Gastgewerbe Gedankensplitter



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Freitag, Juni 13, 2008

Wird Bier noch teurer?

Michael Huber, der Chef der Brauerei Veltins äußert sich zu strategischen Fragen seiner Branche: "Bier könnte nächstes Jahr noch teurer werden", in: Die Welt vom 13. Juni 2008:
  • Er lädt die Konkurrenz ein zur engeren Zusammenarbeit, zu einer Kooperation bei Logistik, IT und Verwaltung, aber auch beim Sortieren und Abfüllen von Bierflaschen.

    Er glaubt wohl, die Brauerei Veltins könnte als selbständiges Unternehmen überstehen, ohne ihrerseits weitere Brauereien der selben Liga zu übernehmen. Auf dem Biermarkt ist Globalisierung angesagt. Alleine den deutschen Markt zu bedienen kommt auf die Dauer bei mehr oder weniger austauschbaren Produkten, wie sie die Fernsehbrauereien produzieren, zu teuer. Und international schreitet die Konzentration voran. So möchte Invev (stark in Südamerika und Europa) Anheuser-Busch (stark in Nordamerika) übernehmen. Vielleicht ist die Anbiederung an mögliche Kooperationspartner aber auch nur eine verdeckte Aufforderung, Angebote zum Aufkauf von Veltins zu unterbreiten, gerade wenn er betont, ein Verkauf käme für das Familienunternehmen nicht in Frage.

  • Er kündigt an, wenn Rohstoff- und Energiekosten weiter steigen, im nächsten Jahr die Preise zu erhöhen.

    Die Frage ist, ob das durchsetzbar ist. Ich sehe überall im Einzelhandel Niedrigpreisangebote von Fernsehbieren, die trotzdem doppelt so teuer sind wie Disocunt-Biere.

  • Er sieht zurecht, daß die Politik mit dem Gedanken spielt, die Werbung für Alkohol zu begrenzen.

    Eine angemessene strategische Reaktion darauf wäre, Biermarken besser sichtbar zu machen, d.h. durch Präsenz im Handel und vor allem in der Gastronomie. Anders ausgedrückt: von der Werbung in Medien umzusteigen auf Präsenz am Point of Sale. Und von den Zigarrettenmarken zu lernen, also Biermarken um Produkte zu erweitern, für die Werbeverbote nicht gelten, wie es Camel vorgemacht hat. Das kann mit alkhoholfreien Getränken anfangen, muß aber bei Kleidung, Reisen oder Verlagsprodukten nicht enden.

  • Er sieht das Faßbiergeschäft unter Druck durch das Rauchverbot.

    Aber am Rückgang des Faßbieres sind nicht zuletzt die Brauereien schuld. Sie zocken die Gastronomen, die Faßbier nachfragen, mit überhöhten Preisen ab und schmeissen zugleich Flaschenbiere billig in den Handel. Man darf die strategisch wichtigeren und vergleichsweise treuen Kunden, also uns Gastronomen, nicht abzocken, sondern mus sie hegen und pflegen und mit besseren Preisen bedienen als die Schnäppchenjäger.

  • Er kündigt als Innovationen neue Biermixgetränke an.

    Dabei wünsche ich ihm viel Spaß. Meiner Ansicht nach sind die meisten Brauereien nicht auf Produkte eingestellt, die nur für eine kurze Zeit von maximal zwei Jahren laufen. Sie könnten z.B. von Ritter Sport oder den Markeneisherstellern lernen, wie man einen stetigen Strom neuer Produkte erzeugt, die sich auch rechnen, wenn sie nur ein paar Monate laufen.

    Eine befreundete kleine Brauerei in der Nähe von Bamberg hat z.B. eine Marke kreiert ("Unikum"), die in Rezeptur und Geschmack von Sud zu Sud wechselt und nur ein paar Mal im Jahr verfügbar ist. Das Problem, jedesmal neue Bieretiketten drucken zu müssen, was in dieser Liga schon ein relevanter Kostenfaktor ist, hat er mit Einheitsetiketten gelöst. Auf dem Etikett sind die variablen Inhalte der Biere (Alkoholgehlt, ober- oder untergärig, Mindesthaltbarkeit) ein für allemal gedruckt. Für jeden Sud werden die konkreten Ausprägungen dieser Variablen in das Etikett eingeritzt.

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