheiden sich Wein- und Bierhersteller wie InBev und Gallo kaum – nur in der Marketing-Positionierung ihrer Produkte"
so ein Diskutant aus dem Forum. Auch wurde die Frage gestellt, ob der Wein als Gattung wirklich zu elitär positioniert sei und durch ein ähnliches Image wie Bier mehr Marktvolumen erreicht werden könnte.

Nach den angeregten theoretischen Diskussionen gab es einen ebenso aufschlussreichen praktischen Teil des Abends: ein Galadiner mit herausragenden Weinen und unverwechselbaren Bierspezialitäten.

Ein ganz besonderes Menü als Highlight

Bei einem 7-gängigen Menü konnten die Teilnehmer der Bündner Runde entscheiden, ob sie zu den Gerichten Wein oder Bier oder beides – jeweils in 0,1l-Gläsern präsentiert – verkosten wollten. Stuart Pigott hatte die Biere, Conrad Seidl die Weine ausgewählt und beide erklärten jeweils ihre Wahl.

Schmeckt MECKATZER WEISS GOLD wirklich besser zur Pasta als Riesling?

Die Getränkegattungen wetteiferten an den Tischen und förderten Überraschendes zu Tage. So war eine der am meisten diskutierten Fragen, was nun Taglierini mit Artischocken und Oliven am besten begleiten würde: ein Riesling, ein MECKATZER WEISS GOLD aus dem Allgäu oder ein englisches SPITFIRE? Es wurde unter anderem die Idee geboren, einmal ein hochwertiges Menü von unterschiedlichen Bieren in kleineren Gläsern begleiten zu lassen. Ein wirklich interessanter Gedanke, der vor allem bei Gastronomen ankam. Denn der Gast erwartet heute etwas Besonderes, etwas Regionales und ein überraschendes Erlebnis bei seinem Restaurantbesuch.

Sicherlich konnten die zahlreichen Fragen des Abends in der Kürze der Zeit nicht abschließend beantwortet werden, doch war die Bündner Runde wiederum Startschuss für eine Diskussion, die wahrscheinlich die Branche noch lange beschäftigen wird.
"Vielleicht werden wir das Thema in anderer Besetzung in Berlin auf den Sommertage Getränke-Wirtschaft im August nochmals aufgreifen"
überlegte Rüdiger Ruoss im Anschluss an den inhaltlich und kulinarisch äußerst interessanten Abend in Davos. Man darf also weiterhin gespannt sein, wie sich die Bier- und die Weinwelt künftig austauschen werden und sich gegenseitig dazu animieren, in der Wertschätzung der Gäste zu steigen.

(Quelle: mer / Rüdiger Ruoss).

Labels: ,