Gastgewerbe Gedankensplitter



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Montag, März 03, 2008

Sieg!

Jetzt polemisiere ich schon seit 2002 gegen das damals nur angedachte, mittlerweile in allen Bundesländern beschlossene gesetzliche Rauchverbot in der Gastronomie. Das erste Posting zu diesem Thema vom 16. Juni 2002, als sich in den USA zart angedeutet hat, daß da etwas Ärgerliches auf uns zukommt. Zugegeben manchen Leser hat dies genervt. Man hat mich nicht nur einmal gefragt, ob es denn nur dieses Thema gäbe.

Heute morgen habe ich vorsichtig zu hoffen gewagt ("Die CSU wurde bei den Kommunalwahlen abgestraft"):
"Wenn das heißen soll, daß die CSU das gesetzliche Rauchverbot in der Gastronomie wieder abschaffen oder wenigstens die "spanische Lösung" einführen soll, bei der sich Gaststätten mit bis zu 100 Quadratmetern Gastraumfläche frei entscheiden könnnen, ob sie das Rauchen in ihren Räumen verbieten oder nicht, hätte ich nichts dagegen."
Der Tag ist noch nicht vorbei und ich kann lesen:
"Im CSU-Vorstand wurde das strenge bayerische Rauchverbot zu den Hauptursachen der Einbußen bei der Kommunalwahl gezählt. 'Das hat viele unserer Leute zur Wahlenthaltung gebracht', sagte ein CSU-Präsidiumsmitglied zur Süddeutschen Zeitung. Mit der strikten Regelung sei das bayerische Lebensgefühl vom 'Leben und leben lassen' verletzt worden.

Es zeichnet sich deshalb ab, dass das seit Januar geltende Gesetz abgeschwächt wird."
Quelle: "CSU erwägt Lockerung des Rauchverbots", in: Süddeutsche Zeitung vom 3. März 2008.

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Kommentare:
Geschätzter Herr Schoolmann,

auch ich habe mich zwischendurch gefragt - ja hat er denn kein anderen Thema mehr ... schließlich war Ihr BLOG zu 2Nichtraucherschutzgesetzfreien" Zeiten ein täglicher Quell und Fundus an Gastro Neuigkeiten - nicht nur an Raucher/Nichtraucher Themen und wie Sie sagen Polemik (ganz so hart will ich es gar nicht nennen).

So sehr wie mich das Nichtraucherschutzgesetz auch gestört hat, muss ich gestehen, bangt mir noch mehr vor einem landesweiten und bundesweit verschiedenen Gesetzes Flickenteppich an Sonderlösungen und Ausnahmen.

Der Schutz der Nichtraucher ist mir im Grunde genommen "herrlich egal" - nur fällt mir keine Lösung ein, wie Rauchen in Gaststätten und Mitarbeiterschutz vereinbar sein sollen.

Da mir hierzu keine "Lösung" einfällt bin ich mittlerweile der Meinung, das nur ein generelles Rauchverbot in Bezug auf den von der EU geforderten Mitarbeiterschutz Sinn macht.

Wie würden Sie diese Arbeitsschutzmassnahmen im Cafe Abseits durchsetzen, wenn dort geraucht werden dürfte?

Aber, lassen Sie sich den lang verdienten Sieg nicht trüben. Ich würde vorschlagen Sie sollten sich heute ein Spezialitäten Bier im Abseits gönnen und genüsslich eine dabei Rauchen...

Gruß nach Bamberg

Jörg Meyer
 
Den Befürwortern eines Rauchverbots geht es in Wahrheit nicht um den Schutz der Nichtraucher, sondern darum, Rauchern das Rauchen zu verleiden, sie zu erziehen, zu drangsalieren.

Es gibt keine politisch relevante, größere Anzahl von Nichtrauchern, die ein Rauchverbot fordert (außer ein paar organisierten Spinnern - bundesweit wenige Hundert).

Und es gibt auch objektiv kein gesundheitspolitisches Problem bei den Nichtrauchern. Die Zahlen, die das Krebsforschungszentrum Heidelberg veröffentlicht, sind irreführend, weil darunter auch solche Toten sind, die sehr alt geworden sind oder nicht eindeutig an Krankheiten gestorben sind, die auf Rauchen zurückzuführen sind. Die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gaststätten, die über sehr gute Daten verfügt, bestreitet, daß die diesbezügliche Sterblichkeit bei nichtrauchenden Arbeitnehmern in der Gastronomie höher ist als bei anderen Arbeitnehmern in solchen Branchen, in denen das Rauchen am Arbeitsplatz verboten ist.

