Gastgewerbe Gedankensplitter



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Donnerstag, April 10, 2008

Hausverbot fuer Restaurantkritiker.

Rein rechtlich gesehen darf ein Gastronom im Rahmen seines Hausrechts jedermann ein Hausverbot erteilen, aber nicht willkürlich. Siehe dazu ein Urteil des Landgerichts Bielefeld (Az.: 20 S 137/04, Urteil vom 18.01.2005, Quelle: RA Kotz).

Vor diesem Hintergrund würde ich in der Regel davon abraten, einem Restaurantkritiker ein Hausverbot zu erteilen. Unabhängig von der rechtlichen Einschätzung halst man sich möglicherweise ein PR-Desaster auf. Ein Beispiel: "Hausverbot für Restaurant-Kritiker und die Folgen…", in: News Blog von Restaurant-Kritik.de vom 10. April 2008.

Geschickter ist es, allzu kritische Geister zu neutralisieren, indem man zufriedene Gäste motiviert, ihre Kritik beizusteuern. Qype versendet z.B. Flyer und Aufkleber, mit denen man seine Gäste animieren kann, ihre Erfahrungen auf diesem Bewertungsportal zu veröffentlichen. Oder man bietet Anreize für Möchtegern-Retaurantkritiker, den eigenen Betrieb zu besuchen und zu besprechen. Dazu kann man z.B. personalisierte Gutscheine auf Qype ausloben. Siehe dazu meinen früheren Beitrag "Coupons bei Qype".

Anders sieht es aus, wenn schlechte Restaurantkritiken gefakt werden. So etwas ist mir auch schon passiert. Ein angeblicher "Klaus Beimer" (der Name einer Rolle in der Fernsehsendung "Lindenstraße"!) hat in einer im letzten Jahr veröffentlichten Kritik meines Betriebs behauptet:
  • Es gäbe nur Schnitzelgerichte. Dies ist falsch: Wir haben eine recht umfangreiche Speisekarte.
  • Das Schnitzel habe 10,50 Euro gekostet. Das ist falsch: Es ist erheblich billiger.
  • In unserer Getränkekarte wäre eine Cola 0,25 Liter für 1,40 Euro ausgepreist, aber man bekäme eine Flasche mit 0,2 Liter Inhalt und bezahle dafür genauso viel. Auch dies ist falsch: Wir schenken seit 1983 Cola offen in 0,2 l und 0,4 l-Gläsern aus.
Ich habe mich dann einfach an den Herausgeber des Bewertungsportals gewandt, die Falschbeurteilung en détail nachgewiesen (man kann unsere Speise- und Getränkekarte online einsehen) und ihn gebeten:
"Bitte kontaktieren Sie den Bewertenden und klären Sie ab, in welchem Lokal er gewesen ist. Offensichtlich nicht bei uns. Wenn dies nicht möglich ist, löschen Sie bitte diese Bewertung."
Weitere Dinge, die in der Kritik angesprochen worden waren, konnte ich mir zwar auch nicht erklären, es waren aber subjektive Einschätzungen, deren objektive Unwahrheit sich schwer belegen ließ. Aber die angesprochenen Fakten haben eindeutig auf ein Missverständnis oder eine böse, dumm ausgeführte Absicht hingewiesen. Deshalb wurde diese Kritik dann auch umgehend gelöscht.

Der in dem oben verlinkten Artikel erwähnte Freizeit-Restaurantkritiker hat angeblich ein Bild des von ihm kritisierten Restaurants von dessen Website kopiert und auf seiner Website veröffentlicht. Damit hätte er sich zwar strafbar gemacht. Ich rate Ihnen aber, wenn Ihnen sowas mal passiert, dringend davon ab, straf- oder zivilrechtlich dagegen vorzugehen. Ganz im Gegenteil: Erleichtern Sie jedem, der Fotos Ihres Betriebs verbreiten will, die Arbeit. Siehe dazu meinen früheren Beitrag "Kulinarische Blogger: Willkommen".

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