Gastgewerbe Gedankensplitter



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Dienstag, Juni 03, 2008

Milch, die sauer aufstoesst.

Mit einer Vielzahl krimineller Methoden wie
  • Boykottaufrufen zur Durchsetzung von Preisabsprachen
  • Nötigungen und
  • Eingriffen in den Straßenverkehr
versuchen die Milchbauern höhere Preise durchzusetzen. Mehr darüber: "Milchboykott: Kühlregale bleiben leer", in: Handelsblatt vom 2. Juni 2008.

Indirekte Opfer sind die Milchverbraucher, auch die Gastronomie, die in erheblichem Umfange Milch und Milchprodukte zu marktkonformen Preisen benötigt und Preisabsprachen nicht dulden kann.

Statt seine Mitglieder anzuhalten, sich gesetzestreu zu verhalten, fordert der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, eine Änderung des Kartellrechts: "Milchstreit: Sonnleitner fordert Überprüfung des Kartellrechts", in: Yahoo vom 29. Mai 2008.

Die bayerische Polizei, die ansonsten über jeden Fahrraddiebstahl eine Pressemeldung verfaßt, schweigt zu diesem Treiben organisierter Kriminalität. Und der bayerische Ministerpräsident spricht sich lediglich gegen Blockaden aus, die "über mehrere Stunden" gehen, so als ob eine mehrstündige Dauer ein Tatbestandsmerkmal wäre: "Milchboykott: Beckstein gegen Blockaden von Molkereien", in: Donaukurier vom 3. Juni 2008. Er hat angesichts der Landtagswahlen im Herbst 2008 wohl Angst vor den Bauern.

Kommentare:
Hier ist das Umgehen von Verordnungen zum Nichtraucherschutz eine heroische Tat, dort ist das Durchsetzen fairer und angemessener Preise "organisierte Kriminalität". Sie messen mit zweierlei Maß, das ist ihr gutes Recht. Aber Sie verkennen in diesem Fall die wahren Hintergründe!
 
Es sind keine Verordnungen zum Nichtraucherschutz, sondern Gesetze, also von den Länderparlementen beschlossen und nicht von den Länderregierungen erlassen.

Zweitens propagiere ich nicht, diese Gesetze zu umgehen, sondern inbesondere schlecht formulerte Regelungen so zu interpretieren, dass man daran nicht Pleite geht.

Unsere Marktwirtschaft funktioniert nicht so, dass vermeintlich oder angeblich "faire und angemessene" Preise von irgendwem durchgesetzt oder gar vom Staat festgelegt werden. Preise entstehen durch Angebot und Nachfrage. Wenn Sie den Verkaeufern zu niedrig sind, sollen sie an jemand anders verkaufen oder die Produktion einschraenken oder etwas anderes produzieren. Preise absprechen, sich verabreden, andere zu noetigen und den Verkehr zu behindern, zumal in einem Verband organisiert, ist schlichtweg rechtswidrig und auch durch angeblich soziale Motive nicht zu rechtfertigen.
 
Preise entstehen durch Angebot und Nachfrage, wenn man von einem ungehinderten und freien Wettbewerb ausgeht. Der Markt für Milch und Milchprodukte erfüllt diese Voraussetzungen nicht. Sowohl Einzelhandel als auch die Molkereien (von denen es in D bei weitem nicht genug gibt, um freien Wettbewerb zu garantieren) nutzen die Marktmacht, die ihnen ihr Oligopol bietet, aus, um Preise unter den Produktionskosten durchzusetzen. Wie dass mit einer 'sozialen Marktwirtschaft', die in D nun einmal herrscht, vereinbar sein soll, müssen sie erst einmal erklären!
 
Wenn die Konzentration im Lebensmittelhandel verantwortlich wäre für die Lage der Milcherzeuger, würden auch andere Hersteller von Lebensmittel unter ihren Produktionskosten Lebensmittel verkaufen müssen. Dem ist nicht so.

Der Grund für die derzeitige Situation der Milchwirtschaft liegen vielmehr darin:
Jahrzehntelang wurde die Milcherzeugung subventioniert und die Erzeugung quotiert. Nach dem teilweisen Wegfall dieser Marktbeschränkungen und Subventionen wird ohne Rücksicht auf die nachgefragten Mengen produziert. Dies führt natürlich zu sinkenden Preisen. Statt darauf marktkonform zu reagieren, versucht man rechtswidrig per Preisabsprache höhere Preise durchzusetzen.

Die Folge höherer Preise wäre ein Rückgang der Nachfrage nach Milchprodukten. Letztlich läuft dies darauf hinaus, daß der Staat gezwungen werden soll, Produktionsüberschüsse zu den überteuerten Preisen aufzukaufen, einzulagern oder auf dem Weltmarkt zu den dort niedrigeren Preisen zu verkaufen. Sowas hatten wir jahrzehntelang. Es hat den Steuerzahler Dutzende von Milliarden gekostet. Der Verbraucher zahlt doppelt drauf. Er wird mit Wucherpreisen für Milchprodukte abkassiert und mit höheren Steuern für die "Agrarpolitik".

Die angemessene Lösung ist ganz einfach. Wenn es für soviel Milch keine Nachfrage gibt zu Preisen, die die Kosten decken, muß man weniger Milch produzieren und milcherzeugende Betriebe auf andere Produkte umstellen.
 
Herr Schoolmann hat recht, wenn es um die Analyse der zurückliegenden Sünden "staatlich gesteuerter Landwirtschaft geht. Dennoch muss meiner Ansicht nach den so entstandenen Marktgegebenheiten Rechnung getragen werden. Der anonyme Schreiber hat Recht in dem er auf das entstandene Oligopol im Bereich der Milchwirtschaft verweist. 5 Unternehmen kontrollieren 90 % des Milchmarktes war heute morgen im Radio zu hören. Als mittelständischer Unternehmer würde ich mir auf dem Gebiet der Gastronomie und Hotellerie unter meinen Kollegen den Zusammenhalt der Milchbauern wünschen, wie diese ihn derzeit an den Tag legen. Zielgerichtetes Handeln für den legitimen Eigennutz setzt Stärke voraus. Diese Stärke haben bislang nur die immer größer werdenden Konzerne. Was diese Konzermacht noch mit Marktwirtschaft zu tun hat, soll mir mal einer erklären. Divide et impera ist nach wie vor erfolgreich, wie sich auch ein wenig an der Schelte von Herrn Schoolmann in die, meiner Meinung, nach falsche Richtung zeigt. Dem sollten wir mit einem ähnlichen Schulterschluss entgegen treten, wie uns das die Milchbauern gerade vormachen.
Der Markt regelt gar nichts, solange sich durch riesige Kapitalkonzentrationen Marktmacht bilden lässt.
 
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