Gastgewerbe Gedankensplitter



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Freitag, März 21, 2008

Trinkgeld-Verteilung.

Ein nicht rechtskräftiges, erstinstanzliches Urteil hat Starbucks in den USA verpflichtet, die bisherige Regelung, Vorgesetzte an den Trinkgeldern zu beteiligen, abzuschaffen: " Starbucks-Chefs sollen kein Trinkgeld bekommen", in: Die Welt vom 21. März 2008 (der von der "Welt" gewählte Titel gibt den Inhalt des Urteils nicht richtig wieder. Es geht nicht um eine Trinkgeldbeteiligung des Starbucks-Managements, sondern der Schichtleiter und Filialleiter, also des niederen Managements, die zumindest temporär auch in die Arbeit "an der Front" eingebunden sind.

In den USA sind Trinkgelder im Gastgewerbe ohnehin ein viel hitzigerer Streitpunkt, weil die Arbeitnehmer im Gastgewerbe in weit höherem Maße von Trinkgeldern abhängig sind als etwa in Deutschland. Siehe dazu auch meinen früheren Beitrag "Trinkgeld - freiwillig oder nicht.".

In Deutschland ist die Verteilung von Trinkgeldern nicht gesetzlich geregelt. Verbleibt das Trinkgeld nicht einfach bei dem, der es individuell erhält, wäre es denkbar, die Verteilung arbeitsvertraglich analog in der Weise zu regeln, wie etwa im bayerischen Manteltarifvertrag für das Gastgewerbe die Verteilung von Umsatzbeteiligungen in Betrieben geregelt ist, die das sogenannte "Tronc-System" anwenden. Dabei fließt die im jeweiligen Service-Bereich (z. B. Restaurant, Beherbergung usw.) anfallende Umsatzbeteiligung in den diesem Bereich entsprechenden Tronc.

Die Verteilung des Tronc darf nach diesem Tarifvertrag nur im Verhältnis zum tariflichen Garantielohn erfolgen, soweit nicht zwischen Arbeitgeber und Betriebsvertretung im Einzelfall schriftlich eine andere Regelung getroffen wird. Arbeitnehmer mit lediglich platzanweisender oder geschäftsführender Tätigkeit dürfen nicht aus dem Tronc entlohnt werden.

Der Betriebsrat oder eine von den Tronc-Beteiligten gewählte Kommission ist demnach berechtigt, die Umsatzbeteiligung und ihre Verteilung durch monatliche Einsichtnahme zu überprüfen; insoweit sind die Bestimmungen des § 87 BetrVG zu beachten.

In der Praxis deutscher Betriebe gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Regelungen. Einen kleinen, nicht repräsentativen Eindruck vermittelt eine Diskussion im Forum von Hotelfach.de.

Werden Trinkgelder nicht individuell behalten, sondern verteilt, muß man sich bei der Gestaltung eines Verteilsystems überlegen:
  • Welche Trinkgelder fließen in den Tronc? Auch die aus Ausser-Haus-Geschäften, Lieferdiensten, Catering, Events?
  • Welche Arbeiten, welche Arbeitnehmer werden beteiligt? Nur Service-Mitarbeiter oder auch die Küche? Problematisch: Reinigungskräfte, leitende Mitarbeiter, Praktikanten, Auszubildende.
  • In welchem Zeitrahmen werden Trinkgelder verteilt: Monatlich, wöchentlich, täglich, je Schicht?
  • Was ist der Beteiligungsfaktor? Die Anzahl der geleisteten Stunden oder die Lohnsumme?
  • Wer verteilt? Wer kontrolliert?
  • Wer entscheidet über die Einführung einer Regelung und Änderungen?
Die gewählte Lösung hat auch Auswirkungen auf die Zusammenarbeit im Team und auf die Einstellungskriterien. Siehe dazu meine früheren Beiträge "Teams zusammenstellen, führen und motivieren" und "Personalauswahl in der Gastronomie".

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