Gastgewerbe Gedankensplitter



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Freitag, Februar 29, 2008

Zwanzig Prozent Raucherclubs in Bamberg.

Die Lokalzeitung "Fränkische Tag" berichtet in ihrer Ausgabe vom 29. Februar 2008 ganzseitig über die Umsetzung des gesetzlichen Rauchverbots in Bamberg ("Clubs wollen die Zeche nicht zahlen"):
  • Bereits 20 Prozent der rund 400 gastronomischen Betriebe in Bamberg haben laut Auskunft der Bamberger Stadtverwaltung ihren Betrieb bereits auf einen Raucherclub umgestellt.
  • Die Bamberger Stadtverwaltung ist als zuständige Kontrollbehörde der Ansicht, daß es, um die im "Gesundheitsschutzgesetz" vorgesehene Befreiung von "geschlossenen Gesellschaften" vom gesetzlichen Rauchverbot zu bewirken, nicht erforderlich sei, einen Verein zu gründen. Es müsse nur gewährleistet sein, dass die entsprechende Gaststätte nicht öffentlich betrieben wird, dafür reiche eine verschlossene Tür mit Klingel und eine konsequent geführte Gäste- bzw. Mitglieder-Kartei.
Faktisch, so mein persönlicher Eindruck, begnügen sich nicht wenige Betriebe damit, ein Schild "Geschlossene Gesellschaft" im Eingangsbereich aufzuhängen. Damit wird faktisch die "spanische Lösung" praktiziert, bei der sich Betriebe (in Spanien mit weniger als 100 qm Gastraumfläche) entscheiden können, ob sie ein Rauchverbot in ihren Räumen verhängen wollen oder nicht. In Spanien steht auf diesen Schildern, daß das Rauchen gestattet ist, in Bayern kryptisch "Geschlossene Gesellschaft". Betriebe mit Nebenräumen sind dabei im Vorteil. Sie können ihre "geschlossene Gesellschaft" im Nebenraum plazieren oder schicken gar Nichtraucher in den Nebenraum.

Hoffentlich ist das liberale Verhalten der Kommunen in Bayern nicht nur den Kommunalwahlen am kommenden Sonntag geschuldet.

Einige Bamberger Kollegen sind nicht mehr gut auf den Nichtraucher-Initiative Deutschland e.V. zu sprechen. Gerüchteweise versuchen fanatische Rauchverbotsbefürworter aus dessen Umfeld den Kollegen in Bamberg, die sich mit Raucherclubs gegen den Umsatzrückgang durch das Rauchverbot, wehren, am Zeug zu flicken. Ich kann nur appelieren, nicht die Fäuste zu schwingen. In einer Pressemitteilung dieses Vereins ("Ausnahme vom Rauchverbot für geschlossene Gesellschaften streichen" vom 17. Februar 2008) wird Bamberg explizit erwähnt:
"Als Beispiele führt die NID eine Rockkneipe in Straubing und ein Café-Bistro in Bamberg an. Deren Umsätze hätten sich mit der Zunahme der Raucherclubs in der Umgebung ständig verringert. Inzwischen lägen sie bei der Hälfte des Umsatzes, der noch im Dezember und Anfang Januar erzielt worden ist. Die Gaststätten mit Raucherclubs hingegen seien voll. Manche Raucher bräuchten dank mehrerer Clubkarten in verschiedenen Stadtvierteln nur ein paar Schritte gehen, um Bier oder Kaffee zusammen mit der Zigarette genießen zu können."
Offensichtlich ist dieser Verein mit seiner Prognose, nach Einführung des Rauchverbots würden neue nichtrauchende Gäste die Gaststätten stürmen und die Umsätze steigen, völlig daneben gelegen.

Stattdessen konnte der bislang erfolgreichste Raucherclub von zwei Betrieben in Bamberg und Hallstadt seine Mitgliederzahl auf 3.400 steigern. Die Nichtraucher-Initiative Deutschlands e.V. hat nach eigenen Angaben zum Vergleich "über 700 Einzelpersonen und 12 Vereine" als Mitglieder - bundesweit.

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Kommentare:
Erstens ist es logisch das Raucherclubs, wie auch immer geartet, gegründet werden, wenn sie möglich sind. Da reicht es schon wenn 10 von 100 Gästen danach fragen.

Zweitens gab es dort, wo es erst rauchfrei war, und es dann Raucherclubs gab keine Rückgänge (weder mit, noch ohne Raucherclub). Die Gründe für die Einrichtung von Raucherclubs lagen hier eher in der Trägheit von Wirt oder Gast (beim Raucherclub muss man nicht vor die Tür),oder vor befürchteten, aber nicht eingetrenen, Ruhestörungen vor der Tür.
Da sich die Umsätze zwischen einer Kneipe mit Rauchverbot und einem Raucherclub (ohne Laufkundschaft, zumeist ohne Nichtraucher) gleichen, wird im Zweifelsfall der Raucherclubs gewählt.

Der Druck der rauchende Gäste, führte lediglich dazu das Raucherclubs eingerichtet wurden, nicht etwa die Umsatzlage. Die Gäste kamen ja wie eh und jeh. Wissen die Gäste jedoch das Raucherclubs generell möglich sind, steht der Wirt unter Druck, und muss letztlich nachgeben, selbst wenn mit Rauchverbot das Geschäft besser oder gleich lief.

Die Raucherclubs sind also lediglich durch die Möglichkeit ansich bedingt, in keiner Weise durch Umsätzveränderungen. Wenn Raucher rauchen dürfen, wollen sie das auch tun, wenn sie es nicht können, murren sie, beehren aber ihr Stammlokal weiter.

Richtig ist aber auch das jeder Kneipier, jeder Wirt, der noch keinen Raucherclub eingerichtet hat, nun unter Druck steht, erstens weil die Durchsetzung eines Rauchverbotes ob der vielen Raucherclubs immer schwieriger wird, zweitens weil es verstärkt Nachfragen nach Raucherclubs.

In Brandenburg gibt es z.B. diese Folgen nicht, weil es schlicht und einfach keine geschlossenen Gesellschaften möglich sind. Die Raucher wissen das, und fragen deswegen auch nicht danach, und finden sich mit dem Verbot ab.

In Hamburg rauchte man bis zur Übergangsfrist am 1. März 08 auch noch weiter, weil Wirte wussten das noch nicht sanktioniert wird, und Raucher wussten das noch nicht sanktioniert wird. Am Umsatz ändert das jedoch nichts.

Die Leute gehen aus, essen, trinken und feiern: gibt es die Möglichkeit in Raucherclubs tun sie es dort, gibt es die Möglichkeit nicht, rauchen sie draussen. In beiden Fällen, ob mit Raucherclub oder ohne gibts kaum Umsatzunterschiede. Stellt sich nur die Frage ob man eine Lösung, wo man für ein Bier unterschreiben muss, etliche geschlossene Gesellschaften entstehen, und der Eindruck entsteht als gebe es nur verschlossene Türen mit Klingelknopf, präferiert. Das macht die bayerische Wirtshauskultur dann wirklich kaputt, wenn Gast erst unterschreiben und Mitglied werden muss, bevor er irgendwo einkehrt. Nur weil geraucht werden soll, was erst dadurch nachgefragt wird das es politisch ermöglicht wurde.
 
Raucher werden diskriminiert
 
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