Jahrzehntelang hat die Politik durch Erhöhungen der Tabaksteuer versucht, das Rauchen einzudämmen. Wegen der offenen Grenzen und dem dadurch erheblichen Schmuggel, ist dieser Weg nunmehr versperrt. Deshalb versucht man es jetzt durch Raucherdrangsalierung. Man ist zu feige, den Import, die Herstellung und den Vertrieb von Tabakwaren generell zu verbieten (was ich fordere) und so das Problem (die gesundheitlichen Folgen für die Raucher) an der Wurzel zu packen.

Die Behauptung, nichtrauchende Arbeitnehmer in der Gastronomie seien gesundheitlich gefährdet, wird durch Statistiken der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gaststätten nicht belegt. Die BGN, die für den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer zuständig ist, befürwortet deshalb auch ein solches Verbot nicht. Gäbe es Zahlen, die eine solche Gefährdung belegen, hätte die BGN von sich aus die Möglichkeit, das Rauchen in der Gastronomie zu verbieten, genauso wie sie andere Auflagen macht, um die Gesundheit der Arbeitnehmer zu schützen.

Seitens der EU spielt politisch wohl auch noch eine Rolle, daß man die Zuständigkeit ausweiten möchte - das alte Spiel der Bürokraten: mehr Kompetenzen, mehr Geld, mehr Jobs. Da es keine grenzüberschreitenden Effekte gibt, sollte das jedes Land für sich regeln.

Unter den Arbeitnehmern in der Gastronomie gibt es unterschiedliche Auffassungen über ein Rauchverbot (egal ob gesetzlich oder vom Gastronom selbst geregelt). Mein Eindruck ist, dass es mehr rauchende Arbeitnehmer gibt, die gerne während der Arbeit bzw. in den kleinen Verschnaufpausen rauchen würden, als nichtrauchende Arbeitnehmer, die sich durch den Rauch belästigt fühlen. Dies liegt wohl daran, daß in der Zeit vor dem Rauchverbot jeder gewusst hat, worauf er sich einläßt, wenn er einen solchen Job antritt. Ohnehin ist die Fluktuation in der Gastronomie sehr hoch. Wer sich belästigt fühlt und lieber in einer rauchfreien Gastronomie oder anderen Branche arbeiten möchte, hat dies früher schon getan und kann es auch heute jederzeit tun.

Unter'm Strich gibt es einfach keinen sachlichen Grund, warum die Politik sich um diese Frage kümmern sollte. Deshalb empfinden viele Bürger das gesetzliche Rauchverbot als Freiheitseinschränkung, gegen die sie sich wehren - zuletzt am Sonntag bei den Kommunalwahlen.
 
>Den Befürwortern eines Rauchverbots >geht es in Wahrheit nicht um den >Schutz der Nichtraucher, sondern >darum, Rauchern das Rauchen zu >verleiden

Wenn das so wäre, hätte man keine separaten Raucherräume zugelassen. Es geht um ein schlichtes Prinzip: Jeder soll soviel rauchen wie er will, solange er mit seinem Rauch niemanden belästigt.

Die jetzige Regelung wird sich übrigens aus einem simplen Grund kaum noch zurückdrehen lassen: Ich kenne sehr viele Menschen (Raucher wie Nichtraucher), die dem Verbot anfangs eher ablehnend gegenüberstanden (unnötige Gängelung, Verbotswahn, etc.), aber es in den letzten Monaten zu schätzen gelernt haben, nicht nach jedem Kneipenbesuch die Klamotten in die Reinigung geben zu müssen oder Kopfschmerzen zu haben vom vernebelten Raum. Diese positive Erfahrung mit rauchfreien Kneipen, Restaurants und Konzertveranstaltungen wird man aus den Köpfen der Leute nicht mehr rausbekommen. Wer das eine zeitlang gewohnt ist, findet es nur noch absurd, wenn er dann ma (z.B. im Ausland) wieder in ein verräuchertes Restaurant gehen muss.
 
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